S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Besser ein Teil des Geldes weg als die ganze Kohle

Auch nach dem Kompromiss von Brüssel braucht Griechenland eine Reduzierung seiner Schuldenlast. Für den deutschen Steuerzahler wäre das die beste Lösung.
Griechisches Parlament: Die Lösung der Krise steht noch aus

Griechisches Parlament: Die Lösung der Krise steht noch aus

Foto: ALKIS KONSTANTINIDIS/ REUTERS

Die Krise bringt die schlechtesten Eigenschaften der Deutschen und Griechen heraus. Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass die Tageszeitung "Die Welt" einen Aufsatz veröffentlicht , in der die Autorin eine Sprache einfordert, "die Athen versteht". Wer so schreibt, braucht sich über Gegenangriffe aus Griechenland nicht zu wundern. Es wäre besser, wenn jetzt alle verbal abrüsten und stattdessen das Problem selbst zu lösen versuchen.

Genau das nämlich ist am Freitag vergangener Woche nicht passiert. Die Einigung der europäischen Finanzminister war ein Meisterwerk der Sprachdiplomatie. Damit hat man sich politisch über die Woche gerettet. Vielleicht hilft die Zweideutigkeit, das griechische Parlament hinters Licht zu führen.

Inhaltlich hat sich nicht viel verändert. Griechenland bleibt weiterhin im "Programm". Überwacht wird es von der Troika, die nur einen anderen Namen hat. Und die Bedingungen sind ebenfalls dieselben, mit dem Unterschied, dass die griechische Regierung so tun darf, als hätte sie sich die Maßnahmen selbst ausgedacht.

Die Einigung wird Griechenland nicht helfen. Die Lösung der Krise steht noch aus. Die Anpassung, die man Griechenland in den vergangenen fünf Jahren aufgezwungen hat, gehört zu den großen volkswirtschaftlichen Katastrophen der modernen Geschichte. Es gibt nur zwei Wege heraus: Entweder Griechenland verlässt den Euro. Oder wir finden einen Weg zur Schuldenreduzierung innerhalb des Euroraums. Reformen allein reichen nicht.

Der deutsche Wutbürger will die Griechen draußen sehen

Um seine zukünftigen Schulden zu bedienen, müsste Griechenland enorme Haushaltsüberschüsse fahren, 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung vor Zinsen und Tilgung. Die Geschichte lehrt uns, dass Wähler da nicht mitmachen. Die griechischen Wähler haben das gerade demonstriert. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Die Alternativen sind jetzt entweder ein totaler Schuldenschnitt oder ein anteiliger.

Der deutsche Wutbürger will die Griechen draußen sehen. Der rationale Homo Oeconomicus würde sagen: besser ein Teil des Geldes weg als die gesamte Kohle.

Für den zweiten Weg gibt es kreative Ideen: Kredite mit längeren Laufzeiten, Wertpapiere mit Anbindung an zukünftiges Wirtschaftswachstum, sogar Umwandlung von Krediten in Aktien an griechische Unternehmen. Griechenland selbst könnte Wertpapiere herausgeben, die als eine Form der Parallelwährung fungieren.

Es entstehen natürlich Verluste für die Kreditgeber, aber weniger als bei einem Totalausfall. Wenn Griechenland den Euroraum verlässt, dann sind nicht nur die ganzen Kredite verloren, sondern auch verdeckte Forderungen, die durch das zwischenstaatliche Zahlungssystem Target 2 entstehen. Das wären insgesamt 70 bis 90 Milliarden Euro. Dazu kommen noch Verluste durch weiteren Finanzstress, der mit Sicherheit kommt, den man aber nicht von vornherein beziffern kann.

In England gibt es einen Ausdruck für das irrationale Herbeisehnen eines katastrophalen Ereignisses: Truthähne, die sich auf Weihnachten freuen. Wer in Deutschland einen Grexit herbeisehnt, ist entweder so blöd wie eine Pute oder hat eine geheime Agenda. Wenn Sie den Euroraum destabilisieren wollen, dann nur zu! Es ist kein Wunder, dass die Alternative für Deutschland den Grexit fordert. Sie hofft nicht ganz zu Unrecht, dass der griechische Austritt aus der Währungsunion den Euro insgesamt destabilisieren wird. Seien Sie als Laie also auf der Hut, wenn Sie solche extremen Forderungen unterstützen. Es ist Ihr Steuergeld, das hier verloren geht. Als Kreditgeber hat Deutschland an einem griechischen Austritt kein rationales Interesse.

In der Psychologie spricht man von den fünf Phasen einer Schockbewältigung: Ignoranz, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Die deutsche Diskussion trat letzte Woche von der ersten in die zweite Phase. Bis zur Akzeptanz ist es noch ein langer Weg. Wir sollten uns jetzt aber mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass wir verhandeln müssen.

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