"Streng geschützte Lebensräume" Naturschützer finden Riffe entlang des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels

Immer wieder gibt es Streit über den Tunnel, der Deutschland mit Dänemark verbinden soll. Nun hat der Umweltverband NABU schützenswerte Riffe entdeckt. Die Unterführung habe jetzt ein "großes Problem".
Visualisierung des geplanten Tunnels (Archiv)

Visualisierung des geplanten Tunnels (Archiv)

Foto: Femern A/S

Der Umweltverband NABU hat entlang der Trasse des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Dänemark und Deutschland Riffe entdeckt. "Das sind streng geschützte Lebensräume, die im Verfahren nicht berücksichtigt wurden", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Aufgrund der neuen Untersuchungen hat der NABU gegen den Planfeststellungsbeschluss Klage eingereicht. Was das für die Tunnelgenehmigung bedeute, werde im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht zu klären sein. "Fakt ist: Der Tunnel hat jetzt ein weiteres großes Problem", sagte Miller.

Neben aus seiner Sicht fehlenden Bedarf und überholten Verkehrsprognosen kritisiert der NABU seit Jahren die zu erwartenden Umweltschäden durch den geplanten Tunnel, der Puttgarden auf Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden soll.

Dazu zählen Gefahren für Deutschlands einzigen heimischen Wal, den Schweinswal, und auch Zerstörungen am Meeresboden durch den 60 Meter breiten, 20 Meter tiefen und 18 Kilometer langen Graben, der unter Wasser ausgehoben werden soll (Lesen Sie hier wie der Tunnel gebaut werden soll). "Wir haben es hier mit einem einzigartigen Lebensraum zu tun: Große Findlinge und ausgedehnte Geröllfelder sind dicht mit bunten Schwämmen, buschartig verzweigten Moostierchen und Tang bewachsen. Es gibt hier eine Dichte an Plattfischen, die in der Ostsee ihresgleichen sucht", so Kim Detloff, NABU-Leiter Meeresschutz.

Der Baubeginn für den Tunnel verzögert sich seit mehreren Jahren - vor allem wegen des aufwendigen Planungsverfahrens für die notwendige Hinterlandanbindung in Schleswig-Holstein. Die Kosten allein dafür werden auf vier Milliarden Euro geschätzt. Ursprünglich sollte der Tunnel 2021 fertig sein. Zuletzt galt 2028 als frühester Termin der Fertigstellung.

Mehrere Reedereien sehen in staatlichen Hilfen für den geplanten Fehmarnbelt-Tunnel eine Wettbewerbsverzerrung. Vor dem EU-Gericht bekamen sie zuletzt teilweise recht.

Video zum Jahrhundertprojekt: Tunnel zwischen Dänemark und Deutschland

SPIEGEL ONLINE
hej
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