Coronakrise Mehrwertsteuersenkung war laut Ifo-Schätzung ein Milliardenflop

Der Staat hat zeitweise die Mehrwertsteuer gesenkt, um in der Coronakrise den Konsum anzukurbeln. Laut einer Schätzung des Ifo-Instituts hat diese Maßnahme bislang rund dreimal mehr gekostet als genützt.
Durchgestrichene Mehrwertsteuersätze auf einem Kassenbon

Durchgestrichene Mehrwertsteuersätze auf einem Kassenbon

Foto: Christian Ohde/ imago images/Christian Ohde

Die befristete Senkung der Mehrwertsteuer hat wohl nur einen vergleichsweise geringen Effekt auf das Wirtschaftswachstum gehabt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Schätzung des Ifo-Instituts, aus der das »Handelsblatt« zitiert .

»Ziel der Senkung war es, die Konjunktur durch Belebung des Binnenkonsums zu stabilisieren«, sagte Andreas Peichl, einer der Studienautoren. »Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass dieses Ziel nicht erreicht worden ist.«

Den gesamtwirtschaftlichen Konsumeffekt der Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 schätzt das Ifo-Institut auf 6,3 Milliarden Euro. In Relation zu den gesamten privaten Konsumausgaben des Jahres 2019 in Höhe von 1,81 Billionen Euro  entspreche dies einem Anstieg um nur 0,6 Prozent.

Kosten und Nutzen der Maßnahme seien damit in einem ungünstigen Verhältnis, sagte Peichl. Schließlich sei die Mehrwertsteuersenkung mit 20 Milliarden Euro die teuerste Maßnahme im Konjunkturprogramm der Bundesregierung gewesen.

Das Ifo-Institut hat für seine Schätzung rund 30.000 Haushalte zu ihren Konsumabsichten befragen lassen. Dabei gaben lediglich zwei Prozent der Befragten an, dass sie zwischen Juni und Oktober eine größere Anschaffung tätigten, auf die sie ohne Mehrwertsteuersenkung verzichtet hätten.

Unter den Anschaffungen dominierten mit 43 Prozent Elektrogeräte wie Fernseher, Computer und Mobiltelefone. Danach folgten Ausgaben für größere Bau- und Renovierungstätigkeiten (39 Prozent) sowie der Kauf von Möbeln (32 Prozent).

Weitere zwölf Prozent der Befragten antworteten, dass sie 2020 noch eine größere Anschaffung planten, die sie ohne den staatlichen Konsumanreiz nicht tätigen würden.

Beide Anschaffungen, die konkreten wie die geplanten, flossen in die Ifo-Schätzung mit ein. Die Forscher rechneten die Ausgaben der Befragten auf alle Haushalte in Deutschland hoch und kamen so auf die 6,3 Milliarden Euro.

Die befristete Senkung der Mehrwertsteuer galt seit Jahresmitte und läuft Ende 2020 aus.

ssu