Härtere Gesetze EU drängt Tabakindustrie zu Einheitspackungen

Größere Warnhinweise auf den Schachteln und einheitliche Verpackungen für Zigaretten: Einem Bericht zufolge plant die EU drastische Schritte gegen Tabakfirmen. 

Raucherin: Die EU arbeitet an einem "Katalog des Schreckens" für Tabakkonzerne
DPA

Raucherin: Die EU arbeitet an einem "Katalog des Schreckens" für Tabakkonzerne


Brüssel - Die EU will einem Bericht der "Welt" zufolge drastisch gegen die Tabakindustrie vorgehen. Wie das Blatt berichtet, sollen die Warnhinweise auf den Packungen vergrößert werden - von jetzt 30 Prozent auf ein Dreiviertel der Schachtelgröße. Die Zeitung bezieht sich hierbei auf ein 125-seitiges Dokument von Gesundheitskommissar John Dalli. Dem Bericht zufolge plant die EU auch, den Zugang zu Zigarettenautomaten zu erschweren, um vor allem junge Raucher zu schützen.

Auch sollen einheitliche Packungen in vorgegebener Größe ohne spezielle Unterscheidungsmerkmale eingeführt werden. Dadurch könnten Zigarettenhersteller nur schlecht für ihre Produkte werben - denn diese heben sich dann nicht von der Konkurrenz ab.

Auch sollen extra dünne Zigaretten ebenso wie der Zusatzstoff Menthol verboten werden. Der Gesetzentwurf sieht offenbar auch vor, dass sich Zigaretten künftig geschmacklich gleichen sollen. Ein Kommissionssprecher bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dapd, dass Gesetze geändert werden sollen. "Wir wollen darüber hinaus gehen", hieß es.

Noch seien allerdings nicht alle juristischen Aspekte geklärt - etwa, wie weit Brüssel mit seiner Regulierungswut gehen darf, um Menschen vor den schädlichen Wirkungen des Rauchens zu schützen.

Die Kommission sieht dem Bericht zufolge die Beschränkungen nur als Vorstufe: Fünf Jahre nach Inkrafttreten der nun geplanten Richtlinie will sie weitere Vorschläge "in Richtung eines vollen Plain Packaging" vorlegen, also ein vollständiges Verbot von Logos, Bildern und eigenen Schriftzügen. In den kommenden Tagen soll Dallis Entwurf den anderen EU-Kommissaren zur Stellungnahme zugeleitet werden.

Die letzte Richtlinie stammt aus dem Jahr 2001. Mehreren Ländern in der EU geht die Kommission viel zu zaghaft gegen die Tabakindustrie vor. So wird in Belgien, Frankreich und Großbritannien längst mit Schockbildern wie Röntgenaufnahmen von krebsbefallenen Lungen vor den Gefahren des Rauchens gewarnt.

Mitte August hatte Australiens Oberster Gerichtshof eine Klage mehrerer Tabakkonzerne gegen eine Regelung abgewiesen, wonach Zigaretten nur noch in neutralen Packungen ohne auffällige Markenaufdrucke mit Bildern beschädigter Organe verkauft werden dürfen. Auch Neuseeland, Kanada und Großbritannien prüfen die Einführung von Einheitspackungen.

lei/dapd/AFP



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