Moody's Rating-Agentur gibt Griechenland die zweitschlechteste Note

Schon wieder eine Herabstufung: Die Rating-Agentur Moody's hat ihre Bewertung für Griechenland erneut um drei Stufen gesenkt. Sie sieht den verschuldeten Staat jetzt nur noch eine Stufe über der Pleite.


Sydney - Die Rating-Agentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands erneut herabgestuft. Das Land wird nun mit der Note "Ca" bewertet und damit drei Stufen schlechter als zuvor mit "Caa1", wie Moody's am Montag mitteilte. Es ist die zweitschlechteste Note überhaupt (siehe Infobox).

Der Ausblick habe sich indes verbessert: Die Agentur hält es nach dem Beschluss neuer EU-Hilfen für das hoch verschuldete Land für wahrscheinlicher, dass sich Griechenland letztlich stabilisiert und sich der Schuldenstand verringert.

Allerdings gebe es ein hohes Risiko für die Umsetzung der erforderlichen Haushalts- und Wirtschaftsreformen. Zudem sei Griechenland mittelfristig Zahlungsherausforderungen ausgesetzt. Das EU-Rettungspaket verschaffe erst einmal Luft und erlaube eine geordnete Insolvenz, hieß es weiter.

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Private Gläubiger wie Banken und Versicherungen sollen der Einigung der Euro-Staats- und Regierungschefs zufolge durch mehrere Modelle ihre Griechenland-Anleihen umtauschen können. Im Endeffekt verzichten sie so darauf, dass Griechenland alle Schulden zurückzahlt - was einen teilweisen Zahlungsausfall bedeutet. "Die Abwertung spiegelt die erwarteten Verluste wider, die ein Umtausch von Anleihen mit sich bringt", erklärte Moody's.

Die Rating-Agentur kündigte auch an, die Kreditwürdigkeit Griechenlands nach dem Umtausch der alten Schuldenpapiere erneut zu prüfen. Dabei werde sie auch die Möglichkeit weiterer Umschuldungen einfließen lassen. Moody's zufolge bringt der Umtausch alter Schuldenpapiere zwar Vorteile für Griechenland, etwa niedrigere Kosten und eine geringere Abhängigkeit von den Finanzmärkten - "aber der Einfluss auf den Abbau der Schulden ist beschränkt". Man erwarte zudem einen teilweisen Zahlungsausfall.

Bereits am Freitag hatte die US-Rating-Agentur Fitch ihre Note für Griechenland gesenkt und einen teilweisen Zahlungsausfall vorausgesagt. Fitch betonte dabei aber, das zweite Hilfspaket für Athen sei "wichtig" und "positiv", um die Schuldenkrise einzudämmen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler plant laut "Handelsblatt" am Mittwoch Gespräche zu Investitionsmöglichkeiten in Griechenland Land. Demnach will der FDP-Politiker mit den Präsidenten von mehr als 20 Wirtschaftsverbänden beraten, unter welchen Voraussetzungen sich deutsche Firmen in Griechenland engagieren wollen. Ziel sei eine "Investitions- und Wachstumsoffensive", eine Art "Marshallplan". Zuvor hatte auch die "Welt am Sonntag" über die geplanten Gespräche zur wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Griechenland berichtet.

ssu/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 38 Beiträge
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Meckermann 25.07.2011
1. Eine Stufe über der Pleite
...und wenn wir ehrlich sind, ist das immer noch zu nachsichtig. Griechenland IST schon längst Pleite, es tun nur alle so, als ließe sich das noch abwenden.
Hardliner 1, 25.07.2011
2. Geordnete Insolvenz
Zitat von sysopSchon wieder eine Herabstufung: Die Rating-Agentur Moody's hat ihre Bewertung für Griechenland erneut um drei Stufen gesenkt. Sie sieht den verschuldeten Staat jetzt nur noch eine Stufe über der Pleite. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,776369,00.html
Bei einer "geordneten Insolvenz" schauen die Gläubiger oft in die Röhre. Im Fall Griechenland muss man mit ähnlichem rechnen. Kein Wunder, wenn man schlechtem Geld gutes hinterherwirft.
Das Grauen 25.07.2011
3. Bin gespannt auf die Korrektur des US Ratings...
...wenn diese in ein paar Tagen Pleite gehen. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, muß ein Staat, der tatsächlich Zahlungsunfähig ist, ja noch unter dem Wackelkandidaten Griechenland eingeordnet werden! Nee, ich halte natürlich nicht meinen Atem an, bis das passiert. Ist auch mir klar, daß das alles Schmuh ist.
Matzescd, 25.07.2011
4. Wann werden die USA auf ein solches Niveau gestuft?
Eigentlich ist deren Rating unverständlich.
Atheist_Crusader 25.07.2011
5. ...
Zitat von MatzescdEigentlich ist deren Rating unverständlich.
Gar nicht. Diese Ratings sind nicht neutral. Sie sollen weniger die Basis für Entscheidungen bilden, sondern eher schon getroffene Entscheidungen stützen. Aber das Vertrauen in sie ist so groß, dass ihre Empfehlungen oft in selbsterfüllende Prophezeiungen verwandeln. Es gibt ein mieses Rating und schon investiert kaum noch Jemand. Gibt es ein gutes Rating, fließt das Geld und es gibt weiterhin Grund, das Rating beizubehalten. Rating-Agenturen sind eine Waffe im Wirtschaftskrieg, und in diesem Krieg stehen die USA nicht auf unserer Seite. Wer da so blöd ist, diesen Agenturen zu vertrauen, der verdient es auch nicht anders.
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