S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Es ist die entkoppelte Inflationserwartung, Dummkopf!

Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank mutmaßlich den Ankauf von Staatsanleihen beschließen. Höchste Zeit, mit einigen Missverständnissen über solch ein Programm aufzuräumen.

Im dritten Teil meiner Serie zur Quantitativen Lockerung, auf englisch Quantitative Easing (QE) genannt, geht es um die Wirkung dieses Instruments. Wann funktioniert es und wann nicht?

Falls Sie die ersten beiden Teile verpasst haben: Sie finden sie hier und hier.

Zunächst möchte ich einen Pappkameraden umkippen, der einem gerade in der deutschen Diskussion immer wieder begegnet. Es ist folgende Aussage: Deflation ist, wenn Menschen Käufe verschieben, weil sie darauf wetten, dass im nächsten Jahr die Preise niedriger sind. Das stimmt natürlich, aber darum geht es überhaupt nicht. Die Begründung für ein QE-Programm ist nicht eine etwaige Deflation, sondern die Entkoppelung der Inflationserwartungen. Das ist etwas völlig anderes.

Wie viele andere Zentralbanken verfolgt auch die Europäische Zentralbank ein Inflationsziel, in unserem Fall von knapp unter zwei Prozent. Alle Indikatoren zeigen, dass die Inflationserwartungen 2014 deutlich nach unten gerutscht sind und nicht mehr bei zwei Prozent liegen. Das Ziel ist also die Rückführung der in der Bevölkerung erwarteten Inflation auf die EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent.

Kann ein QE-Programm so etwas überhaupt leisten? Es gibt gute Argumente dafür und dagegen. In den USA hat das Programm funktioniert - besser als man anfangs dachte. Es besteht zwischen den Volkswirtschaften der USA und des Euroraums aber ein wichtiger Unterschied. In den USA wirkte das Programm vor allem über den Immobilienmarkt. Die Fed hat damals Hauskredite aufgekauft, was es den Banken erleichterte, wieder neue Kredite zu vergeben. In Deutschland werden Häuser und Wohnungen über Hypotheken finanziert - ein ganz anderes System, die EZB kann diese Hypotheken nicht ohne Weiteres aufkaufen. Auch Firmenkredite werden in den USA oft in Wertpapieren gebündelt, die die Notenbank kaufen kann. Bei uns ist der Markt deutlich kleiner.

Verschiedene Ökonomen wie John Muellbauer aus Oxford oder der Chefökonom der Citibank, Willem Buiter haben daher argumentiert, dass QE im Euroraum kaum etwas bringt. Befürworter eines QE-Programms sagen wiederum, dass es doch funktioniert, und zwar über zwei wichtige Kanäle.

  • Der erste ist der Wechselkurs. Der Effekt ist schon jetzt sichtbar. Im letzten Jahr erreichte der Euro seinen Höhepunkt gegenüber dem Dollar mit einem Stand von knapp 1,40 Dollar. Jetzt sind wir bei 1,16 Dollar. Das ist eine deutliche Abwertung, die vor allem europäischen Exporteuren zugute kommt.
  • Der zweite wichtige Kanal wäre eine Umschichtung von Wertpapierportfolios. Die EZB würde beim QE die meisten Wertpapiere den Banken abkaufen. Was macht die Bank dann mit dem Geld? Sie könnte es auf ihrem Konto bei der EZB parken. Das wird sie wahrscheinlich aber nicht tun, denn dafür würde sie Strafzinsen bezahlen müssen. Der Zinssatz für diese Guthaben liegt nämlich derzeit bei minus 0,2 Prozent. Die Bank wird also, so hofft man, einen Teil des Geldes in Aktien und andere Wertpapiere stecken. Damit wird der Aktienmarkt gestützt und börsennotierten Unternehmen der Zugang zu Kapital für Investitionen erleichtert. Oder die Banken vergeben mehr Kredite an Firmen, was einen ähnlichen Effekt hätte.

Ich schrieb in der letzten Woche - zur Verwunderung einiger Leser -, dass ein hoher Aktienpreis die Firmen dazu verleite, mehr zu investieren. Warum ist das so? Börsennotierte Firmen haben bei hohen Aktienwerten den Anreiz, neue Aktien herauszugeben. Pro Aktie bekommen sie dann mehr Geld. Natürlich würden Firmen das nur dann tun, wenn es eine Nachfrage nach ihren Produkten gibt. Wenn QE also lediglich die Aktienpreise hochtreibt, aber keinen Einfluss auf die Realwirtschaft hätte, dann würde das Programm verpuffen.

Die Hoffnung der Befürworter ist nun, dass der billige Euro, das billige Öl und die hohen Aktienpreise zusammen die Konjunktur anschieben.

Die Entscheidung kommt diesen Donnerstag - so viel steht fest. Der SPIEGEL berichtete am Wochenende, dass die EZB das Programm so gestalten wird, dass das Risiko bei den nationalen Notenbanken verbleiben soll (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL). Es gibt also keine gemeinsame Haftung. Somit sind die rechtlichen Bedenken Deutschlands und anderer aus dem Weg geräumt. Ob es dann noch ökonomisch funktioniert, ist eine ganz andere Frage.

Meine Mini-Serie ist beendet, das Thema noch lange nicht.

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