Milliardenbetrüger Bernard Madoff genießt das süße Knast-Leben

Ein US-Gericht verurteilte ihn zu 150 Jahren Gefängnis - Bernard Madoff scheint das eher als Segen denn als Strafe zu empfinden. In einem Brief an seine Schwiegertochter schwärmte der Milliardenbetrüger von seinem Leben hinter Gittern: "Selbst die Wachen sind um mein Wohlbefinden besorgt."

Milliardenbetrüger Madoff: "Wirklich süß, wie jeder um mein Wohlbefinden besorgt ist"
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Milliardenbetrüger Madoff: "Wirklich süß, wie jeder um mein Wohlbefinden besorgt ist"


New York - Wahrscheinlich wird Bernard Madoff keinen Tag mehr in Freiheit verbringen - dafür genießt der verurteilte US-Betrüger offenbar auch sein neues Leben hinter Gittern: Das Gefängnis in North Carolina, in dem er seine Haftstrafe absitzt, erinnere ihn eher an einen Universitätscampus, schrieb Madoff wenige Wochen nach Antritt seiner 150-jährigen Haftstrafe im Sommer 2009 in einem Brief, der dem US-Sender ABC vorliegt.

Er werde mit ebenso viel Respekt behandelt wie ein Mafia-Boss, schwärmt Madoff in dem Schreiben an seine Schwiegertochter Stéphanie Mack. "Wie du dir denken kannst, bin ich hier ein ziemlicher Promi", schilderte er stolz. "Wo immer ich hingehe, ruft man mir Worte der Ermutigung zu - es ist wirklich süß, wie besorgt jeder um mein Wohlbefinden ist, selbst die Wachen", fuhr Madoff fort.

Allerdings scheint Madoff nicht bei allen Sträflingen und Beamten des Knasts beliebt zu sein: Im Dezember 2009 soll ein Mitgefangener den Betrüger krankenhausreif geprügelt haben - angeblich, weil dieser ihm Geld schuldete.

Die Adressatin des Briefs, seine Schwiegertochter Stéphanie Mack, sagte im Gespräch mit dem US-Fernsehsender, nach der Lektüre sei ihr "speiübel" geworden. Ihr Mann Mark Madoff, der älteste Sohn des Mega-Betrügers, hatte im vergangenen Dezember Selbstmord begangen, weil er stark unter dem Skandal und der öffentlichen Verachtung gelitten haben soll.

"Ich hasse Bernie Madoff," sagte Mack dem Sender. "Wenn ich ihn jetzt träfe, würde ich ihm sagen, dass ich ihn für voll verantwortlich für den Tod meines Mannes halte - und ich würde ihm ins Gesicht spucken." Ihre traumatischen Erfahrungen verarbeitete Mack in einem Buch, das am Donnerstag in den USA erschienen ist.

Madoff war im Dezember 2008 festgenommen worden, nachdem er über Jahre hinweg mit Hilfe eines komplexen Systems Tausende Anleger um geschätzte 65 Milliarden Dollar betrogen hatte. Im Juni 2009 wurde er zu 150 Jahren Haft verurteilt. Im Prozess gestand er, die ihm anvertrauten Summen nie angelegt zu haben. Zu seinen Opfern zählen Banken, Privatleute und Wohltätigkeitsorganisationen.

fdi/AFP



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