Arbeitsmarktforscher Minijobs verdrängen keine regulären Stellen

In Deutschland ist die Auffassung weit verbreitet, Vollzeitjobs würden von Teilzeitarbeit und Minijobs verdrängt. Arbeitsmarktforscher können das nun widerlegen.

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Vollzeitarbeitsplätze in Deutschland werden nach Angaben von Arbeitsmarktforschern seit einigen Jahren nicht mehr von sogenannter atypischer Beschäftigung verdrängt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) widerspricht damit der weit verbreiteten Auffassung, dass Leiharbeit, Minijobs, Teilzeit und befristete Jobs ein immer größeres Gewicht erhalten.

"Der Zuwachs atypischer Beschäftigung hat vielmehr Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnet, aber nicht das Normalarbeitsverhältnis verdrängt", sagte IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei. Zuletzt habe es sogar einen kräftigen Zuwachs der Normalarbeit gegeben. Als Normalarbeit gelten unbefristete Jobs über 31 Wochenstunden außerhalb der Leiharbeit.

Zwar habe atypische Beschäftigung seit Mitte der Neunzigerjahre deutlich zugelegt. Doch seit 2006 wachse der Bereich deutlich schwächer. Die Zahl der befristeten Beschäftigten erhöhte sich seit einigen Jahren gar nicht mehr - seit 2010 ist sie laut IAB rückläufig.

Wegen der guten Wirtschaftslage gab es zuletzt einen kräftigen Zuwachs an normalen Jobs. So sind heute 55 Prozent der Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis, 31 Prozent in atypischer Beschäftigung.

Die Arbeitsmarktreformen der Jahre ab 2003, als Arbeit flexibilisiert wurde, hätten laut Walwei nur bedingt zum Wachstum der atypischen Beschäftigung beigetragen. Die Reformen hätten dagegen zur allgemeinen Verbesserung der Beschäftigungssituation in Deutschland gesorgt.

hej/dpa/Reuters



insgesamt 64 Beiträge
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hatrecht 05.04.2017
1.
Wo wäre denn auch der großartige Spareffekt für den Arbeitgeber bei einem Minijob? Die pauschalen AG-Abgaben sind ja doch recht kräftig. 450-Euro-Jobs sind halt NEBENjobs und waren auch nie als was anderes gedacht. Aber das wird ohnehin ja nur seltenst kommuniziert; viele Leute denken, die Jobs wären abgabenfrei. Ebenso wie erschreckend viele Menschen (zumindest in meinem Umfeld) nicht wissen, dass der Arbeitgeber bei einem voll-SV-pflichtigem Job Abgaben für RV,KV( okay, den KV-Zusatzbeitrag nicht, dafür aber noch die Umlagen und Berufsgenossenschaft),AV,PV in selber Höhe, wie er sie seinem Arbeitnehmer abzieht, dazupackt und dann alles zusammen abführt.
hl007 05.04.2017
2. Wo wird was widerlegt?
In der Einleitung steht "In Deutschland ist die Auffassung weit verbreitet, Vollzeitjobs würden von Teilzeitarbeit und Minijobs verdrängt. Arbeitsmarktforscher können das nun widerlegen." Gespannt las ich den Artikel und staunte nicht schlecht, weil keineswegs die genannte Auffassung widerlegt wurde. Der Zuwachs der "Normalarbeitsverhältnisse" ist doch kein Argument, welches die bestrittene Auffassung widerlegt. Wer sagt denn, dass nicht ohne die Minijobs, die "Normalarbeitsverhältnisse" nicht noch mehr zugenommen hätten? Und was ist eigentlich so ein "Normalarbeitsverhältnis"? Fallen da auch die Aufstocker, welche mindestens 31 Stunden wöchentlich arbeiten, drunter? Das ist wohl nach der Definition im Artikel anzunehmen. Ein "Normalarbeitsverhältnis" zu kaum besseren Konditionen als ein Minijob, ein echte Wohltat für sozial Schwache. Liebe Spiegel Redakteure eine Bitte habe ich, wenn solche Studien mit einer solchen Überschrift veröffentlicht werden, setzt in Eure Überschrift zumindest ein "angelbich". Insbesondere dann, wenn der Inhalt des Artikels die Überschrift nicht rechtfertigt!
u30 05.04.2017
3. Schlechter Journalismus nervt
Das ist doch eine Studie, die man durchaus Differenzierter hätte betrachten sollen. Atypische Arbeitsverhältnisse verdrängen normale nicht? Anscheinend haben sie das schon zu einem gewissen Grad! Ausserdem hätte man erwähnen können, dass gerade Neueinstellungen besonders von Berufseinsteigern in den letzten Jahren atypisch waren. Die Arbeitslosenquote ist aber gerade sehr niedrig. Das nächste Mal doch bitte nicht nur eine (Lobby?)Studie zitieren.
Aberlour A ' Bunadh 05.04.2017
4. Ein Drittel atypische Beschäftigung?
Deckt sich mit meinen empirischen Beobachtungen überhaupt nicht. Was heißt "allgemeine Verbesserung der Beschäftigungssituation"? Aus wessen Sicht. Haben die Arbeitsmarktforscher einen Lebensdienlichkeitsindex? Ich glaube nicht. Sie sehen, was sie sehen wollen.
RalfHenrichs 05.04.2017
5. Wenn der IAB das sagt,
dann muss es ja stimmen... Der IAB ist die Forschungseinrichtung der Bundesanstalt für Arbeit, die der Bundesregierung untersteht. Logisch, dass die IAB im Wahlkampf zu diesem Ergebnis kommen muss. Ob dies dann auch der Realität entspricht, ist völlig irrelevant.
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