Textilindustrie Gewaltsame Proteste gegen Arbeitsbedingungen in Burma

Der Mindestlohn liegt in Burma bei 2,50 Euro - pro Tag. Und die Arbeitsbedingungen sind oft miserabel. In der Großstadt Rangun ist es deshalb jetzt zu schweren Protesten gekommen.
Textilfabrik in Burma

Textilfabrik in Burma

Foto: YE AUNG THU/ AFP

Seit Wochen verlangen die Textilarbeiter in Burma bessere Arbeitsbedingungen - jetzt eskaliert der Konflikt. In mehreren Textilfabriken in der Umgebung der ehemaligen Hauptstadt Rangun ist es zu Protesten gekommen. In einer Fabrik schlugen Arbeiter im Zorn über Entlassungen und ausbleibende Gehälter Maschinen und Überwachungskameras kaputt. Die Produktion steht dort seit Anfang Februar still. Nächste Woche soll sie wieder anlaufen.

Laut Deutschlandfunk sei auch ein chinesisches Unternehmen betroffen, das Kleidung für den schwedischen Textilgiganten H&M produziert. In der Fabrik sei die Fertigungsstrecke zerstört worden. H&M wurde wie auch andere Anbieter von günstiger Mode schon öfter wegen der Arbeitsbedingungen der Fabriken in Burma kritisiert, unter anderem weil Minderjährige beschäftigt würden.

Die Gewerkschaften in Burma verlangen von der Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung Sang Suu Kyi, den gesetzlich garantierten Mindestlohn deutlich zu erhöhen. Pro Arbeitstag sollen im ehemaligen Birma statt 3600 Kyat (umgerechnet etwa 2,50 Euro) künftig 5600 Kyat (etwa 3,86 Euro) gezahlt werden. Aus Sicht der Wirtschaft, liegt der Mindestlohn schon jetzt höher. Unter anderem weil Überstunden mit einem Aufschlag von 100 Prozent vergütet würden, kämen die Beschäftigten bei einem Zehn-Stunden-Tag auf umgerechnet 3,85 Euro, heißt es bei der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Myanmar, wie das Land offiziell heißt.

Der südostasiatische Staat hat sich in den vergangenen Jahren zum Boomland der Textilindustrie entwickelt. Mehr als 400 Fabriken gibt es inzwischen. Von den 400.000 Arbeitern sind die meisten Frauen. Auch viele europäische Firmen lassen inzwischen dort produzieren. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie der niederländischen Organisation SOMO sind extrem niedrige Löhne und Überstunden die Regel, Kinderarbeit ist keine Ausnahme.

Burmas Bekleidungsindustrie wird das laufende Geschäftsjahr mit einem Rekord beenden. Das Handelsministerium erwartet Exporte von mehr als 1,7 Milliarden Euro, ein Großteil davon nach Europa. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von mehr als 85 Prozent.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes war von gewaltsamen Protesten in mehreren Fabriken die Rede. Tatsächlich ist Gewaltanwendung aber nur aus einer Fabrik überliefert. Die anderen Proteste verliefen offenbar friedlich. Wir haben den Text entsprechend geändert.

hej/dpa-AFX