Warnung von Moody's Rating-Agentur droht Italien mit Herabstufung

Italien scheint nach der Wahl unregierbar - und verliert Vertrauen bei den Anlegern. Die Rating-Agentur Moody's hat nun mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes gedroht, sollten die Reformen nicht fortgesetzt werden. Die Unsicherheit drückte die internationalen Börsen weiter ins Minus.
Italienische Fahne in Rom: Das Land könnte an Bonität verlieren

Italienische Fahne in Rom: Das Land könnte an Bonität verlieren

Foto: TONY GENTILE/ REUTERS

New York/Sydney - Nach der Wahl steht Italien vor einer politischen Blockade. Wegen der instabilen Lage in dem Euro-Land droht die Rating-Agentur Moody's nun mit einer Herabstufung der Bonität. Der Ausgang der Wahl wirke sich negativ auf die Kreditwürdigkeit aus, weil Neuwahlen und damit eine noch längere Phase der politischen Instabilität im Raum stünden, teilte Moody's mit. Bei weiteren Entwicklungen, die den wirtschaftlichen Aussichten des krisengeschüttelten Landes schadeten oder auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Reformen hindeuteten, werde die Agentur eine Absenkung der Bonitätsnote erwägen. Moody's bewertet Italien seit Juli 2012 mit Baa2, der Ausblick ist negativ.

Moody's-Konkurrent Standard & Poor's (S&P) will hingegen die weitere Entwicklung abwarten. Die Ergebnisse der Wahl hätten "keinen unmittelbaren Effekt" auf die Bonität des Landes, erklärte die Rating-Agentur. S&P sei der Ansicht, "dass die politischen Entscheidungen der nächsten Regierung" der wichtigste Faktor für die Kreditwürdigkeit Italiens sein werden. Es bestehe allerdings das Risiko, dass die Regierung fortan keine ausreichende Mehrheit habe, um die nötigen Reformen für ein Wirtschaftswachstum durchzusetzen. S&P bewertet Italiens Kreditwürdigkeit derzeit mit BBB+ mit einem langfristig negativen Ausblick.

Die Sorge um ein Wiederaufflammen der Euro-Staatsschuldenkrise nach der Italien-Wahl drückt die internationalen Finanzmärkte weiter ins Minus. An der Börse in Tokio fiel der Nikkei-Index zur Handelsmitte um 0,8 Prozent - und das, obwohl die amerikanische Notenbank für gute Stimmung bei den Anlegern gesorgt hatte. Die Fed hatte angekündigt, weiter US-Staatsanleihen kaufen zu wollen, um die amerikanische Wirtschaft zu stimulieren.

Risikoaufschläge für Italien steigen

Auch der Euro-Kurs   sank an den fernöstlichen Börsen weiter. Die Gemeinschaftswährung tendierte bei 1,3060 Dollar und damit nur knapp über dem Sieben-Wochen-Tief bei 1,3018, das sie nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse markiert hatte.

Bereits am Dienstag hatte die Italien-Wahl für Verluste an den Börsen in Europa gesorgt. Der deutsche Leitindex Dax   verlor zum Handelsschluss knapp 2,3 Prozent - seit der Veröffentlichung der ersten Prognosen belief sich das Minus sogar auf 3,35 Prozent. Besonders hart traf es den Mailänder Leitindex FTSE MIB mit einem Minus von fast 4,9 Prozent, der EuroStoxx 50   musste mit einem Abschlag von knapp 3,1 Prozent ebenfalls deutlich Federn lassen.

Bereits am Mittwoch könnte Italien konkrete Folgen der politischen Instabilität zu spüren bekommen. Das Euro-Land will 6,5 Milliarden Euro an frischem Geld über die Versteigerung von Anleihen einnehmen. Ausgerechnet in der turbulenten Wahlwoche versucht die drittgrößte Euro-Volkswirtschaft, Staatspapiere im Gesamtvolumen von fast 20 Milliarden Euro zu platzieren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen haben bereits massiv angezogen: Die Ausfallversicherungen gegen eine italienische Staatspleite stiegen auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn. Dagegen flüchteten die Anleger in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen oder in Gold. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sank, der Goldpreis stieg um mehr als ein Prozent.

fdi/Reuters/dpa/AFP