Maklercourtage Immobilienkäufer sollen um bis zu drei Milliarden Euro entlastet werden

Geht es nach SPD-Justizministerin Barley, sollen die Verkäufer von Immobilien die Maklergebühr vollständig selbst zahlen. Die Käufer würden entlastet, die Union reagiert verstimmt.

Hamburg (Symbolbild)
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Ein Gesetzentwurf von Justizministerin Katarina Barley (SPD) könnte für Streit in der Großen Koalition sorgen. Käufer von Häusern oder Wohnungen sparen durch die von Barley gewünschte Neuregelung der Maklergebühren nach Einschätzung ihres Ministeriums bis zu drei Milliarden Euro. Zugleich müssen die Makler mit jährlichen Umsatzeinbrüchen von 660 bis 750 Millionen Euro rechnen. Das geht aus dem Gesetzentwurf des Ministeriums hervor, der nun in der Bundesregierung diskutiert wird. Barley will durchsetzen, dass künftig derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt - also in vielen Fällen der Verkäufer.

Derzeit werden die Maklerkosten oft auf den Käufer umgelegt. Ein eigenes Zuhause werde dadurch "gerade für junge Menschen und Familien immer schwerer zu finanzieren", sagte Barley der "Süddeutschen Zeitung". Wie schon bei Vermietungen solle auch bei Immobilienkäufen der Grundsatz "Wer bestellt, der zahlt" gelten. "Das sorgt für einen echten Wettbewerb und faire Preise bei den Maklerkosten", sagte die Ministerin. Auf Verkäufer von Wohnimmobilien kommen nach Einschätzung des Ministeriums dadurch Maklerkosten von rund 3,3 Milliarden Euro zu.

Widerstand bei der Union

Das für Bau zuständige Innenministerium steht den Plänen ablehnend gegenüber. Marco Wanderwitz (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Innenministerium, sagte am Rande von Gremiensitzungen seiner Partei: "Wir sind davon nicht überzeugt."

Wanderwitz verwies darauf, dass es beim Wohngipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Thema Maklergebühren nur einen Prüfauftrag gegeben habe. Und nach Prüfung durch sein Haus sei man zu dem Ergebnis gekommen, "dass dieses Instrument untauglich ist und es viele andere Instrumente gäbe, die deutlich geeigneter wären, zu Entlastungen beim Thema Kosten des Wohneigentumerwerbs zu kommen".

Der CDU-Politiker nannte in diesem Zusammenhang eine Begrenzung der Grunderwerbsteuer oder Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer. "Insofern sehen wir mit Sorge, dass das Justizministerium jetzt diesen Weg gehen will", fügte er hinzu.

beb/dpa



insgesamt 212 Beiträge
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Seite 1
dasGyros 25.02.2019
1. Alles schön und gut..
.. aber wer verhindert, dass die Maklergebühren nicht einfach auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden? Dann wird die Immobilie halt einfach 3,57% teurer angeboten und schon hat sich die ganze Idee in Luft aufgelöst. Angebot und Nachfrage ....
Crom 25.02.2019
2.
Am Ende zählt die Gesamtsumme. Wenn natürlich dann der offizielle Kaufpreis höher ist, weil der Verkäufer die Provision einpreist, dann freut sich natürlich der Staat, kann er doch mehr Grunderwerbssteuer abknöpfen.
nixproblem 25.02.2019
3. Populistische Scheinlösung
Die Problematik bei den Maklerkosten lässt sich nicht durch dirigistische Eingriffe lösen. Solange Immobilien/Mietwohnungen Mangelware sind, können die Maklerkosten vom Verkäufer/Vermieter locker durch Aufschlag auf den Kaufpreis bzw. die Miete "refinanziert" werden. Der Gesetzentwurf von Frau Barley ist deshalb eine unbrauchbare populistische Scheinlösung.
skeptiker-today 25.02.2019
4. Abschaffen
Die ganze Maklergilde wird nicht mehr benötigt - das kann eine Webseite genauso gut wenn nicht sogar besser. Und die Gebühren sind sittenwidrig - oder was für eine "Leistung" wird denn erbracht für knapp 7% (!!)?
chris_stuggi 25.02.2019
5. Hervorragender Entwurf
Als jemand der vor kurzem in einem Ballungsgebiet ein Haus gekauft hat und dabei einen mittleren fünfstelligen Betrag an einen Makler bezahlt hat, kann ich diesen Gesetzesentwurf nur begrüßen. 4,5 Prozentpunkte für drei PowerPoint Folien und eine vorzogt Besichtigung ist mehr als überteuert. Als Käufer hat man bei der aktuell herrschenden Lage quasi keine Chance zu verhandeln. Außerdem hat schließlich der Verkäufer den Nutzen, das alles für ihn erledigt wird. Die Kommentierungen der weiß-blauen Freunde aus dem Innenministeriumzeigen ganz klar, für wen hier Politik gemacht wird.
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