Vorstoß aus Hamburg Grüne wollen Vermieter mit Steuerbonus für faire Mieten belohnen

Hamburgs Justizsenator hat eine neue Idee, um den Anstieg der Mieten in Großstädten zu begrenzen: Der Grünenpolitiker schlägt einen Steuerbonus vor - für Vermieter, sofern sie die "Mieten im Rahmen halten".

Demonstrant bei einer "Demo für bezahlbaren Wohnraum" Anfang Mai in Hamburg
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Demonstrant bei einer "Demo für bezahlbaren Wohnraum" Anfang Mai in Hamburg


Anfang Mai zogen Demonstranten durch Hamburg, beim "Mietenmove", einer Demo für bezahlbaren Wohnraum. Aus der Hansestadt kommt nun auch ein neuer Vorstoß, wie der Anstieg der Mieten zumindest gebremst werden könnte: Die Hamburger Grünen werben für ein Konzept, Vermieter mit steuerlichen Vorteilen zu belohnen, wenn diese auf starke Mieterhöhungen verzichten.

Das geht aus einem nun veröffentlichten Positionspapier der Partei hervor. Es soll Anfang Juni bei der Frühjahrskonferenz der Justizminister mit den Ländern und der Bundesregierung diskutiert werden. "Wir wollen erreichen, dass Vermieter sich nicht gezwungen sehen, die Mieten anzuheben", sagte der Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne). "Stattdessen sollen sie einen Anreiz kriegen, die Mieten im Rahmen zu halten. Deshalb soll das auch steuerlich dargestellt werden."

Eigentümer sollen demzufolge entgangene Mieteinnahmen steuerlich absetzen können, wenn zuvor fünf Jahre lang die Miete nicht erhöht worden ist. Bei acht Jahren ohne Erhöhungen soll die Förderung noch weiter steigen. Auch Vermieter, die nach Modernisierungen die erlaubten acht Prozent der Kosten nicht auf die Miete umlegen, sollen einen Steuerbonus kassieren dürfen.

Mehr zum Thema: Neun Tipps gegen teure Überraschungen bei der Miete

beb/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Benjowi 10.05.2019
1. Pharisäerhaftes Getue.
Das ist schon eine lustige Volte, die dort zumindest vordergründig vollführt wird. Bisher ist es nämlich so, dass die Finanzämter die Vermieter quasi zu Mieterhöhungen zwingen, wenn die Miete nach Amtsmeinung zu weit unter den sogenannten ortsüblichen Mieten liegt. Ansonsten wird der Werbungskostenabzug gekürzt oder verhindert. Vielleicht sollte man erst einmal solche Mätzchen unterbinden, bevor der Staat so tut, als würde er Mietsteigerungen bekämpfen.
captain twang 10.05.2019
2. na bitte!
gute idee! bin einer von den humanen vermietern und möchte es gerne bleiben.
Mondlady 10.05.2019
3. Verrückt geworden?
Was soll das? Wenn Vermieter sich menschlich verhalten, indem sie die Mieten nicht ins Unermessliche steigern, sollen sie auf Kosten aller Steuerzahler belohnt werden? Sowas kann wirklich nur einem kranken grünen Hirn einfallen! Setzt euch lieber dafür ein, dass es eine gesetzliche Obergrenze (ja, ich weiß, das Wort hört ihr nicht gerne) für Mieten / qm gibt. Das würde den Mietern wirklich helfen, ohne noch zusätzlich die Steuerzahler zu belasten. Auch wenn man das Geld nicht zusätzlich zahlen muss, es fehlt eben dann an anderer Stelle!
KuGen 10.05.2019
4. Die Vorschläge strotzen vor wirtschaftlicher Ahnungslosigkeit
Die Anhebung der Miete in Höhe der Inflationsrate ist reiner Werterhalt. Was soll daran unfair sein ? Belohnt werden nach dem Modell also Vermieter, die doof genug sind, laufenden Wertverlust hinzunehmen. Steuerbonus für Doofheit.
1zelner 10.05.2019
5. Vielleicht
sollten die Politiker mal darüber nachdenken, ob es nicht viel sinnvoller wäre, die seltsam "mieterfreundlichen" Gerichtsurteile der letzten 15 Jahre mal durch das Justizministerium durchforsten zu lassen. Wenn ich als Vermieter gezwungen werde, alle 10 Jahre die Fußböden zu erneuern, weil der Mieter es wünscht und gerichtlich durchsetzen kann; wenn ich als Vermieter nicht nach dem Auszug eines Mieters 20.000,- Euro in die Tapezierung und Wiedervermietbarkeit einer Wohnung stecken muss, sondern nur die kalkulierten 0,50 Euro pro Monat und Quadratmeter, dann brauche ich meine Miete auch nicht so stark erhöhen. Mit jedem "mieterfreundlichen" Gerichtsurteil für einen Mieter, wird die Miete für alle Mieter in Deutschland teurer. Vielleicht wäre es also mal ganz gut, wenn Mietern, die die Wohnung vergammeln lassen, diese auch durch die Gerichte zur Kasse gebeten werden, als dass alle Mieten in Deutschland steigen, weil viele meinen, sich nicht mehr in Acht nehmen zu müssen. Das hätte auch durchaus ökologische Vorteile! Wir leben leider in einer Zeit von sinnlosem Konsum, in welcher Dinge nicht mehr gepflegt werden (müssen), sozial schwächere sich benehmen können wie sie wollen, und dieser Maßstab dann auch von anderen Teilen der Bevölkerung angewendet wird. Entsetzlich.
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