Mitarbeiter-Ausbeutung Textildiscounter Kik verliert vor Gericht

Der Textildiscounter Kik hat eine Niederlage vor dem Hamburger Landgericht erlitten: Der NDR darf nach SPIEGEL-Informationen vier Textilarbeiterinnen aus Banglandesch weiter als Kik-Näherinnen bezeichnen. Zunächst hatten die Richter dies untersagt.
Kik: Gericht hebt Unterlassungserklärung gegen NDR auf

Kik: Gericht hebt Unterlassungserklärung gegen NDR auf

Foto: DDP

Der wegen Mitarbeiterbespitzelung und desaströser Arbeitsbedingungen bei Zulieferfirmen in Bangladesch kritisierte Textil-Discounter Kik gerät weiter in die Defensive. Gegen den NDR kassierte Kik nun eine weitere Niederlage vor dem Hamburger Landgericht.

In der TV-Reportage "Die Kik-Story" hatte das Gericht dem Sender zwar im Mai noch untersagt, vier im Film interviewte Näherinnen als Kik-Näherinnen zu bezeichnen - deutsche Kik-Mitarbeiter hatten dies mit eidesstattlichen Versicherungen zu untermauern versucht. Wegen neuer Belege und eidesstattlicher Versicherungen der Näherinnen selbst hob das Gericht das Verbot nun aber auf.

Kik hatte sich nach Ausstrahlung des Films gebrüstet, in mehreren Punkten gegen den "rufschädigenden" Film erfolgreich gewesen zu sein. Tatsächlich siegte in dem seit Wochen schwelenden Streit meist der NDR: Dass die Heizungen in einer Filiale sechs Winter lang defekt gewesen seien und der Discounter Billigsocken zu Markenware veredelt - all das darf der Sender weiter behaupten.

Erfolgreich war Kik etwa mit dem Punkt, es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, als habe Kik-Chef Stefan Heinig zwei Busse für einen Fußballverein gesponsort. Schon zuvor war der medienscheue Heinig mit dem Versuch gescheitert, eine Filmsequenz verbieten zu lassen, in der er befragt wurde. Kik wollte sich dazu nicht äußern.

Auch wegen der Behandlung der Mitarbeiter in Deutschland ist Kik unter Druck geraten: Ein ehemaliger Bezirksleiter wirft dem Unternehmen vor, Mitarbeiter entlassen zu haben, wenn eine Creditreform-Auskunft negativ war. Die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft einen Anfangsverdacht.

nk
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