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21. November 2013, 15:46 Uhr

Streit über deutsche Exportstärke

Merkel verteidigt Handelsüberschüsse

Angela Merkel hat die Kritik an den deutschen Handelsüberschüssen zurückgewiesen. Die Kanzlerin sagte, es sei absurd, wenn die Bundesrepublik sich selbst schwäche. Kritiker aus den USA und der EU hatten zuletzt gefordert, dass Deutschland sein Exportplus reduziere.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das deutsche Wirtschaftsmodell mit hohen Handelsüberschüssen verteidigt. Es mache keinen Sinn, künstlich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu schmälern, sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Es wäre absurd, die Produktion zu drosseln und Abstriche an der Qualität der deutschen Produkte zu machen: "Das kann nicht der Sinn sein eines erfolgreichen Europas."

Deutschland steht seit Jahren wegen hoher Überschüsse in der Leistungsbilanz in der Kritik. Hintergrund ist die Exportstärke bei weniger starker Binnennachfrage. Vor kurzem monierte das US-Finanzministerium, dass die unausgeglichene Handelsbilanz zu einer "deflationären Verzerrung" innerhalb der Euro-Zone führe. Auch die EU äußerte sich kritisch, sie wirft Deutschland vor, sich durch Niedriglöhne Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Damit erschwere man die Lage anderer Euro-Länder, so der Vorwurf.

Angela Merkel hielt nun dagegen. Sie sagte, das magere Wachstum sei im Augenblick nahezu ausnahmslos von der Binnennachfrage getrieben. Auch die Kritik, Arbeitnehmer würden gerade in exportorientierten Branchen schlecht bezahlt, wies Merkel zurück. Zudem gebe es keinen großen Handelsüberschuss innerhalb Europas. Das große Plus entstehe im Handel mit boomenden Schwellenländern. Daher sei es auch fraglich, welchen Einfluss man hier nehmen könne, sagte Merkel.

Das Statistische Bundesamt hat jedoch bereits die Tendenz erkennen lassen, dass der deutsche Exportüberschuss sich langfristig verringern dürfte. Grund ist die steigende Binnennachfrage. Die aktuellen Zahlen stellt die Behörde am Freitag vor.

ang/dpa-AFX

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