Trotz Mindestlohn Schwarzarbeit steigt nur leicht

Der Mindestlohn macht viele Arbeiten teurer - doch er treibt nur vergleichsweise wenige Menschen in die Schattenwirtschaft. Laut einer Studie ist die Zahl der Schwarzarbeiter um gerade einmal 30.000 angestiegen.
Baustelle in Frankfurt: Zahl der Schwarzarbeiter dürfte leicht steigen

Baustelle in Frankfurt: Zahl der Schwarzarbeiter dürfte leicht steigen

Foto: Christoph Schmidt/ picture alliance / dpa

Durch den Mindestlohn ist einer Studie zufolge die Zahl der Schwarzarbeiter in Deutschland gestiegen. Sie dürfte 2015 um 30.000 auf rund 7,8 Millionen zunehmen, sagte Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Unterm Strich dürfte die Schattenwirtschaft 2015 ein Volumen von 339,6 Milliarden Euro haben. Es wäre der erste Zuwachs seit dem Krisenjahr 2009.

Die meisten Schwarzarbeiter seien "Beschäftigte in der offiziellen Wirtschaft, die nach Feierabend und am Wochenende schwarz arbeiten", sagt Schneider. Durch die seit Januar geltende Lohnuntergrenze von 8,50 Euro je Stunde wachse die Schattenwirtschaft in diesem Jahr um etwa 1,5 Milliarden Euro.

"Die Verwerfungen durch den Mindestlohn sind moderat", sagte Schneider, der für seine Studie Befragungen vorgenommen und makroökonomische Daten für das erste Quartal ausgewertet hat. Wäre der Mindestlohn auf zehn Euro festgesetzt worden, hätte das den Umsatz der Schattenwirtschaft wohl gleich um vier bis sechs Milliarden Euro nach oben getrieben.

Den moderaten Anstieg der Schattenwirtschaft erklärt Schneider mit zwei entgegengesetzten Dynamiken. Einerseits verleite der Mindestlohn zu mehr Schwarzarbeit, da er viele Arbeiten teurer mache - besonders für personennahe Dienstleister wie Friseure, in der Landwirtschaft sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Andererseits sinke der Anreiz zur Schwarzarbeit, da viele Erwerbsfähige dank der guten Konjunktur und des boomenden Arbeitsmarkts eine staatlich registrierte Beschäftigung finden.

Zur robusten Konjunktur trage auch der Mindestlohn bei. "Dadurch haben vor allem Menschen in Ostdeutschland, aber auch in wirtschaftlich schwächeren westlichen Regionen wie Schleswig-Holstein mehr Geld in der Tasche", sagte der Experte. "Sie geben einen Großteil davon wieder aus, was den Konsum belebt und über die Mehrwertsteuer auch beim Fiskus ankommt."

ssu/Reuters