Nach Aichach-Unglück Hunderte Stellwerke werden noch per Hand betrieben - nun rüstet die Bahn nach

Als Konsequenz aus dem Zugunglück von Aichach, bei dem im Mai zwei Menschen starben, plant die Bahn ein Großprojekt. Nach SPIEGEL-Informationen sollen Hunderte alte Stellwerke mit elektronischen Warnanlagen nachgerüstet werden.
Bayern, Aichach: Zugsitze neben einem verunglückten Regionalzug an der Unfallstelle (im Mai)

Bayern, Aichach: Zugsitze neben einem verunglückten Regionalzug an der Unfallstelle (im Mai)

Foto: Matthias Balk/ dpa

Die Technik soll helfen, falsche Weichenstellungen zu vermeiden und Zugkollisionen in Bahnhöfen zu verhindern. Konkret geht es um rund 600 von insgesamt 1178 Stellwerken, bei denen die Fahrdienstleiter Signale und Weichen noch per Hand bedienen - mithilfe mechanischer Drahtzüge oder elektrischer Schalter. Die Kontrolle, ob die gestellten Fahrstrecken tatsächlich frei sind, erfolgt dort - wie vor hundert Jahren - noch per Augenschein.

Die Warnanlagen, die nun eingebaut werden sollen, bestehen aus einem Computer, der mit Sensoren im Gleis und an den Schalthebeln verbunden ist. Versucht ein Fahrdienstleiter einen Zug auf ein Gleis zu leiten, das bereits von einem anderen Zug blockiert ist, werden eine Warnsirene und ein blinkendes Warnlicht aktiviert.

Eine solche Anlage hätte womöglich auch den Zusammenstoß zweier Züge im bayerischen Aichach verhindert, der offenbar durch eine versehentlich falsch gestellte Weiche verursacht worden war.

Auch das Aichacher Stellwerk soll eines dieser Warnsysteme erhalten. Bei der Auswahl der Stellwerke, die nachgerüstet werden sollen, hat sich die Bahn zunächst offenbar auf Strecken konzentriert, auf denen 40 Stundenkilometer oder schneller gefahren wird und auf denen Personenzüge in hoher Frequenz verkehren. Der Einbau der Warnanlagen soll im Januar 2019 starten und bis 2024 abgeschlossen sein. Das Investitionsvolumen beträgt rund 90 Millionen Euro.

Anmerkung: Über dem Artikel stand ursprünglich, das Unglück sei ein Jahr her. Wir haben den Fehler korrigiert.

srö