Braunkohle-Einigung RWE verschont Michael Schumachers Kartbahn

Die Rettung des Hambacher Forsts lässt auch Rennsport-Nostalgiker hoffen: Die Strecke, auf der die Schumacher-Brüder das Kartfahren lernten, wird nun wohl erhalten bleiben.
Erftlandring in Kerpen: Wo die Schumacher-Brüder das Kartfahren lernten, soll nun doch nicht der Bagger anrücken

Erftlandring in Kerpen: Wo die Schumacher-Brüder das Kartfahren lernten, soll nun doch nicht der Bagger anrücken

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imago images / Manngold

Am jüngst geschlossenen Kohlekompromiss von Bund und Ländern fanden Umweltschützer trotz ansonsten heftiger Kritik eines gut: Der Hambacher Forst soll bleiben. Nun soll unweit daneben ein weiteres Fleckchen Erde erhalten werden, das jedoch weniger als grüne Lunge denn als grüne Hölle des Örtchens Kerpen-Manheim durchgehen dürfte: der Erftlandring. 1,1 Kilometer, gespickt mit Schikanen und langen Geraden. Knatternde Karts drehen hier so ganz und gar nicht CO2-frei ihre Runden.

Die Rennstrecke ist untrennbar mit den Namen der früheren Formel-1-Piloten Ralf und Michael Schumacher verbunden und hat in der Szene Kultstatus: Die Brüder hatten dort in jungen Jahren ihre Karrieren gestartet und jede freie Minute auf der Bahn verbracht, wie Ralf Schumacher erzählte. Eigentlich hätte die Strecke einmal für den Braunkohletagebau Hambach in Anspruch genommen werden sollen.

Nun soll die Kartbahn am Niederrhein wohl doch nicht abgebaggert werden. Der Energiekonzern RWE gehe davon aus, dass die Rennstrecke erhalten werden kann, teilte Sprecher Guido Steffen mit und bestätigte damit einen Bericht der Boulevardzeitung "Express ". Jahrelang hatten Betreiber und RWE Power vergeblich nach einem Ersatzgelände gesucht, um das endgültige Aus noch einmal abzuwenden. Zuletzt stand aber sogar der Zeitpunkt für die Übergabe des Areals an RWE Power fest, nämlich der Oktober 2020.

Über die neue Hoffnung sei der Betreiberverein bereits informiert, sagte Steffen. "Wir können jetzt in Ruhe Gespräche aufnehmen, der Verein und wir, und sehen, wie es da weitergeht", sagte Steffen. Die überraschende Wende wurde mit der Kohle-Einigung zwischen Bund, Ländern und Energiekonzernen möglich. Laut aktuellen Planungen des Energiekonzerns RWE soll der Ort Kerpen-Manheim zwar abgebaggert werden, die östlich davon gelegene Rennstrecke aber nicht.

Altmaier: "Wir können die Strompreise nicht endlos erhöhen"

Unterdessen hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) den Kohlekompromiss gegen die massive Kritik auch von Mitgliedern der Kohlekommission verteidigt und einen vorzeitigen Ausstieg im Jahr 2035 als möglich bezeichnet. Man könne schon vor dem Jahr 2038 das letzte Braunkohlekraftwerk abschalten, wenn die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit des Stroms gesichert sei, sagte Altmaier bei einer Energietagung in Berlin. "Wobei ich überzeugt bin, dass beide Ziele zu erreichen sind", ergänzte der Wirtschaftsminister. Darüber solle 2026 entschieden werden.

Der Wirtschaftsminister verwies dabei darauf, dass Deutschland bis Ende 2022 auch aus der Atomkraft aussteigt. Als Übergangstechnologie seien Gaskraftwerke nötig. Altmaier verteidigte zudem, dass das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 ans Netz gehen soll. Es sei besser, alte Kraftwerke, die viel mehr CO2 pro Tonne ausstoßen, stillzulegen und dafür Datteln 4 ans Netz zu nehmen. Der Energiekonzern Uniper habe außerdem einen Rechtsanspruch darauf, das Kraftwerk in Betrieb zu nehmen. Andernfalls wären milliardenschwere Entschädigungen zu zahlen gewesen.

Die soziale Verträglichkeit der Energiewende sei eines der größten Themen überhaupt, sagte Altmaier: "Wir können die Strompreise nicht endlos erhöhen." Die Strompreise müssten mittel- und langfristig wieder sinken. Dafür stellte Altmaier eine weitere Senkung der EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms über die bisherigen Pläne der Bundesregierung hinaus in Aussicht. Um Kosten zu senken, helfe es zudem, dass in den kommenden Jahren alte Anlagen durch effizientere ersetzt würden, sagte Altmaier unter anderem mit Bezug auf Windkraftanlagen an Land.

apr/fdi/dpa