London Wucher-Miete für Mini-Wohnung ruft Behörden auf den Plan

Umgerechnet 900 Euro monatlich für ein kleines Zimmer mit Bett, Kochnische und Schrank - das verlangte ein Londoner Vermieter. Er wurde das Apartment los, hat nun aber die Behörden auf dem Hals.

Mini-Apartment in London: Immerhin sind Heizung und Internet inklusive
rightmove.co.uk

Mini-Apartment in London: Immerhin sind Heizung und Internet inklusive


Hamburg - Eine Matratze, eine Mini-Küchenzeile, ein kleiner Tisch mit Stuhl und ein schmaler Schrank - solche Mini-Wohnungen sind in Metropolen wie London keine Seltenheit. Doch der Mietpreis für eine solche Schuhkarton-Wohnung sorgt nun in der britischen Hauptstadt für Ärger. Für monatlich 737 Pfund (umgerechnet 900 Euro) wurde laut "Guardian" ein Mini-Apartment angeboten - und war innerhalb weniger Stunden vergeben.

Nun wollen sich lokale Behörden den Wohnkomplex nahe des Bahnhofs King's Cross im Bezirk Islington genauer anschauen. Paul Convery, ein Lokalpolitiker der Labour-Partei, sagte, er habe die zuständigen Ämter alarmiert. Angesichts des Fotos von der Wohnung vermute er, diese sei ohne Baugenehmigung entstanden. Der Verdacht des Politikers: Ein größeres Appartement wurde einfach unterteilt. Convery hat demnach nicht nur die Baubehörde, sondern auch die Feuerschutzbehörde eingeschaltet. Betrachtet man das Foto, entsteht der Eindruck, dass zwischen Schrank und Bett nur noch ein schmaler Spalt bleibt, um aus der Wohnungstür zu kommen.

Der Besitzer der Mini-Wohnung wies die Vorwürfe gegenüber der Zeitung zurück. Er habe in dem vierstöckigen Gebäude mit Erlaubnis der Behörden 40 Einzelapartments gebaut, sagte Eigentümer Andrew Panayi dem "Guardian". Die Immobilie sei von den zuständigen Behörden mehrmals kontrolliert worden. Es seien keine Wohnungen heimlich aufgeteilt worden.

Wasser, Internet und Heizung sind inklusive

Zudem, so monierte der Besitzer, sei durch das im Internet veröffentlichte Bild ein ganz falscher Eindruck von der Wohnung entstanden. Das Foto werde dem Apartment nicht gerecht. "Sie haben das Badezimmer und die Gemeinschaftsterrasse auf dem Dach nicht fotografiert", wird Panayi zitiert. Er verwies noch darauf, dass Zentralheizung, Internet und unbegrenzter Wasserverbrauch im Mietpreis enthalten seien.

Der Markt scheint Panayi Recht zu geben. Laut dem Bericht war das Apartment innerhalb weniger Stunden vergeben. Der Makler berichtete, er habe 20 Anrufe und diverse E-Mails erhalten. Er hatte die Wohnung nicht nur monatsweise, sondern auch zur wöchentlichen Vermietung angeboten - dann für 170 Pfund (umgerechnet 210 Euro).

Die Behörden kündigten an, sie würden die Apartments in dem Gebäude noch einmal genau inspizieren. "Wir werden hart durchgreifen, falls Vorschriften verletzt wurden", sagte ein Sprecher.

"Die Mieter zucken einfach mit den Schultern"

Lokalpolitiker Convery prangerte an, es gebe im Stadtbezirk Islington viele heruntergekommene oder unterdurchschnittliche Wohnungen. Der Bezirk grenzt im Norden Londons an das Stadtzentrum. Besonders junge Leute und Neuankömmlinge würden trotz der hohen Preise zugreifen. Die Mietpreise in London seien inzwischen so hoch, "dass sie einfach mit den Schultern zucken und die Kluft zwischen Qualität und Preis hinnehmen", sagte Convery.

Für durchschnittliche Mieter dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass in London auch die Superreichen inzwischen Mondpreise für Immobilien zahlen müssen. So hat ein privater Käufer für eine Penthouse-Wohnung im vornehmen Londoner Stadtteil Knightsbridge kürzlich 140 Millionen Pfund (knapp 171 Millionen Euro) bezahlt. Angesichts solcher Zahlen warnte sogar der stellvertretende Direktor der Bank of England vor einer gefährlichen Blase: Das Preisniveau auf dem Grundstücksmarkt stehe in krassem Gegensatz zur derzeitigen Schwäche der britischen Wirtschaft, sagte Jon Cunliffe.

mmq

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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
jupp78 05.06.2014
1.
Eine Blase kann ich an der Stelle nicht wirklich erkennen, sondern eher eine enorme Nachfrage und sehr wenig Angebot.
der_stille_beobachter 05.06.2014
2.
Zitat von sysoprightmove.co.ukUmgerechnet 900 Euro monatlich für ein kleines Zimmer mit Bett, Kochnische und Schrank - das verlangte ein Londoner Vermieter. Er wurde das Appartement los, hat nun aber die Behörden auf dem Hals. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mini-wohnung-in-london-mit-hoher-miete-alarmiert-behoerden-a-973567.html
Das fällt den Londoner Politkern reichlich früh auf. Die Mietpreise waren schon vor 10 Jahren so hoch. Damals habe ich auch 900 Euro im Monat für ein Zimmer mit Doppelbett bezahlt. Dafür habe ich nicht in einem begehbaren Kleiderschrank gewohnt wie mein Mitbewohner, der selbst dafür noch 700 Euro hinlegen musste.
nano-thermit 05.06.2014
3. Das in schlechter und teuerer ist Alltag in Paris
Und das schon seit 8 Jahren. 17qm 800€ sind normal. Heizung fast tot und Badezimmer aus dem 19. Jahrhundert sind selbstverständlich luxuriöser Bestandteil.
rsi 05.06.2014
4. Na und?
braucht doch keiner die Wohnung mieten. Wenn ich meinen Gebrauchtwagen zum Traumpreis inseriere, brauchen wir doch keine Ämter, die sich einen Job daraus machen, den Sachverhalt zu betrachten. Beamte sollten wichtigeren Aufgaben nachgehen
h_h_010762 05.06.2014
5. gibts auch bei uns
ich habe in München-Neuhausen Ende der 80er Jahre in genau so einem 8 qm Zimmerchen gehaust (Hälfte der ursprünglichen Küche des Appartments/andere Hälfte Gemeinschafts-WC). Preis 1990: 450 DM/Monat !
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