Nackter Boss aus Italien "Gute Politiker sind so rar wie weiße Fliegen"

Enrico Frare protestierte gegen Berlusconi, indem er nackt in einer Anzeige posierte. Damit sorgte er in seiner Heimat für großes Aufsehen. Im Interview spricht der italienische Unternehmer jetzt über seine Erwartung an einen neuen Premier - und darüber, was sich in dem Land ändern muss.

Anzeige von Enrico Frare: "Die Aktion hat Einiges in Gang gesetzt"
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Anzeige von Enrico Frare: "Die Aktion hat Einiges in Gang gesetzt"

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SPIEGEL ONLINE: Der italienische Premier Silvio Berlusconi hat seinen Rücktritt angekündigt. Reißen sie sich jetzt vor Freude erneut die Kleider vom Leib?

Enrico Frare: Im Gegenteil. Ich mache mir mehr Sorgen denn je. Wer soll denn jetzt das Ruder übernehmen? Wer ist denn überhaupt in der Lage, unser Land aus dem Schlamassel zu führen? Niemand! Hier zerfleischen sich Linke wie Rechte in internen Kämpfen. Es fehlt an aufrichtigem Interesse der Parteien an dem, was die Bevölkerung will. Italien kann nur dann das Vertrauen von Investoren im Ausland wiedergewinnen, wenn die Politiker endlich anfangen, sich für das Allgemeinwohl zu engagieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vor kurzem in einer Anzeige nackt posiert, um gegen den Schlamassel in Italien zu protestieren. Das hat für viel Wirbel gesorgt. Haben Sie Ihre Protestaktion irgendwann bereut?

Frare: Ich habe mein Gesicht gegeben und meinen Körper - und würde das immer wieder tun. Die Aktion hat einiges in Gang gesetzt, ich habe viele junge Unternehmer getroffen, die mir von ihren Schwierigkeiten berichtet haben. Immer mehr von ihnen entscheiden sich heute für eine Existenzgründung im Ausland. Das ist fatal für Italien. Wir brauchen dringend mehr Wirtschaftsförderung und eine bessere Arbeitsmarktpolitik, sonst gibt es einen Exodus der dynamischen Kräfte.

SPIEGEL ONLINE: Was wird sich mit dem Abgang Berlusconis für die Unternehmer in Italien ändern?

Frare: Gar nichts. Wir können nur von innen heraus etwas verändern, Zeichen setzen. Wenn ich mit meiner Firma keinen Profit mache, zahle ich mir auch keinen Lohn aus. Das sollten alle Geschäftsleute im Moment so halten. Außerdem gilt: Wir müssen über Parteigrenzen hinweg daran arbeiten, dass Italien wieder auf Kurs gebracht wird und wächst.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren Inhaber eines Unternehmens, das Wintersportkleidung herstellte und 2010 pleiteging. Sie haben aber noch eine andere Firma. Wie läuft es damit?

Frare: Ich will wachsen, Arbeitsplätze schaffen. Meine Firma ist zeitgemäß organisiert, jeder kommt und geht wie er mag, ist immer online und mobil. Für mich zählt die Qualität der Arbeit, nicht die im Büro verbrachten Stunden.

SPIEGEL ONLINE: Italienische Unternehmer haben nicht nur mit einer überforderten Regierung zu kämpfen, sondern auch mit der Mafia. Nun dürfte Angelino Alfano neuer Ministerpräsident werden. Er soll schon auf Mafia-Hochzeiten getanzt haben. Wäre er ein guter Nachfolger für Berlusconi?

Frare: Ich bin kein Politiker, aber es ist bekannt, dass es immer Verbindungen des organisierten Verbrechens zur Politik gegeben hat. Die Gesichter ändern sich, aber das Herz ist immer dasselbe. Sonst wären wir nicht in der heutigen Situation. Sicher gibt es Politiker, denen man vertrauen kann, aber die sind so selten wie weiße Fliegen.

SPIEGEL ONLINE: Im Februar könnte es zu Neuwahlen kommen. Würden Sie selbst wählen gehen?

Frare: Auf keinen Fall. Ich liebe meine Arbeit, gehe Risiken ein für meine Firma und meine Überzeugungen. Ich kann Meinungen teilen oder nicht. Aber für mich gibt es schon lange kein Rechts oder Links mehr. Es gibt nur den Willen, ja die Pflicht, etwas zu tun. Daran sollten sich unsere Politiker dringend erinnern.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt fast nach einer rechtspopulistischen Vision.

Frare: Nein, nach einer realistischen.

Das Interview führte Annette Langer



insgesamt 2 Beiträge
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enfanterrible 09.11.2011
1. Ein würdiger Nachfolger...
...wäre Rocco Siffredi! Der kann vielleicht nicht sein Land, aber sehr wohl sein Ding gekonnt aus der Sch%$§*e ziehen!
Löber 10.11.2011
2. Nackter Boss aus Italien: "Gute Politiker sind so rar wie weiße Fliegen" Auf Thema an
Zitat von sysopEnrico Frare protestierte gegen*Berlusconi, indem er nackt in einer Anzeige posierte. Damit sorgte er in seiner*Heimat für großes Aufsehen. Im Interview spricht der italienische Unternehmer jetzt über seine Erwartung an einen neuen Premier - und darüber, was sich in dem Land ändern muss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,796806,00.html
Was regen wir uns über Italien auf! Das gleiche gilt auch für Deutschland! Gute Politiker sind so so rar wie weiße Fliegen, wir haben auch nur Stümper! Alles nur ungeeignete Machtidioten!
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