Nach Mieter-Protest Berlin kauft 670 Wohnungen in Karl-Marx-Allee

Das Land Berlin will den Konflikt um bezahlbaren Wohnraum entschärfen und erwirbt 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee. Der Konzern Deutsche Wohnen geht leer aus.
"Ausverkauf stoppen": Proteste in der Berliner Karl-Marx-Allee

"Ausverkauf stoppen": Proteste in der Berliner Karl-Marx-Allee

Foto: Clemens Bilan/epa

Der Konflikt um die Wohnungen in der Karl-Marx-Allee galt als Symbol für die Mietmisere in deutschen Großstädten. Nun kauft das Land Berlin 670 Wohnungen in der ehemaligen DDR-Prachtstraße. Wie die Senatskanzlei mitteilte, werden die Immobilien von der kommunalen Gesellschaft Gewobag übernommen. Damit will das Land einen Konflikt entschärfen, der die Hauptstadt monatelang beschäftigt hat.

Ursprünglich wollte der bisherige Eigentümer Predac die Wohnungen an den Konzern Deutsche Wohnen veräußern, der in Berlin bereits 112.000 Einheiten besitzt. Mieter fürchteten deswegen starke Mieterhöhungen und organisierten groß angelegte Proteste.

"Ich möchte, dass die Berlinerinnen und Berliner sich das Wohnen in der Stadt auch weiterhin leisten können", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Deshalb sei es seine feste Absicht, Wohnungen zu kaufen, damit Berlin wieder mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt erlange. Diese 670 Wohnungen seien "ein erster, guter Schritt in diese Richtung".

Seit Langem versuchte das Land, die in den Neunzigerjahren veräußerten Wohnungen möglichst komplett in kommunalen Besitz zurückzuführen. Dazu gab es juristische Auseinandersetzungen vor Gericht, komplizierte Rückkaufmodelle mit Unterstützung der Mieter und hinter den Kulissen Gespräche mit Predac und Deutscher Wohnen - die nun in dem Deal mündeten.

Zum Kaufpreis macht das Land Berlin bisher keine Angaben. Der Mieterbeirat hatte im November über ein Angebot in Höhe von 28 Millionen Euro  für einen Predac-Wohnblock mit 82 Wohnungen gesprochen - das würde einen Quadratmeterpreis von 3500 Euro bedeuten.

rai/dpa
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