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07. März 2011, 11:05 Uhr

Mega-Abwertung

Griechenland wehrt sich gegen Rating-Riesen

Der Rating-Riese Moody's äußert massive Zweifel an Griechenlands Zahlungsfähigkeit: Die US-Agentur stufte das Euro-Krisenland um gleich drei Stufen herab. Die Regierung in Athen spricht von einer "völlig unberechtigten" Aktion - die Entscheidung ignoriere die jüngsten Sparmaßnahmen.

London - Die US-Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit von Griechenland kräftig gesenkt. Die Bonität wurde um drei Noten von "Ba1" auf "B1" zurückgestuft, teilte die Agentur am Montag mit. Zudem ist der Ausblick für das Rating negativ, was auf künftige weitere Herabstufungen hindeutet. Moody's hatte die Kreditwürdigkeit des hochverschuldeten Landes bereits im vergangenen Jahr auf Ramschstatus abgewertet (siehe Tabelle in der linken Spalte).

Nun schwächt die Agentur ihre Bewertung erneut ab: Möglicherweise komme das Land nicht um eine Umschuldung herum, bei der die Gläubiger auf einem Teil ihrer Forderungen sitzenbleiben. Je schlechter die Kreditwürdigkeit und je höher damit das Ausfallrisiko eingestuft wird, desto höhere Zinsen verlangen Investoren im Gegenzug für ihr Geld. Der Zinsabstand für zehnjährige griechische Staatsanleihen gegenüber der deutschen Bundesanleihe erhöhte sich um acht Basispunkte auf 9,13 Prozent.

Die Moody's-Analysten begründen die Herabstufung mit drei Faktoren:

Regierung fühlt sich ungerecht behandelt

Griechenland wehrt sich heftig gegen die Herabstufung: Sie sei ungerechtfertigt und stelle keine objektive und ausgewogene Beurteilung der Lage dar, heißt es in einer Stellungnahme des griechischen Finanzministeriums.

Der Schritt zeige vielmehr, dass Rating-Agenturen stärker kontrolliert werden müssten. "In Zeiten einer schwachen Weltwirtschaft und nervöser Märkte kann eine unausgewogene und ungerechtfertigte Entscheidung wie die von Moody's zu einer zerstörerischen, sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden."

Neben der Qualität der Analyse kritisiert die griechische Regierung Zeitpunkt und Ausmaß der Herabstufung als unverständlich. So habe Moody's in seine Analyse offenbar nur Risiken einfließen lassen und jüngste Konsolidierungsfortschritte und Reformen nicht gewürdigt. Die von Moody's genannten Argumente seien zudem nicht neu und bereits bei der vergangenen Herabstufung im Sommer 2010 bekannt gewesen.

Ende der Woche beraten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone darüber, wie Schuldenkrisen künftig vermieden werden könnten. Die Währungsgemeinschaft hat Griechenland im vergangenen Jahr massiv mit Krediten unter die Arme gegriffen und ist damit einem Staatsbankrott des Mittelmeerstaats zuvorgekommen.

cte/dpa/Reuters

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