Schuldenkrise Merkel will Euro-Austritt Griechenlands unbedingt verhindern
Kanzlerin Merkel, Ministerpräsident Samaras: "Wir müssen eine Lösung finden"
Foto: THOMAS PETER/ REUTERSHamburg - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach Informationen des SPIEGEL zu der Überzeugung gelangt, dass Griechenland im Herbst auf keinen Fall den Euro-Raum verlassen darf. "Wir müssen eine Lösung finden", sagte Merkel vergangene Woche im kleinen Kreis.
Die Kanzlerin und ihre Berater fürchten, ein Ausscheiden Griechenlands könnte einen ähnlichen Dominoeffekt auslösen wie die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Allein Deutschland müsste rund 62 Milliarden Euro abschreiben. Auch die politischen Kosten eines griechischen Euro-Austritts schätzt Merkel als zu hoch ein: Die Bundesregierung müsste womöglich Problemländer wie Italien und Spanien durch eine gemeinsame Schuldenunion stabilisieren, sagen Merkels Berater.
Die Grundsatzentscheidung zugunsten Griechenlands fiel im Kanzleramt, noch bevor die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds diese Woche zu ihrer neuen Erkundungsmission nach Athen aufbrach.
Griechenlands Premierminister verspricht Ende der Kürzungen
Eigentlich soll die Troika spätestens im Oktober einen Bericht über die griechischen Sparbemühungen vorlegen. Doch der Termin wird sich nach Angaben von Diplomaten weiter verzögern. Mit einer Entscheidung über Griechenlands Zukunft rechnet man in Brüssel erst für Anfang November.
Ein drittes Hilfsprogramm für das angeschlagene Mittelmeerland will Merkel auf jeden Fall verhindern, weil sie im Bundestag dafür keine Mehrheit bekäme. Stattdessen soll das bisherige Hilfsprogramm umgeschichtet werden. So könnten die nächsten Kredittranchen bei Bedarf größer ausfallen als geplant, dafür würden spätere Tranchen entsprechend gekürzt.
Bereits seit Anfang Juni wartet Griechenland auf eine fällige Tranche von 31,5 Milliarden Euro. Die Euro-Partner haben die Auszahlung gestoppt, sie wollen erst den Troika-Bericht abwarten.
Am Sonntagnachmittag will der griechische Finanzminister Yannis Stournaras die Troika-Vertreter treffen und die Sparpläne seiner Regierung für die Jahre 2013 und 2014 vorstellen. Ministerpräsident Antonis Samaras soll am Sonntagabend die Parteichefs der Regierungskoalition treffen und am Montagmorgen die Vertreter der Troika.
Am Samstag kündigte Samaras an, nach dem aktuellen Sparpaket werde es kein weiteres mehr geben. "Dies werden die letzten Kürzungen sein", sagte Samaras bei der Eröffnung der größten Messe Griechenlands in der Hafenstadt Thessaloniki. Sollte Griechenland den Euro-Raum verlassen, würde das Land finanziell sterben.
Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das Heft ab Sonntag um acht Uhr kaufen.