Zahlen für 2019 Mehr Wohnungsbau in Deutschland - aber noch immer nicht genug

2019 wurden in Deutschland so viele Wohnungen fertiggestellt wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Doch ihr selbst gestecktes Ziel zum Lindern der Wohnungsnot verfehlt die Bundesregierung noch immer. Hauptursachen: fehlende Flächen - und Bauarbeiter.
Neubauwohnungen in Berlin Schöneberg (Archivbild): Ein Plus von zwei Prozent

Neubauwohnungen in Berlin Schöneberg (Archivbild): Ein Plus von zwei Prozent

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Der Wohnungsbau in Deutschland ist 2019 stärker in Schwung gekommen und hat den höchsten Stand seit fast 20 Jahren erreicht. Mit 293.000 errichteten Wohnungen, einem Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, setzte sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort, teilte das Statistische Bundesamt mit . Eine höhere Zahl hatte es zuletzt 2001 mit 326.600 fertiggestellten Wohnungen gegeben.

Trotz der Fortschritte am Bau bleiben die Fertigstellungen deutlich unter den Zielen der Bundesregierung. Sie hatte sich 1,5 Millionen neue Wohnungen in der laufenden Legislaturperiode vorgenommen - 375.000 pro Jahr. Um die große Nachfrage nach Immobilien zu stillen und die Wohnungsnot in Städten zu bekämpfen, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen fertiggestellt werden.

Im vergangenen Jahr ging es am Bau immerhin wieder deutlich aufwärts, nachdem es 2018 kaum mehr als eine Stagnation gab. Während 2019 besonders viele Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstanden, gab es einen Rückgang in Zweifamilienhäusern.

Zahl der nicht fertiggestellten Wohnungen steigt

Dass 2019 nicht noch mehr gebaut wurde, lag vor allem an der hohen Zahl von genehmigten, aber nicht fertiggestellten Wohnungen. Der "Bauüberhang" wächst seit Jahren und summiert sich schon auf 740.400 Wohnungen. Das ist der höchste Stand seit 1998. Als wichtiger Grund gilt, dass Baufirmen und Handwerker nicht mit dem Abarbeiten der Aufträge hinterherkommen. Auch machen viele Vorschriften die Arbeit komplex.

In den vergangenen Jahren hatte die Baubranche einen Boom mit teils zweistelligen Wachstumsraten erlebt. Noch sind die Auftragsbücher gut gefüllt, doch die Coronakrise macht sich auch auf den Baustellen bemerkbar. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) erwartet, dass die Umsätze dieses Jahr bei rund 135 Milliarden Euro stagnieren.

Während die Nachfrage im Wohnungsbau weiter hoch sei, brechen die Aufträge in anderen Bereichen des privaten und öffentlichen Baus weg. "Das deutet im Augenblick auf nichts Gutes hin", sagte HDB-Präsident Peter Hübner jüngst. Auch Hygienemaßnahmen auf den Baustellen wie Abstandsregeln und versetzte Schichten sowie fehlende Arbeitskräfte bei Subunternehmen machten die Arbeit nicht leichter.

Flächen fehlen, Bauarbeiter auch

Viele Städte kämpfen in der Wohnungsnot mit den gleichen Problemen: Es fehlen Flächen für Wohnungen, die Immobilienpreise schießen in die Höhe, und die Bauwirtschaft kommt kaum hinterher. Der Druck schlägt sich in hohen Preisen nieder, die später zu teuren Mieten führen.

Die Coronakrise hat dem Immobilienspezialisten F+B zufolge bisher kaum etwas daran geändert. Zwar brachen die Anzeigen von Mietwohnungen im März ein. Doch Mieten und Kaufpreise bewegten sich laut einer neuen Analyse bis Ende Mai kaum.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hätten offenbar keinen nennenswerten Einfluss, sagte F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. "Weder waren in hohem Maße Preisanpassungen nach oben zu beobachten, noch wurden 'Corona-Rabatte' zur schnelleren Vermarktung von Miet- und Kaufimmobilien gewährt."

kko/dpa
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