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06. Februar 2011, 15:23 Uhr

Millionenprämien

US-Geldwächter wollen Boni von Banken-Bossen einfrieren

Die US-Einlagensicherung will Amerikas Bankenchefs zu mehr nachhaltigem Denken zwingen: Laut einem Agenturbericht soll die Hälfte ihrer Bonuszahlungen erst nach drei Jahren ausgezahlt werden - die Regel soll für die ganz Großen der Branche gelten.

Washington/London - 141.000 Dollar pro Jahr verdienen Wall-Street-Banker im Schnitt, bei Goldman Sachs sind es sogar 431.000 Dollar. Einen wesentlichen Teil der Zahlungen erhalten die Finanzjongleure noch immer in Form von Boni - jetzt soll der Geldorgie in den USA Einhalt geboten werden.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters sollen die Chefs großer Banken die Hälfte ihrer Boni erst nach frühestens drei Jahren erhalten dürfen. Ein Entwurf der neuen Regelung werde am Montag bei der Direktoriumssitzung der Einlagensicherung FDIC vorgestellt, zitiert die Agentur zwei Insider. Betroffen wären die Chefs von Banken mit Einlagen von 50 Milliarden Dollar oder mehr, wie sie Bank of America oder Goldman Sachs besitzen.

Die Regelung geht auf den Vorwurf zurück, dass die Bonus-Modalitäten vieler Finanzinstitute zu einer Jagd nach kurzfristigem Gewinn führen, während die langfristigen Folgen für Unternehmen und Märkte ignoriert würden. Im Jahr 2009 hatten die G-20-Staaten einen ähnlichen Vorschlag erarbeitet.

Die 25 größten US-Finanzfirmen haben 2010 laut "Wall Street Journal" die Rekordsumme von 135 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter gezahlt. Insgesamt stecken die Finanzfirmen ein knappes Drittel ihrer Erlöse in die Lohntüten der Mitarbeiter. Wegen der öffentlichen Kritik an der bisherigen Bonus-Praxis bekommen viele Banker bereits einen größeren Teil ihres Gehalts fest - oder in Aktien, die sie erst in einigen Jahren zu Geld machen dürfen. Der US-Einlagensicherung ist das aber offenbar noch nicht genug.

Milliarden-Boni für Londoner Banker

Nicht nur in den USA wird das Thema Boni derzeit wieder heiß diskutiert. Die großen britischen Banken wollen einem Bericht der "Sunday Times" zufolge ihrem Personal Boni in Höhe von umgerechnet 7,12 Milliarden Euro zahlen. Die Entscheidungen in den Gremien der Banken sollen in den nächsten Tagen und Wochen fallen.

Allein der Chef von Europas größter Bank HSBC , Stuart Gulliver, soll dem Bericht zufolge 10 Millionen Pfund Prämie erhalten, der Amerikaner Bob Diamond an der Spitze von Barclays bis zu 9,5 Millionen Pfund. Der Chef der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland , Stephen Hester, könnte zwei Millionen Pfund in Form von Aktien überreicht bekommen.

Die Summe ist geringer als in früheren Jahren, wird aber dennoch als Ohrfeige für die Regierung des konservativen Premierminister David Cameron und seines Schatzkanzlers George Osborne gewertet. Die Regierung hatte die Großbanken - einige davon sind teilverstaatlicht - angesichts der vom Finanzsektor ausgelösten schweren Wirtschaftskrise zur Zurückhaltung aufgefordert.

Manche Banker reagierten ungehalten. "Es gab eine Zeit für Reue und Entschuldigung. Diese Zeit sollte nun vorüber sein", hatte Barclays-Chef Bob Diamond geantwortet. Es wird erwartet, dass die Regierung in ihren Bemühungen aber heraushandeln konnte, dass die Banken zu mehr Krediten für Kleinunternehmen bereit sind.

Es sind die erste Bonuszahlungen für die Topmanager seit zwei Jahren. 2008 hatte die Bankenkrise voll zugeschlagen. Boni in den Chefetagen waren der Öffentlichkeit nicht vermittelbar. In diesem Jahr soll dem Bericht zufolge allein Barclays 2,7 Milliarden Pfund an Bonuszahlungen ausreichen. Royal Bank of Scotland will demnach eine Milliarde Pfund Boni unter seinen besten Investmentbankern aufteilen.

Die Schweizer Großbank UBS will ihren Managern für 2010 weniger Boni zahlen als im Jahr zuvor. die Gesamtsumme belaufe sich auf 4,3 Milliarden Schweizer Franken, nach 4,8 Milliarden Franken im Jahr 2009, berichtete die Wochenzeitung "Sonntag". Ein Grund für den Rückgang der Zahlungen sei die Erhöhung der Festgehälter. Ein UBS-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

ssu/dpa/Reuters

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