Studie Deutscher Mindestlohn ist niedriger als in starken Euro-Staaten

Deutschland ist die führende Wirtschaftsnation der EU - doch bei der Lohnuntergrenze landet es nur im oberen Mittelfeld: In vergleichbaren Staaten Westeuropas ist der Mindestlohn durchweg höher.
Bedienung in Lokal: Mindestlohn in Deutschland ist vergleichsweise niedrig

Bedienung in Lokal: Mindestlohn in Deutschland ist vergleichsweise niedrig

Foto: Marc Tirl/ dpa

Zum Jahresbeginn ist der Mindestlohn in Deutschland gestiegen - um 16 Cent auf nun 9,35 Euro pro Stunde. Damit liegt die Lohnuntergrenze in der Bundesrepublik auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau: In einer Rangliste von sieben westeuropäischen Staaten mit einem gesetzlichen Mindestlohn liegt Deutschland auf dem letzten Platz. Das geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Demnach haben vier Euro-Staaten inzwischen einen Mindestlohn von mehr als zehn Euro pro Stunde: Frankreich, die Niederlande, Irland und Luxemburg. Auch Belgien hat mit 9,66 Euro pro Stunde eine höhere Lohnuntergrenze. Und in Großbritannien wird der Mindestlohn im April auf umgerechnet 9,93 Euro angehoben - derzeit erreicht er mit umgerechnet 9,35 Euro exakt das deutsche Niveau.

Insgesamt konstatiert das WSI aber einen EU-weiten Trend zu einer deutlichen Stärkung von Mindestlöhnen. "2020 könnte in Europa das Jahr des Mindestlohns werden", heißt es in dem Mindestlohnbericht des Instituts. Denn die EU-Kommission habe erstmals die Initiative ergriffen, um überall in Europa armutsfeste und existenzsichernde Mindestlöhne durchzusetzen. Diese seien zuletzt im EU-Durchschnitt nominal um sechs Prozent gestiegen, wovon nach Abzug der Inflation immerhin real eine Erhöhung um 4,4 Prozent blieb - zum Vergleich: In Deutschland stieg der Mindestlohn Anfang 2020 nominal lediglich um 1,7 Prozent.

Dennoch gehört die Bundesrepublik klar zur Spitzengruppe innerhalb der EU. Das Mittelfeld wird von Spanien angeführt - allerdings klafft hier eine gewaltige Lücke zu den wirtschaftsstärkeren Euro-Ländern: In dem südeuropäischen Land liegt die Lohnuntergrenze lediglich bei 5,76 Euro, der Nachbar Portugal hat einen Mindestlohn von nur 3,83 Euro. Ganz am Ende der EU-Rangliste liegt Bulgarien mit einem Mindestlohn von umgerechnet 1,87 Euro pro Stunde.

fdi