Tierschutz Staatsanwaltschaft geht gegen das Töten von Küken vor

Bundesweit werden pro Jahr 50 Millionen männliche Küken geschreddert oder vergast. Nach SPIEGEL-Informationen hat jetzt erstmals eine Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.
Hühnerküken im Stall: Die Küken werden direkt nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert

Hühnerküken im Stall: Die Küken werden direkt nach dem Schlüpfen nach Geschlecht sortiert

Foto: Philipp Schulze/ picture alliance / dpa

Erstmals hat eine Staatsanwaltschaft nach SPIEGEL-Informationen Anklage gegen eine Brüterei wegen des Tötens männlicher Eintagsküken erhoben. Im aktuellen Fall geht es um die massenhafte Vernichtung bei der Brüterei Brinkschulte in Senden im Münsterland.

Für männliche Nachkommen der Legehuhnrassen hat die Agrarindustrie keine Verwendung, weil sie weder Eier legen noch gut Fleisch ansetzen. Deswegen werden bundesweit pro Jahr rund 50 Millionen von ihnen geschreddert oder vergast, was der überwiegenden Auffassung zufolge nach dem Tierschutzgesetz verboten ist. Da sowohl die Behörden als auch das Bundeslandwirtschaftsministerium diese Praxis dulden, wurde den Brütereien bisher meist ein sogenannter Verbotsirrtum zugebilligt, weswegen sie straflos blieben.

Staatsanwaltschaft will bis vor den BGH ziehen

Im aktuellen Fall, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, könne sich die Brüterei aber nicht mehr darauf berufen, das Töten für rechtmäßig gehalten zu haben - die Brüterei war spätestens seit 2013 durch eine Strafanzeige der Tierschutzorganisation Peta über die Unrechtmäßigkeit ihres Tuns informiert. Die Firma Brinkschulte will sich dazu nicht äußern.

Die Klage vor dem Landgericht Münster will die Staatsanwaltschaft nun wegen der grundsätzlichen Bedeutung im Zweifel "bis zum BGH tragen". Dass trotz eindeutiger Straftatbestände und 14 Jahren Staatsziel Tierschutz die Praxis andauert, beweise "die unglaubliche Macht des agroindustriellen Komplexes", so Peta-Sprecher Edmund Haferbeck.

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