Zeitungsbericht Ver.di und Taxi-Verband wollen über Tarifvertrag verhandeln

Im deutschen Taxigewerbe könnte zum ersten Mal ein Tarifvertrag vereinbart werden. Ver.di und Arbeitgeber wollen laut "Süddeutscher Zeitung" Gespräche führen. So könnte erst ab 2017 für alle Taxifahrer ein Mindestlohn von 8,50 Euro gelten.
Taxis in Berlin-Tegel: "Völlig ungeregelter Markt"

Taxis in Berlin-Tegel: "Völlig ungeregelter Markt"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

München/Berlin - Im deutschen Taxigewerbe soll erstmals in der Geschichte der Branche über einen bundesweiten Tarifvertrag verhandelt werden. Dabei wollen sich der Deutsche Taxi- und Mietwagenverband, der etwa zwei Drittel der 33.000 Taxiunternehmen vertritt, und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di auf eigene Lohnuntergrenzen für die 200.000 angestellten Taxifahrer einigen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

"Wir hoffen, dass die Gespräche in der zweiten Augusthälfte beginnen, und haben das Ziel, bereits im September einen Abschluss zu erreichen", sagte demnach der Geschäftsführer des Taxiverbands, Thomas Grätz. Der Verband erweiterte jüngst seine Satzung, um als Arbeitgeberorganisation auftreten zu dürfen. Auch Ver.di wünscht sich eine Lösung.

Das Interesse der beiden Tarifparteien an einem Vertrag ist allerdings kein gemeinsames. Für die Gewerkschaft bietet sich die Möglichkeit, zahlreiche bislang offene Fragen in Bezug auf die Arbeitsbedingungen für Taxifahrer zu klären. "Dieser Markt ist völlig ungeregelt", sagte eine Ver.di-Sprecherin der Zeitung zufolge . "Was ist Arbeitszeit, was Standzeit, was eine Pause? Wie gehen wir mit der Umsatzbeteiligung um?"

Taxifahrer verdienen mit am schlechtesten

Die Gewerkschaft würde dafür offenbar in Kauf nehmen, was den Arbeitgebern am Herzen liegen dürfte: Durch einen eigenen Tarifvertrag kann die Übergangsfrist beim gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro voll ausgeschöpft werden. Ohne Tarifvertrag würde diese Lohnuntergrenze bereits ab 1. Januar 2015 auch für Taxifahrer in Kraft treten.

Die Tarifparteien in einzelnen Branchen können aber in einem Mindestlohn-Tarifvertrag regeln, die Bezahlung der Mitarbeiter bis Ende 2016 schrittweise an die neue gesetzliche Lohnuntergrenze von 8,50 Euro anzupassen. In diesen Branchen verdienen die Arbeitnehmer also vorerst weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Erst am Wochenende waren entsprechende Verhandlungen für das ostdeutsche Gastgewerbe geplatzt - damit gilt dort bereits ab Januar 2015 der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

Dem Statistischen Bundesamt zufolge gehören Taxifahrer zu den am schlechtesten bezahlten Beschäftigten in Deutschland. Beziehe man die Wartezeiten mit ein, beliefen sich ihre Löhne im Durchschnitt auf weniger als sieben Euro pro Stunde.

fdi/AFP
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