Mega-Projekt Merkel und Medwedew eröffnen Ostsee-Pipeline

Das erste sibirische Erdgas strömt auf direktem Weg von Russland nach Deutschland. Bundeskanzlerin Merkel hat zusammen mit dem russischen Präsidenten Medwedew die Ostsee-Pipeline Nord Stream in Betrieb genommen. Doch das Projekt beschäftigt noch Gerichte.
Mega-Projekt: Merkel und Medwedew eröffnen Ostsee-Pipeline

Mega-Projekt: Merkel und Medwedew eröffnen Ostsee-Pipeline

Foto: DPA/ RIA Novosti

Lubmin - Schon die Gästeliste verdeutlicht den Stellenwert des Projekts: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitrij Medwedew haben die neue Ostsee-Pipeline Nord Stream offiziell in Betrieb genommen. In Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern drehten die beiden symbolisch den Gashahn für den ersten Leitungsstrang auf. Über eine Strecke von mehr als 1200 Kilometern transportiert die Pipeline Erdgas aus sibirischen Gasfeldern nach Europa. Die Leitung reicht von Wyborg in Russland bis Lubmin, teils in mehr als 200 Metern Meerestiefe.

Unter den mehr als 400 Gästen der Eröffnungsfeier waren auch die Ministerpräsidenten Frankreichs und der Niederlande, François Fillon und Mark Rutte. Das Projekt sei ein Zeichen dafür, "dass wir auf eine sichere und belastbare Zusammenarbeit mit Russland in der Zukunft setzen", sagte Merkel. Trotz aller Bemühungen, die Herkunft von Energie möglichst weit zu streuen, sei Russland "einer der Haupt-Partner für die europäische Energieversorgung". Medwedew sagte, die Zusammenarbeit über Nord Stream sei "langfristig angelegt".

Mit einem Druck von zunächst etwa 80 Bar fließen seit Dienstag stündlich zunächst etwa eine Million Kubikmeter sibirisches Gas über den deutschen Anlandepunkt zu Kunden in West- und Südeuropa. Mit der schrittweisen Inbetriebnahme von insgesamt acht Hochleistungskompressoren in der russischen Verdichterstation Babajewo werde in den nächsten Wochen die volle Lieferkapazität hergestellt, hieß es.

Umstrittenes Projekt

Die neue Leitung in der Ostsee kostete rund 7,3 Milliarden Euro. Die erste Röhre hat eine Kapazität von 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Ende 2012 soll ein zweiter Strang in Betrieb gehen, dann sollen über Nord Stream bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich befördert werden. Damit können rechnerisch rund 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

Das Großprojekt ist umstritten. Von Umweltschützern und Ostsee-Anrainerländern war teils heftige Kritik gekommen. Russland pumpt unter Umgehung aller Transitländer Erdgas nach Deutschland.

Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft Nord Stream ist der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Anfang September weihte er nach jahrelanger Planungszeit zusammen mit Russlands Premier Wladimir Putin an der russisch-finnischen Grenze das Projekt ein. Beide brachten 2005 das Jahrhundertvorhaben auf den Weg.

Klage aus Polen

Auch wenn die Pipeline nun in Betrieb ist - der deutsch-polnische Streit um den Verlauf der Leitung ist damit nicht beigelegt. Die polnische Hafengesellschaft Swinemünde klagt gegen die Genehmigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das den Verlauf der Trasse auf dem deutschen Festlandsockel vor dem Swinemünder Hafen genehmigt hat.

Die polnischen Kläger wollen, dass die Pipeline in der Fahrrinne Swinemünde-Ystad (Schweden) auf einer Länge von 2,8 Seemeilen im Meeresboden versenkt wird, damit künftig Schiffe mit einem Tiefgang von 15 Metern den polnischen Hafen erreichen können.

mmq/AFP/dapd