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Städte-Ranking: Hier sind die Mieten am höchsten

Foto: imago/Sven Simon

Mietspiegel-Auswertung So teuer ist Wohnen in Deutschland

Hohe Mietpreise machen Großstädte für viele Menschen unbezahlbar, doch auch im Umland wird es teurer. Laut einer neuen Mietspiegel-Auswertung für 350 Städte steht erstmals seit 20 Jahren nicht mehr München ganz oben.

Teuer, teurer, München - diese Erfahrung haben in den vergangenen Jahrzehnten all jene gemacht, die in der bayerischen Landeshauptstadt eine Wohnung gesucht haben. War es schon in den Neunzigerjahren nicht billig, in München zu leben, haben sich die Mieten im Zuge des Immobilienbooms der vergangenen zehn Jahre noch einmal drastisch erhöht. In den angesagten Vierteln der Innenstadt finden Normalverdiener kaum mehr eine für sie bezahlbare Bleibe.

Wie überreizt der Münchner Immobilienmarkt mittlerweile ist, lässt sich auch daran ablesen, wie stark die Preise im Umland steigen. Das Forschungsunternehmen F+B hat für seinen sogenannten Mietspiegelindex 2018 die offiziellen Mietspiegel von 350 deutschen Städten ausgewertet - und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Erstmals seit 1998 steht München beim Mietniveau nicht mehr ganz oben. Es wird abgelöst durch einen Vorort: die 22.000-Einwohner-Gemeinde Karlsfeld im Landkreis Dachau, direkt vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt.

Im Video: Mietwahnsinn in München - 700 Euro für 40 Quadratmeter

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Mit einer Nettokaltmiete von 10,62 Euro pro Quadratmeter für eine 65 Quadratmeterwohnung in mittlerer Lage und mit mittlerer Ausstattung ist Karlsfeld für Mieter laut Mietspiegelindex die teuerste deutsche Kommune. Mieter zahlen dort 53 Prozent mehr als im deutschen Durchschnitt. Knapp dahinter folgen München mit 10,45 Euro pro Quadratmeter und Stuttgart mit 9,97 Euro.

Das Umland von München und Stuttgart boomt

Unter den Top Ten befinden sich mit Dachau und Germering noch zwei weitere Orte aus dem Münchner Umland und mit Leinfelden-Echterdingen, Ditzingen und Ludwigsburg noch drei weitere aus der Umgebung Stuttgarts. Auch Tübingen auf Platz sechs kann mit rund 40 Kilometer Entfernung noch zum Stuttgarter Einzugsgebiet gezählt werden. Auf den Plätzen 11 (Fellbach), 14 (Leonberg) und 16 (Esslingen am Neckar) folgen drei weitere Stuttgarter Umlandgemeinden. Das spiegelt zum einen die wirtschaftliche Stärke und Anziehungskraft der Region wider, zum anderen aber auch die enorm hohen Mieten in Stuttgart selbst, die viele Menschen dazu bringen, ins Umland auszuweichen.

Mietspiegel werden in den meisten größeren und auch in vielen kleineren Städten erhoben. Sie bilden sowohl Neuvertragsmieten als auch Veränderungen der Bestandsmieten ab und geben deshalb einen guten Eindruck davon, wie viel Mieter in den jeweiligen Städten wirklich zahlen. Die so ermittelte "ortsübliche Vergleichsmiete" wird nicht nur von Vermietern und Investoren, sondern auch vom Gesetzgeber als Anhaltspunkt verwendet, zum Beispiel bei der Mietpreisbremse.

SPIEGEL WISSEN 1/2019

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Die Spanne der Mieten, die in den jeweiligen Durchschnittswert einfließen, kann dabei aber sehr groß sein. Gerade dort, wo die Mietpreise in den vergangenen Jahren am schnellsten gestiegen sind, klaffen die Bestandsmieten der Altverträge und die Neuvertragsmieten weit auseinander.

Im Video: Es geht auch anders - der Fair-Mieter von Berlin

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F+B hat für die Studie die Mietspiegel für 350 deutsche Städte und Gemeinden ab 20.000 Einwohnern ausgewertet. Im Durchschnitt lag der Mietpreis für die Beispielwohnung von 65 Quadratmeter Größe dabei bei 6,92 Euro pro Quadratmeter. Der Mietspiegelindex zeigt, wie stark die einzelnen Städte davon abweichen. Während in Stuttgart die Mieten 44 Prozent über dem Durchschnitt liegen (Indexwert 144), sind es in Nürnberg nur 14 Prozent (Indexwert 114).

Die erste ostdeutsche Stadt folgt auf Platz 76: In Jena liegen die Mieten in etwa auf dem bundesweiten Durchschnittsniveau. In Erfurt oder Dresden liegen sie leicht darunter, in Chemnitz und Leipzig sind die Abstände mit 25 beziehungsweise 28 Prozent schon ziemlich groß. Klicken Sie in der Deutschlandkarte auf die ausgewählten Städte, um zu erfahren, wie hoch die Mieten dort jeweils sind.

Auffällig sind die noch immer relativ günstigen Mieten in Berlin. F+B hat die Hauptstadt in Ost und West geteilt, weil sich die Immobilienmärkte dort historisch teilweise noch stark unterscheiden. Im Westen Berlins liegen die Mieten inzwischen bei 7,27 Euro pro Quadratmeter. im Osten dagegen bei 6,58 Euro. "Gerade in Berlin zeigt sich aufgrund seiner Größe und seines ausdifferenzierten Wohnungsmarkts eine enorme Spannbreite der Mieten, die der bloße Mittelwert naturgemäß nicht wiedergibt", sagt F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. "Dort sind die Mieten sowohl im Altbau- als auch im Neubausegment weit überdurchschnittlich angestiegen."

Der Trend geht also weiter: In Metropolen wie München, Stuttgart, Berlin oder Hamburg klettern die Mieten stetig - zugleich wird es mittlerweile auch im Umland dieser Städte richtig teuer. Noch stärker als die Mieten steigen nur die Kaufpreise für Immobilien. Wie stark es dort nach oben geht, lesen Sie hier.