Ausgleich für gestiegene Kosten Tickets im Nahverkehr werden in vielen Städten teurer

Bahnfahren wird im neuen Jahr billiger - aber nur im Fernverkehr. Doch die tägliche Fahrt mit Bus und Bahn zur Arbeit und zum Einkaufen wird teurer. Eine Stadt in Bayern allerdings macht es ganz anders.
U-Bahn in Berlin: Zusätzliches Geld für Investitionen benötigt

U-Bahn in Berlin: Zusätzliches Geld für Investitionen benötigt

Foto: Stefan Jaitner/ dpa

Mit Beginn des neuen Jahres müssen Fahrgäste vonStadtbussen, Straßenbahnen und U-Bahnen für Tickets vielerorts mehr zahlen. Von den großen Verkehrsverbünden erhöhen zum Jahreswechsel die meisten die Preise. Nach einer Auswertung durch die Deutsche Presse-Agentur betrifft das etwa Kunden im Ruhrgebiet, im Rheinland, in Berlin und Brandenburg, in den Großräumen Hamburg und Bremen sowie im Rhein-Main-Gebiet. Hinzu kommen alle, die in Regionalzügen außerhalb von Verkehrsverbünden unterwegs sind.

Zwischen 1,3 und 3,3 Prozent mehr verlangen die Verkehrsunternehmen von ihren Kunden. Damit sollen etwa höhere Gehälter der Mitarbeiter und gestiegene Kraftstoffpreise ausgeglichen werden.

Viele Kunden in Süddeutschland dagegen kommen ungeschoren davon. Im Großraum München brachte eine Tarifreform Mitte Dezember im Schnitt sieben Prozent niedrigere Preise. In und um Stuttgart machten einfachere Tarifzonen viele Verbindungen günstiger. Im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg bleiben die Preise gleich.

Mehr Menschen sollen Bus und Bahn fahren statt Auto und so klimaschädliches Kohlendioxid vermeiden. Das ist eines der Ziele des Klimaprogramms, das Bundestag und Bundesrat kurz vor Weihnachten beschlossen haben. Der Bund steckt dazu auch zusätzliches Geld in den Nahverkehr.

Da waren die Fahrpreiserhöhungen aber schon beschlossen. Höhere Gehälter, Diesel- und Strompreise sowie Materialkosten machten dies unumgänglich, argumentierte etwa der Verkehrsverbund Rhein-Sieg.

  • Zwischen Aachen, Bonn und Remscheid steigen die Preise um 2,5 Prozent.
  • Im Nachbarverbund Rhein-Ruhr sind es im Schnitt 1,8 Prozent,
  • im Rhein-Main-Verkehrsverbund und damit für die meisten Bewohner Hessens gehen die Preise um 1,5 Prozent nach oben,
  • im Hamburger Verkehrsverbund um 1,3 Prozent.
  • Gleich 3,3 Prozent teurer wird es dagegen in Berlin und Brandenburg. Die Verkehrswende sei nur mit dem öffentlichen Nahverkehr zu stemmen, hieß es. In der Region hatte es zwei Nullrunden gegeben. Nun sei zusätzliches Geld nötig für neue Busse, U-Bahn- und Straßenbahnzüge, für Wartung, Personal und Investitionen in umweltfreundliche Antriebe.

Fahrgastzahlen stagnieren

"Die Klimaschutzziele im Verkehrssektor sind nur über einen starken öffentlichen Personenverkehr zu erreichen", sagte Ingo Wortmann, der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). "Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und den Verkehrsunternehmen." Massive Investitionen seien nötig, um die Netze von Grund auf zu erneuern und auszubauen. Die jährlichen Einnahmen von 13 Milliarden Euro aus dem Fahrscheinverkauf seien dafür entscheidend. Drei Viertel davon deckten die Betriebskosten. Der Rest für Betrieb und Investitionen komme aus den öffentlichen Haushalten.

Gleichzeitig melden die Nahverkehrsbetriebe ausgerechnet jetzt, wo sie bei den Anstrengungen für den Klimaschutz eine immer größere Rolle spielen sollen, stagnierende Fahrgastzahlen. Mit Bussen und Bahnen fuhren in diesem Jahr nur noch wenig mehr Menschen als im Vorjahr. Hochgerechnet werden die Deutschen 2019 etwa 10,41 Milliarden Fahrten in Bussen und Bahnen gemacht haben, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mit. Das entspräche einem Anstieg von 0,3 Prozent.

Eigentlich hatten sich die Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) vergangenes Jahr für 2030 zum Ziel gesetzt, 30 Prozent mehr Kunden zu befördern. Doch überfüllte Bahnen und Busse dürften ein Grund dafür sein, dass der Nachverkehr relativ wenige zusätzliche Passagiere gewinnt.

Mehrwertsteuersenkung - ICE werden zehn Prozent günstiger

In den ICE und Intercitys der Deutschen Bahn fallen zum Jahreswechsel die Preise erstmals seit 17 Jahren. Für Kunden wird es zehn Prozent günstiger. Möglich macht das die Mehrwertsteuersenkung für Fernzugfahrkarten, die im Rahmen des Klimapakets der Bundesregierung beschlossen wurde.

Die Bahn rechnet aufgrund der Absenkung der Mehrwertsteuer mit einem jährlichen Plus von fünf Millionen Fahrgästen. Der reduzierte Steuersatz von sieben Prozent gilt für Fahrkarten ab 50 Kilometer Entfernung, die ab Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung gebucht werden.

Wer allerdings mit der Deutschen Bahn oder einem ihrer Konkurrenten im Regionalverkehr unterwegs ist, zahlt im neuen Jahr unter Umständen mehr. Fahrten außerhalb von Verkehrsverbünden werden nach Angaben des Tarifverbands der Bundeseigenen und Nichtbundeseigenen Eisenbahnen in Deutschland 1,7 Prozent teurer. Das betrifft immerhin jeden fünften Kunden.

Im Zentrum von Augsburg werden Busse und Tram kostenlos

Einen bewusst anderen Weg als viele Kommunen in Deutschland geht Augsburg: Im Zentrum der Fuggerstadt ist Bus- und Tramfahren ab dem Jahreswechsel kostenlos. Das Angebot soll insbesondere die Luftqualität in der Innenstadt der 300.000-Einwohner-Kommune verbessern. "Durch die City-Zone wollen wir den Parksuchverkehr verringern und die Innenstadt für Besucher attraktiver machen und den Einzelhandel stärken", erklärte die zweite Bürgermeisterin Eva Weber (CSU). Die City-Zone, in der kein Ticket gelöst werden muss, umfasst das Gebiet von neun Haltestellen.

Die oberbayerische Kreisstadt Pfaffenhofen an der Ilm hatte bereits im Dezember 2018 kostenloses Busfahren eingeführt. Um zu ermitteln, wie das Angebot angenommen wird, wurde nach etwa zwei Monaten eine Zählung der Fahrgäste durchgeführt. Ergebnis war, dass in einem Zwei-Wochen-Zeitraum genau 22.650 Menschen mit den Stadtbussen unterwegs waren. Gegenüber früheren Erhebungen hatte sich die Zahl der Nutzer damit mehr als verdoppelt.

In Augsburg soll es zudem eine sogenannte Mobilitätsflatrate geben. Sie besteht aus einem kostenpflichtigen Abo, mit dem in der Stadt unbegrenzt Bus und Tram gefahren werden kann. Zudem können Nutzer Leihfahrräder und Carsharing-Autos der Stadtwerke Augsburg (SWA) nutzen.

oka/dpa