Grüne Berufe Erntehelfer starten mit Mindestlohn von gut sieben Euro

Für mehr als 300.000 Erntehelfer in Deutschland gilt ab 2015 ein Mindestlohn. Die Arbeitgeber der "Grünen Berufe" kommen der gesetzlichen Regelung zuvor und müssen deshalb zunächst deutlich weniger zahlen als 8,50 Euro.

Spargelernte in Brandenburg: "Ein gutes Stück zukunftsfester"
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Spargelernte in Brandenburg: "Ein gutes Stück zukunftsfester"


Frankfurt/Kassel - In der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau gilt ab kommendem Jahr ein tariflicher Mindestlohn von 7,40 Euro im Westen und 7,20 Euro im Osten. Das haben die Gewerkschaft IG BAU und die Arbeitgeberverbände am Donnerstagabend in Kassel beschlossen. In den Branchen arbeiten insgesamt rund 750.000 Beschäftigte.

Mit der Tarifeinigung werden die Löhne schrittweise an den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro herangeführt, den der Bundestag am Donnerstag beschlossen hatte. Die Tarifparteien nutzen dabei die Anpassungszeit bis Ende 2017, die das Mindestlohngesetz erlaubt. Die Löhne steigen weiter auf 8,00 Euro West und 7,90 Euro Ost zum Jahresbeginn 2016, bundeseinheitlich 8,60 Euro Anfang 2017 und 9,10 Euro ab 1. November 2017.

Mit der Einigung würden die Branchen "ein gutes Stück zukunftsfester" aufgestellt, sagte der IG-BAU-Verhandlungsführer Harald Schaum. Das Ergebnis sei ein für beide Seiten vertretbarer Kompromiss.

Laut dem Geschäftsführer der land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände, Burkhard Möller, ist der Abschluss zwar besser als die gesetzliche Alternative. Sonst hätten 2015 gleich 8,50 Euro bezahlt werden müssen und 2017 um die 8,80 Euro. Sein Verband sei aber weiter davon überzeugt, dass der Mindestlohn auf Dauer massive Produktionsrückgänge bringen werde.

Direkt betroffen sind Möller zufolge fast nur die etwa 320.000 Saisonarbeiter. Die festen Beschäftigten lägen meist ohnehin über der Mindestlohngrenze. Bei den Saisonarbeitern werde es einen deutlichen Abbau geben und in der Folge mehr Importe aus Rumänien, Polen oder Griechenland.

Die IG BAU hatte den Mindestlohn begrüßt: "Geschäftsmodelle, die auf Dumpinglöhnen und Ausbeutung der Beschäftigten basieren, dürfen keine Chance haben", sagte Gewerkschaftschef Robert Feige.

dab/dpa



insgesamt 47 Beiträge
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hotgorn 04.07.2014
1. ausbeuteritis
Der Bauer bekommt also deutlich über den Mindestlohn ach ne Herr Möller. Derjenige der die Drecksarbeit macht und den Spargel aus der Erde sticht bekommt weniger als hartz4. Neoliberales drecksland.
nachtmensch2014 05.07.2014
2. Armes Deutschland
Na, immerhin ein Anfang, der neue Tariflohn, oder? Worüber reden wir? 8,50? Bruttolohn pro (hier harter!) Arbeitsstunde. Das sind vielleicht so rund 1500,-? pro Monat. Mit dem Nettolohn kommt ein Alleinstehender vielleicht so einigermaßen über die Runden. Aber eine Familie kann der Arbeiter davon nicht ernähren. Also muss er ggf. -also falls er "die Dreifaltigkeit besitzt" trotzdem Kinder zu haben- beim Amt betteln gehen. "Unsere" Abgeordneten, die jetzt endlich, etwas krampfhaft und reichlich verspätet, wenigstens mal den Mindestlohn-Standard der EU-Nachbarländer erreichen wollen, erhalten dann demnächst etwa 9000,-? brutto pro Monat. Das Sechsfache! Und das für einen vergleichsweise lockeren Job. - Irgendwas läuft hier schief...
ingenör79 05.07.2014
3. Dann kommt
der Spargel eben aus Polen. Dort beträgt der Mindestlohn 2,35€. Die Polen sparen sich die Fahrt nach Deutschland und auf der Autobahn von Frankfurt Oder nsch NRW gibt es ein paar LKW mehr und der Spargel ist 1Tag älter. Also was solls
nachtmensch2014 05.07.2014
4. Falsch korrigiert
Eigentlich wollte ich oben "Dreistigkeit" schreiben, nicht "Dreifaltigkeit". Das war die automatische Rechtschreibungshilfe. Lustig.
nachtmensch2014 05.07.2014
5. Geht das Spiel immer weiter?
Wir sollten jetzt irgendwann damit aufhören uns gegeneinander auszuspielen und auszutricksen. Zunächst in der EU und dann irgendwann weltweit. Dabei muss es dann nicht nur zu vergleichbar hohen Löhnen kommen, sondern auch die Lebenshaltungskosten und der Lebensstandard muss angeglichen werden. Das kann natürlich nicht heissen, dass dann alle Polen, Chinesen oder Afrikaner auch mit ihrem SUV (mehr oder weniger sinnvoll) durch die Gegend rasen. Einige "Luxusbürger" hier, werden allerdings ihren "Standard" deutlich ändern müssen, wenn wir (als ,weiter wachsende, "Menschheit") weiter existieren wollen.
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