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09. Mai 2011, 16:50 Uhr

Mehr Zuwanderer

Bevölkerung in Deutschland nimmt wieder zu

Die Trendwende ist geschafft: Nach Deutschland ziehen wieder mehr Menschen als fortgehen. Dennoch warnt Arbeitsministerin von der Leyen vor einem dramatischen Schwund an Arbeitskräften.

Wiesbaden - Wieder mehr rein als raus - so einfach lässt sich die aktuelle Entwicklung bei der Zuwanderung nach Deutschland skizzieren. So kamen im vergangenen Jahr knapp 800.000 Menschen ins Land, 671.000 Personen verließen Deutschland. Unterm Strich blieb ein Plus von 128.000, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. In den beiden Vorjahren hatte es noch ein Minus gegeben.

684.000 der Zuwanderer im vergangenen Jahr waren ausländischer Herkunft. Die Zahl der Deutschen, die ins Land kamen - Spätaussiedler oder Rückkehrer aus dem Ausland - , war mit rund 115.000 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Die meisten Zugezogenen reisten aus Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Türkei und den USA an. Prozentual nahm die Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien am stärksten zu.

Ob die Zugezogenen dauerhaft oder nur vorübergehend im Land bleiben, lässt sich nicht sagen. Das Gleiche gilt für diejenigen, die das Land verlassen haben.

Seit Anfang der Neunziger des vergangenen Jahrhunderts hatte es steigende Zuwandererzahlen nach Deutschland gegeben. 2008 und 2009 wanderten dann erstmals mehr Leute aus als ein.

Die Zahl der Fortzüge aus Deutschland wurde in den vergangenen drei Jahren auch durch Sondereffekte beeinflusst: Wegen der bundesweiten Einführung der Steueridentifikationsnummer für jeden Bürger bereinigten die Behörden ab 2008 ihre Melderegister und stellten fest, dass viele Bürger nicht mehr in Deutschland lebten. Hauptsächlich betraf dies Ausländer, die in ihre Heimat zurückgegangen waren, sich aber nicht abgemeldet hatten.

Fünf Millionen Erwerbstätige weniger in 15 Jahren

Zugleich altert Deutschlands Bevölkerung im Rekordtempo. Grund genug für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, sich Sorgen zu machen. Die CDU-Politikerin warnte vor einem drastischen Arbeitskräftemangel. In den kommenden 15 Jahren werde es rund fünf Millionen Erwerbstätige weniger geben, sollte es so weitergehen wie bisher, sagte sie. "Uns geht nicht die Arbeit aus, uns gehen im Moment die Arbeitskräfte aus." Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssten die Älteren wieder aktiviert, Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft besser ausgebildet, Frauen mehr gefördert und zudem mehr Zuwanderer von Deutschland überzeugt werden.

Von der Leyen sagte, wenn Deutschland es schaffte, die Erwerbstätigenquote der Älteren wie in Schweden auf 70 Prozent zu erhöhen, könnten die Unternehmen über zusätzlich 1,2 Millionen Fachkräfte verfügen. Zu möglichen Bedenken von Firmenchefs betonte sie, die Jungen könnten zwar schneller rennen, "aber die Älteren kennen die Abkürzung".

Bei den Jugendlichen stehe vor allem der Staat in der Verantwortung. Immer noch verließen sieben Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule, zehn Prozent brächen ihre Lehre ab. "Wenn es gelänge, allein diese Zahl zu halbieren, wären das 600.000 Fachkräfte in den nächsten 15 Jahren mehr."

yes/dpa

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