Gehaltsuntergrenze Viele Beschäftigte kennen nicht mal die ungefähre Höhe des Mindestlohns

Die Bekanntheit des Mindestlohns gilt als ein wichtiger Faktor für seine Einhaltung. Doch besonders die unteren Lohngruppen wissen äußerst wenig über die Untergrenze.
Mindestlohnkontrolle auf dem Bau (Archivbild): Wissen Arbeiter, was ihnen zusteht?

Mindestlohnkontrolle auf dem Bau (Archivbild): Wissen Arbeiter, was ihnen zusteht?

Foto: Boris Roessler/ dpa

Die Ampelkoalition will den gesetzlichen Mindestlohn im Oktober auf zwölf Euro erhöhen. Gut die Hälfte der Beschäftigten kennt jedoch noch nicht mal die aktuelle Höhe der gesetzlichen Lohnuntergrenze – weder exakt noch ungefähr. Dieses Ergebnis geht aus einer Studie  hervor, mit der sich Anfang Februar die Mindestlohnkommission befasst hatte und über die zuvor die »Neue Osnabrücker Zeitung«  berichtet hat.

Befragt wurden in drei Erhebungen im dritten Quartal 2018, im zweiten Quartal 2019 und im vierten Quartal 2019 insgesamt 2000 repräsentativ ausgewählte Beschäftigte. Nur 18 beziehungsweise 19 Prozent der Personen konnten demnach jeweils die Höhe des Mindestlohns korrekt benennen.

Erhöhung im Juli auf 10,45 Euro

»Die ungefähre Höhe des Mindestlohns innerhalb einer Bandbreite von 50 Cent um den tatsächlichen Wert kannten zu den drei Befragungszeitpunkten weitere rund 30 Prozent. Zusammengenommen kannte also knapp die Hälfte der Beschäftigten die exakte oder die ungefähre Höhe des Mindestlohns«, zitiert die »NOZ« aus einer Vorlage für die Mindestlohnkommission. Besonders in den unteren Lohngruppen war demnach das Wissen über die Lohnuntergrenze gering ausgeprägt.

Die Autoren kennzeichnen dies laut dem Bericht insofern als problematisch, als »die Bekanntheit des Mindestlohns als Schlüssel zu seiner Einhaltung gilt«. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf britische Befragungen von Beschäftigten, die unrechtmäßig weniger als den Mindestlohn verdienten.

Diese Arbeitnehmer wussten demnach zwar mehrheitlich von der Existenz eines Mindestlohns, kannten aber weder dessen geltende Höhe, noch konnten sie sicher sagen, ob sie darauf Anspruch haben. »Irrtümlich gingen viele davon aus, dass der Mindestlohn zum Beispiel wegen der Art ihrer Tätigkeit, ihres Alters oder wegen ihrer Branchenzugehörigkeit nicht für sie gelte.«

In Deutschland liegt der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn derzeit bei 9,82 Euro pro Stunde. Im Juli soll er auf 10,45 Euro steigen, ehe im Herbst die gesetzliche Erhöhung auf zwölf Euro ansteht. Von dieser Erhöhung könnten laut Bundesarbeitsministerium 6,2 Millionen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen profitieren. In einigen Branchen gelten zudem bereits noch strengere  Lohnuntergrenzen.

Durch die höhere gesetzliche Untergrenze sehen die Arbeitgeber die Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften geschwächt. Der Spitzenverband BDA hat zuletzt argumentiert, dass die Festsetzung Aufgabe der Mindestlohnkommission und nicht der Bundesregierung sein müsse. Er drohte mit Klage.

apr
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