Marktmanipulation Gericht verurteilt Börsenspekulant zu dreieinhalb Jahren Haft

Er gründete eine Aktiengesellschaft, trieb den Kurs mit Börsenbriefen und strich das Geld ein. Ein Münchner Strafgericht hat einen 42-Jährigen jetzt für diese Abzocke verurteilt.
Gerichtsgebäude in München: "Hohes Maß an krimineller Energie"

Gerichtsgebäude in München: "Hohes Maß an krimineller Energie"

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Das Münchner Landgericht hat einen früheren Börsenspekulanten wegen krimineller Marktmanipulation schuldig gesprochen. Der 42 Jahre alte Deutsch-Brite hatte alle Vorwürfe gestanden und akzeptierte das Urteil, Rechtsmittel kann er nun nicht mehr einlegen. Er muss dem Schuldspruch zufolge drei Jahre und sechs Monate in Haft, jedoch wird ihm die in Indonesien unter menschenunwürdigen Umständen verbrachte Auslieferungshaft im Verhältnis eins zu drei angerechnet.

Der Mann hatte 2007 ein aufwendiges Manöver gestartet: Er gründete eine Aktiengesellschaft namens Curcas Oil, um deren Kurse im Verein mit Börsenbrief-Ratgebern in die Höhe zu treiben und anschließend durch den Verkauf seiner Aktien Kasse zu machen. Der Nettogewinn belief sich nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf eine sechsstellige Summe. Der Vorsitzende Richter sprach von einem "hohen Maß an krimineller Energie", da die verbotene Kursmanipulation großen Aufwand erforderte und über mehrere Jahre vorbereitet wurde.

15 Monate in berüchtigtem Gefängnis auf Bali

Der Fall spielte sich im Dunstkreis eines Netzwerks von Spekulanten ab, die mit Marktmanipulationen Millionen scheffelten. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte vor einem Jahrzehnt zeitweilig gegen gut 30 Beschuldigte ermittelt. Mehrere andere Beteiligte wurden schon vor Jahren verurteilt, darunter ein einst prominenter TV-Börsenexperte. Dieser Komplize hatte in seinem Börsenbrief als neutrale Empfehlungen getarnte Reklame veröffentlicht, die er sich üppig bezahlen ließ.

Der Prozess gegen den in Wembley geborenen Angeklagten fand mit Verspätung statt, weil er sich der Justiz durch Flucht entzogen hatte: Er lebte in Singapur und wurde erst 2016 auf Bali gefasst. Auf der Ferieninsel verbrachte er 15 Monate in Untersuchungshaft, davon ein Jahr im berüchtigten Gefängnis Kerobokan, wo er eine winzige Zelle mit acht anderen Häftlingen teilte.

Vom ehemaligen Wohlstand ist ihm nichts geblieben. Das Gericht hatte keine Zweifel, dass der Mann auf Millionenschulden sitzt. Auch die Läuterung nahmen ihm die Richter ab: "Ich glaube, dass hier heute ein anderer sitzt als zum Zeitpunkt der Taten", sagte der Vorsitzende.

apr/dpa