Moderne Städte Europas Metropolen kämpfen um ihre Zukunft

Paris, London, Mailand, Berlin: Städte in Europa wetteifern um den kreativsten Wirtschaftsstandort. Im Vergleich zu Asiens funktionalen Megacities haben sie allerdings gravierende Nachteile.

Von Tanja Tricarico


Paris: Metropole leidet unter laissez-faire-Image
Getty Images

Paris: Metropole leidet unter laissez-faire-Image

Hamburg - Gläserne High-Tech-Wolkenkratzer ragen in den Himmel. Superzüge fahren im Minutentakt vom Zentrum in die Außenviertel und zurück. In den hoch technologisierten Megastädten Asiens sind Gebäude und Verkehrswege im XXL-Format Standard. In Europa dagegen sucht man solche Infrastrukturen dagegen häufig vergebens.

Mit gravierenden Folgen: Multinationale Konzerne und ausländische Geschäftsleute bevorzugen die Strukturen der modernen Monsterstädte. "Sie sind austauschbar", erklärt Harald Mieg vom Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung den Vorteil. Wer Geschäfte weltweit macht, besucht häufig nur für kurze Zeit die jeweiligen Standorte. Ähnliche Infrastrukturen in Shanghai, Seoul oder Tokio verbessern die Übersicht und erleichtern so das Geschäftsleben.

Dass die neuen Riesenstädte wirtschaftlichen Erfolg bringen, zeigt das Beispiel Mumbai. Die Millionenstadt gehört zu den wichtigsten Industriestandorten in Westindien. Rund zwei Prozent der indischen Bevölkerung - etwa 22 Millionen Menschen - leben dort. Laut einem Bericht der Weltbank erwirtschaften sie über 30 Prozent der nationalen Einkommenssteuer.

Doch das schnelle Wachstum macht den asiatischen Megastädten auch Probleme. Im südkoreanischen Seoul etwa hat sich innerhalb von 50 Jahren die Bevölkerung vervierfacht. Rund zehn Millionen Menschen leben heute im Stadtkern, weitere 20 Millionen im Umland. Die Folge: Luftverschmutzung, Energieverschwendung und Verkehrslärm. Die schlechte Ökobilanz verursacht Kosten in Milliardenhöhe. Auch die Wasser- und Energieversorgung oder die Müllbeseitigung bekommen die Behörden nur schwer in Griff.

Die Menschen in Europa zieht es in die Vororte

Internationale Firmen haben die Misere der Megastädte längst als Geschäftsfeld entdeckt. Der Siemens-Konzern etwa will sich mit einer komplett neuen Sparte den Monster-Metropolen widmen. Techniken, die Energie sparen helfen oder umweltfreundlich sind, könnten Gewinne im zweistelligen Milliardenbereich bringen, heißt es aus der Konzernzentrale.

Doch was bedeutet dies für Europa? Bevölkerungsströme wie in Asien, wird es in Europa nicht geben. Die große Wachstumsphase ist hier längst abgeschlossen. "Die Menschen zieht es in die Vororte", sagt Metropolenforscher Mieg. Können die Zentren mit den Newcomern aus Fernost überhaupt noch mithalten?

Immerhin: "Der besondere Charakter und die gute Verwaltung machen die europäischen Metropolen attraktiv", sagt Mieg. Und noch sind die Europäer nicht geschlagen. London oder Paris etwa gehören mit über zehn Millionen Einwohnern zu den größten Städten in Europa. Hier konzentrieren sich Finanz- und Wirtschaftszentren. Ihre Banken, Börsen, Wirtschaftsberatungen und Unternehmen unterschiedlichster Branchen prägen maßgeblich die internationale Wirtschaft.

Dennoch: Auch Europas Städte kämpfen mit Problemen wie Mietwucher oder schlechter Infrastruktur. Vier Beispiele aus Paris, London, Mailand und Berlin zeigen vo die drängendsten Probleme liegen.



insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
imation, 29.03.2011
1. Hamburg?
Ich vermisse den Artikel in dem steht das Hamburg ganz toll ist. Den darüber das Berlin schlecht ist gibt es ja auch.
Berlinjoey 29.03.2011
2. rotrote Gurkentruppe
Zitat von sysopParis, London, Mailand, Berlin: Städte in Europa wetteifern um den kreativsten*Wirtschaftsstandort.*Im Vergleich zu Asiens funktionalen Megacities haben sie allerdings gravierende Nachteile. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,753160,00.html
Als Berliner kann ich nur sagen, solange die Stadt weiter von der rotroten Gurkentruppe mit dem Nichtskönner an der Spitze "regiert" wird, wird Berlin Schlusslicht und Hartz4-Hauptstadt bleiben.
Systemrelevanter 29.03.2011
3. Und nun?
Mumbai pseudowissenschaftlich in den asiatischen Himmel loben und gleichzeitig London wegen seiner Ökobilanz zu rügen, ist schon starker Tobak. Mal abgesehen von der in Indien praktizierten fragwürdigen Praxis der Sonderwirtschaftszonen, die kaum stabilen Wohlstand bringen, sondern lediglich das internationale Subventionsnomadentum anzieht. Ausser Acht wird dann gänzlich der Sozialstandard der beleuchteten Städte gelassen. Äußerst schwach.
muellerthomas 29.03.2011
4. Wie bitte?
Von welchen hochtechnisierten Metropolen Asiens spricht der Autor? Er zählt gerade einmal vier Städte auf, von denen eine (Tokio) sicherlich nicht in einer aufstrebenden, jungen Volkswirtshaft liegt. Mumbai und Shanghai sind zudem Megacities am Rande des Verkehrskollapses, diese als Vorbild hinzustellen und die schlechte Infrastruktur europäischer Städte zu bemängeln, kann nur ein schlechter Scherz sein. Auch die implizite Forderung, die Großstädte müssten austauschbar sein, weil Geschäftsleute dies so bevorzugen, ist m.E. zum einen falsch, zum anderen aber auch aus vielerlei anderen Aspekten nicht erstrebenswert.
der_Tobi, 29.03.2011
5. .
"Kampf um die Zukunft"? Sorry, aber das ist mal wieder eine Schlagzeile, die im Artikel nur höchst dürftig belegt wird. Die Mieten in Paris sind doch deswegen so hoch, weil so viele Menschen dort leben möchten! Die Bedürfnisse von Konzernen und Geschäftsleuten als einziger Maßstab für die Zukunftsfähigkeit einer Stadt? Was ist mit Flair, mit Kultur, mit Einfluss? Und selbst in finanzieller Hinsicht: man braucht schon sehr viele Weltkonzerne mit sehr sehr vielen Arbeitsplätzen, um gegen die touristische Anziehungskraft einer Stadt wie Paris anzustinken. In London klappt nicht einmal das.
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