Arbeitszeiten Metall-Arbeitgeber wollen Abkehr vom Achtstundentag

Arbeitsministerin Andrea Nahles will eine Lockerung der starren Arbeitszeit-Vorschriften durchsetzen. Gute Idee, sagen die Metall-Arbeitgeber - und fordern gleich mal den Wegfall der Achtstundengrenze.

Maschinenbau
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Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall spricht sich für eine Abkehr vom Achtstundentag aus. "Wir müssen das flexibilisieren. Der Achtstundentag kann nicht mehr so starr sein wie bisher", sagte Verbandspräsident Rainer Dulger in Berlin. "Es muss einfach möglich sein, dass ein Mitarbeiter nachmittags um vier heimgeht, das Kind aus der Kita abholt, abends um 21 Uhr ins Bett bringt und sich dann noch mal zwei Stunden an die Arbeit setzt."

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte Ende November ihre Pläne zur einer Lockerung bei den Arbeitszeit-Vorschriften vorgelegt. In einer zweijährigen Probephase will sie Arbeitgebern und Gewerkschaften mehr Flexibilität gestatten, als es das Arbeitszeitgesetz vorsieht. Über die Arbeitszeit solle in Betrieben verhandelt werden.

Dulger sagte zu der Experimentierphase: "Ich halte es für einen mutigen Schritt von Frau Nahles zu sagen, lasst das doch mal die Tarifpartner machen." Nach seinen Vorstellungen könnte ein Gesetz "so aussehen, dass man eine tarifliche Öffnungsklausel vorsieht und sagt: Statt des Achtstundentages gilt eine Wochenarbeitszeit von x Stunden". Nahles hatte ein Gesetz für einen neuen Arbeitszeitrahmen vorgeschlagen. Bei klaren Grenzen für die maximale Länge der Arbeitszeit und Ruhezeiten müsse es bleiben.

Mehrarbeit nur in bestimmten Lebensphasen

Dulger stellte klar: "An der 35-Stunden-Woche rüttele ich nicht." Es gehe ihm um Flexibilisierung, "es geht darum, dass sie in bestimmten Lebensphasen ein paar Jahre 40 oder 42 Stunden arbeiten können."

Der Verbandschef äußerte sich auch zu dem Wahlmodell, das für die Beschäftigten der Deutschen Bahn in einem Tarifvertrag vereinbart wurde. Diese können ab Anfang 2018 statt einer Lohnerhöhung von 2,6 Prozent sechs Tage zusätzlichen Urlaub nehmen oder eine Stunde pro Woche weniger arbeiten.

Der Gesamtmetall-Präsident ist skeptisch, ob dies auf die Metall- und Elektroindustrie übertragbar wäre: "Das funktioniert vielleicht bei einzelnen Großkonzernen, in denen dann auch genügend Flexibilisierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, dass jetzt mal ein Kollege mit gleicher Qualifikation an dem Tag die Arbeit machen kann. Im Mittelstand funktioniert das mit Sicherheit nicht. Wir brauchen im Mittelstand Kernarbeitszeiten, zu denen alle da sind, damit die Kommunikation im Unternehmen vernünftig läuft."

Die Branche habe "mit einer 35-Stunden-Woche und 30 Tagen Urlaub schon heute eine extrem kurze Arbeitszeit. Ich könnte und würde einen solchen Tarifabschluss für Metall und Elektro nicht vereinbaren", sagte er zu dem Vertrag, den die Gewerkschaft EVG und die Deutsche Bahn am 12. Dezember vereinbart hatten.

mik/dpa



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max-mustermann 23.12.2016
1.
"Dulger stellte klar: "An der 35-Stunden-Woche rüttele ich nicht." Es gehe ihm um Flexibilisierung, "es geht darum, dass sie in bestimmten Lebensphasen ein paar Jahre 40 oder 42 Stunden arbeiten können." Genau und wenn diese Lebensphase mit der 42 Stunden Woche vorbei ist kündigen wir den Arbeiter einfach und stellen einen Jüngeren ein. Das hat der Herr vergessen noch dazu zu sagen.
ackergold 23.12.2016
2.
Wenn ein Arbeitgeberverband fordert, dass es "möglich sein muss", dass sich ein Mitarbeiter Abends um 21 Uhr, wenn die Kinder im Bett sind, sich nochmals an die Arbeit setzt, dann ist das mehr als fadenscheinig, denn jeder weiß erstens, dass es von den Arbeitnehmern dann gefordert werden wird, sobald es möglich sein wird und zweitens, dass sich dann niemand mehr weigern kann, ohne seinen Job zu riskieren. Wie wäre es, wenn die Arbeitgeber im Gegenzug wieder mindestens die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge übernehmen würden, denn solche Forderungen sind massiv gesundheitsgefährdend und wieso sollte diese Kosten eines steigenden Krankheitsrisikos infolge von Mehrarbeit ausgerechnet noch der Arbeitnehmer tragen? Hier stimmt was im System grundsätzlich nicht!
WeissAuchAllesBesser 23.12.2016
3.
"Es muss einfach möglich sein, dass ein Mitarbeiter nachmittags um vier heimgeht, das Kind aus der Kita abholt, abends um 21 Uhr ins Bett bringt und sich dann noch mal zwei Stunden an die Arbeit setzt." Für viele Arbeitnehmer ist das heute schon möglich, unabhängig von gesetzlichen Regelungen. Wichtig ist dabei am Ende, dass die Flexibilität sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern zu Gute kommt; die richtige Unternehmenskultur ist dabei weit wichtiger als Tarifverträge und gesetzliche Vorschriften.
Halcroves 23.12.2016
4. Mit den Sozialdemokraten geht es zurück in den Frühkapitalismus
woraus selbige entstanden ist. Was die Flexibilisierung den Abhängig Beschäftigten bereits gebracht habe sehen wir am Wahlergebnis der AFD. Übrigens nennt man jene abhängig Beschäftigte jetzt Abgehängte. Arbeiten wie in China mit 17 h am Tag. Und um die Fabrikgebäude werden dann Netze gespannt, damit die Selbstmordrate unter Kontrolle bleibt. Und - "lasst das doch mal die Tarifpartner machen" - Welche Tarifpartner ? Im Osten gibt es quasie keine Gewerkschaften mehr. Wurden in der sozialdemokratischen Regierungsphase so gut wie abgeschafft, damit der Niedriglohnsektor eingeführt werden konnte. Das größte Übel der Demokratie ist wohl augenscheinlich die Sozialdemokratie. Niedriglohn - endlose Befristungen - Leiharbeit - Werksverträge - Subunternehmertum und nun endlose Arbeitszeiten. Der größte Fehler meines Lebens war mein Kreuz für die SPD.
xvxxx 23.12.2016
5.
Ich bin für eine Rückkehr zur 6 Tage Woche mit 60 Stunden. Damit lassen sich wunderbar Gewinne maximieren und man wird dem Rentenproblem her. Immer schön das Rad zurückdrehen....
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