Misstrauen gegen Sparwillen Berlin rechnet griechisches Euro-Aus durch

Lange galt dieser Schritt als unvorstellbar - doch nun trifft Deutschland Vorkehrungen: Nach SPIEGEL-Informationen stellt sich die Bundesregierung auf einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion ein. Sie lässt drei Szenarien durchspielen - darunter ein besonders negatives.
Griechische Euro-Münze: Die Währungsgemeinschaft könnte stabiler werden

Griechische Euro-Münze: Die Währungsgemeinschaft könnte stabiler werden

Foto: Oliver Berg/ dpa

Hamburg - "Wir sind gewappnet", sagte Angela Merkel auf dem G-20-Gipfel in Cannes und spielte dabei auf einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone an. Sie selbst hatte dieses Szenario ins Spiel gebracht, um gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Athener Regierung unter Druck zu setzen.

Inzwischen stellt sich die Bundesregierung wirklich auf das ein, was sie zuvor stets als unvorstellbar bezeichnet hatte: den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Nach SPIEGEL-Informationen bereitet sich die Bundesregierung für den Fall vor, dass die neue griechische Regierung die vereinbarten Sparprogramme nicht weiterführen will. Experten des deutschen Finanzministeriums spielen dafür unterschiedlichste Annahmen durch.

Ein sogenanntes Basis-Szenario geht von der Annahme aus, dass alles nicht so schlimm kommt. Danach könnte der Ausstieg Griechenlands nach anfänglichen Turbulenzen längerfristig sogar zur Stärkung der Euro-Zone beitragen. Ohne ihr schwächstes Glied, so die Annahme, wäre die Kette insgesamt stabiler. Zwar hätten Randstaaten wie Spanien und Italien auch weiterhin zu kämpfen, doch könnten sie ihre Schwierigkeiten unbelastet von der Griechenland-Krise besser in den Griff bekommen. Diese Länder haben nach Einschätzung der Regierungsexperten zwar augenblicklich Probleme, an Geld zu kommen. Pleite seien sie - anders als Griechenland - aber nicht.

In einem Worst-Case-Szenario entwickeln sich die Angelegenheiten in der Euro-Zone weniger günstig. In diesem Fall würden Italien und Spanien ins Visier der globalen Finanzmärkte geraten, ihre Finanzierungskosten stiegen. In diesem Planspiel wäre der europäische Rettungsschirm EFSF gezwungen, die Länder mit frischem Geld zu versorgen. Damit das gelingen kann, soll er so schnell wie möglich aufgerüstet werden, so dass er über ein Finanzierungsvolumen von einer Billion Euro verfügt.

Zusätzlich beschreiben die Regierungsexperten ein Worst-Worst-Case-Szenario. Danach würde die neue griechische Währung dramatisch gegenüber dem Euro abwerten. Zwar würden die Exporte des Landes billiger, negative Effekte würden aber überwiegen. Die Staatsverschuldung stiege trotz Schuldenschnitts, weil die Verbindlichkeiten in Euro bestehen blieben. Die Kreditwürdigkeit des Landes sänke sofort wieder, und auch die Geldversorgung der Wirtschaft würde stocken, weil die Banken ebenfalls vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten wären.


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Weil auch die Unternehmen ihre Schulden in Euro behalten würden, gingen viele in Konkurs - mit der Folge, dass noch mehr Arbeitnehmer ihren Job verlören. Der Konsum bräche ein, was den Abschwung verschärfen würde. Aus diesem Teufelskreis könnte sich das Land auf Jahrzehnte nicht befreien, andere Länder könnten mit in den Strudel gerissen werden. Dieses negativste Szenario sei aber nicht das wahrscheinlichste, heißt es in Regierungskreisen