Moderner Sklavenhandel Fahnder durchsuchen 180 China-Restaurants

Polizei und Zoll sind mit einer ganzen Serie von Razzien gegen chinesische Menschenhändler vorgegangen. Bundesweit durchsuchten die Beamten China-Restaurants. Dort sollen die Opfer von Schleusern wie Sklaven gearbeitet haben - nach Deutschland geholt wurden sie als Spezialitätenköche.

Hannover - Auf der Spur von chinesischen Schleuserbanden haben Beamte von Polizei und Zoll am Montag 180 China-Restaurants und Wohnungen durchsucht. 1300 Beamte sollen bundesweit an der Razzia beteiligt gewesen sein. Schwerpunkt der Durchsuchungen lag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, sagte ein LKA-Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Die Beamten gingen Erkenntnissen über chinesische Menschenhändler nach, gegen die die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt. Schleuserbanden sollen demnach mehr als zehn Jahre lang mehr als 1000 Menschen aus China in die Bundesrepublik gebracht haben. Dabei sollen sie nach einem bestimmten Muster vorgegangen sein: Die Menschen seien als sogenannte Spezialitätenköche eingeschleust worden, danach seien sie als billige Arbeitskräfte ausgebeutet worden.

Nach SPIEGEL-Informationen prüft derzeit die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit, ob und in welchem Umfang gefälschte Papiere und Zeugnisse genutzt werden, um Arbeitskräfte nach Deutschland zu schleusen. Die ZAV muss zustimmen, bevor chinesischen Arbeitskräften eine Arbeitserlaubnis erteilt wird. Jedes Jahr wird 700 bis 800 Chinesen eine solche Erlaubnis erteilt.

Zu den Drahtziehern der Schleusungen, gegen die am Montag vorgegangen wurde, sollen laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zwei Männer und eine Frau aus China gehören, die seit März in Hannover in Untersuchungshaft sitzen. Die vermeintlichen Spezialitätenköche sollen in den betroffenen Restaurants wie moderne Sklaven gehalten worden sein, sagte der LKA-Sprecher. Sie mussten demnach für Stundenlöhne von weniger als drei Euro arbeiten, die Pässe wurden ihnen abgenommen.

Neben dem Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens gingen die Beamten daher bei der Großrazzia auch Hinweisen auf "Menschenhandel zur Ausbeutung der Arbeitskraft" nach. Geprüft wurden außerdem Verstöße gegen die Sozialversicherungspflicht. Die Durchsuchungen begannen nach Angaben des federführenden Landeskriminalamts in Hannover am Montag zeitgleich um 11.30 Uhr.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete, in chinesischen Restaurants sollen inzwischen Kataloge existieren, in denen sich die Betreiber Arbeitskräfte aus der Heimat "bestellen" können. Die Betroffenen müssten in der Regel zwischen fünf- und zehntausend Euro für die Schleusung bezahlen.

tko/dpa/AFP
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