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12. Januar 2015, 15:26 Uhr

S.P.O.N. - Die Spur des Geldes

Jetzt mach Dich mal quantitativ locker!

Eine Kolumne von

Ende Januar berät die Europäische Zentralbank darüber, ob sie in großem Stil Staatsanleihen aufkauft. Das nährt gerade bei Deutschen Inflationsangst. Zu Recht? Ein Blick in die Bilanz einer Notenbank hilft, diese Frage zu beantworten.

In diesem zweiten Teil meiner Serie zur Quantitativen Lockerung geht es darum, was genau passiert, wenn die Zentralbank Staatsanleihen kauft.

Im ersten Teil habe ich im Detail beschrieben, wie eine stark vereinfachte Bilanz einer Zentralbank aussieht. Links die Forderungen der Bank an andere, rechts die Forderungen der anderen an die Bank. Hier nochmal die Übersicht, diesmal mit einfachen Zahlenbeispielen:

Wie ich in der letzten Woche erklärt habe, ist die Bilanzsumme der Zentralbank ungefähr das, was man Zentralbankgeld oder die Geldbasis nennt. Es ist der Teil des Geldes, den die Zentralbank direkt kontrolliert.

Die Geldmenge ist aber etwas anderes. Sie kann man nicht direkt aus der Bilanz ablesen. Lediglich das Bargeld - das erste Feld rechts - ist eine Komponente der Geldmenge. Die Zentralbank interessiert sich für die Geldmenge, weil es die Geldmenge ist, die langfristig die Inflationsrate bestimmt. Wenn die Inflation so wie derzeit zu niedrig ist, dann will die Zentralbank also die Geldmenge erhöhen. Wie macht sie das?

Die Antwort lautet: über die Banken. Die Zentralbank hat keine direkte Kontrolle über die Geldmenge. Das meiste Geld in einer modernen Volkswirtschaft wird nämlich von den Banken kreiert. Die Zentralbank hat aber eine indirekte Kontrolle. Normalerweise übt sie die über den Zinssatz aus. Je geringer die Zinsen sind, desto größer die Nachfrage nach Krediten und umgekehrt. Das geschieht traditionell bei der EZB über die Geldauktionen. Nehmen wir an, die Zentralbank pumpt 100 Euro neuer Liquidität in die Banken. Was passiert auf ihrer Bilanz? (Die gelb unterlegten Posten zeigen die Einträge, die sich bewegen).

Die Bilanzsumme hat sich um 100 Euro erhöht, von 2000 auf 2100 Euro. Man gibt den Banken Geld - erhöht also deren Guthaben auf deren Zentralbankkonto - und dafür müssen die Banken Sicherheiten hinterlegen, die auf der linken Seite verbucht werden.

Wenn die Zinsen bei Null liegen, kann die Zentralbank die Zinsen nicht mehr senken. Das ist der Moment der Quantitativen Lockerung. Was passiert dabei? Die Bank kauft den Banken Staatsanleihen ab. In unserem Beispiel kauft sie 1000 Euro an Wertpapieren von den Banken. Dann haben wir folgendes Bild:

Die Bilanzsumme, das Zentralbankgeld, erhöht sich auf 3100 Euro. Was ist mit der Geldmenge? Das hängt davon ab, was die Banken mit dem Geld machen. Sie können es auf ihrem EZB-Konto parken und nichts tun. Dann verpufft der Effekt. Oder sie können es nutzen, um mehr Kredite an ihre Kunden zu vergeben. Erstes Resultat ist somit: die Quantitative Lockerung funktioniert nicht automatisch. Ihr Erfolg hängt davon ab, was die Banken mit dem Geld machen.

Kredite sind aber nur einer der möglichen Kanäle. Ein anderer ist der Wechselkurs. Es sind nämlich nicht nur einheimische Banken, denen die EZB die Wertpapieren abkauft sondern auch ausländische Inhaber europäischer Wertpapiere. Wenn die EZB deren Papieren kauft, dann werden die Verkäufer ihre Erlöse in ihre Heimatwährung umtauschen. Sie verkaufen also Euro. Der Kurs des Euro fällt.

Ein weiterer Kanal ist die Portfolio-Umschichtung bei den Geschäftsbanken. Nehmen wir an, die Bank hat 1000 Euro an Staatsanleihen in ihrem Depot. Jetzt kauft die Zentralbank diesen gesamten Anleihenbestand auf. Die Bank wird wahrscheinlich mit dem Geld neue Wertpapiere kaufen, vielleicht auch Aktien. Der Aktienpreis zieht an. Die Firmen investieren mehr.

In der nächsten Woche beantwortete ich die Frage, wann die Quantitative Lockerung funktioniert und wann nicht. Und was passiert, wenn wir nichts tun.

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