Schuldenkrise Mehr als 100.000 Kinder arbeiten in Griechenland

"Die Kinder sind sozusagen unsichtbar": Laut Hilfsorganisationen gibt es in Griechenland rund 100.000 Minderjährige, die arbeiten müssen. Die meisten sind Roma, doch auch unter den Einheimischen steigt die Zahl der Kinderarbeiter.
Proteste in Athen: Regierung schließt weitere Sparmaßnahmen aus

Proteste in Athen: Regierung schließt weitere Sparmaßnahmen aus

Foto: Simela Pantzartzi/ dpa

Athen - Wegen der schweren Wirtschaftskrise und dramatischen Finanzlage arbeiten in Griechenland illegal rund 100.000 Kinder. Das teilte der für Kinderschutz zuständige stellvertretende Ombudsmann Giorgos Moschos am Dienstag mit. Viele dieser Kinder stammten aus den benachbarten Balkanstaaten und seien in der Regel Roma.

"Diese Kinder sind sozusagen unsichtbar. Sie sind verschwunden in einem gesellschaftlichen Umfeld, das andere Prioritäten hat als die Kinder zu schützen", sagte die Chefin der humanitären Organisation Netz für die Kinderrechte, Myrsine Zorba. An diesem Mittwoch ist der Internationale Tag gegen Kinderarbeit.

Tausende Kinder aus Balkanstaaten betteln auf den Straßen des Landes. Auch immer mehr einheimische Jugendliche versuchen Arbeit in Cafes und Tavernen zu finden, wie es heißt. In einer Klasse eines Gymnasiums auf der Halbinsel Peloponnes haben Berichten zufolge fast drei Viertel der Schüler Gelegenheitsjobs nach dem Unterricht.

Regierung schließt neue Sparmaßnahmen aus

Die griechische Regierung lehnt indes trotz des gescheiterten Verkaufs der staatlichen Erdgasfirma DEPA neue Sparmaßnahmen ab. Das sagte Ministerpräsident Antonis Samaras am Dienstag. Entsprechende Berichte und Gerüchte seien "lächerlich", so Samaras im griechischen Fernsehen.

Der Verkauf der griechischen Gasversorgung und damit eines der wichtigsten Privatisierungsprojekte des Krisenlandes war am Vortag geplatzt. Wie es aus Kreisen des Finanzministeriums hieß, will nun Athen mit der Troika der Geldgeber um einen Aufschub bei der Erfüllung der Privatisierungsziele bitten. Neue Sparmaßnahmen, wie Lohn- und Rentenkürzungen könnten die Griechen nicht mehr ertragen. Die Troika prüft zurzeit die Bücher in Athen.

cte/dpa
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