Schulden machen mit Gewinn Bund verkauft erstmals 30-jährige Anleihen mit Negativzins

Anleger investieren in deutsche Staatsanleihen, selbst dann, wenn sie draufzahlen müssen: Erstmals ist es dem Bund gelungen, mit der Versteigerung einer 30-jährigen Anleihe Geld zu verdienen.
Die Bundesbank hat Anleihen mit negativer Rendite verkauft

Die Bundesbank hat Anleihen mit negativer Rendite verkauft

Foto: Arne Dedert/ dpa

Bei der Versteigerung neuer 30-jähriger Anleihen hat der Bund Papiere erstmals mit einer Rendite unter null Prozent verkauft. Der Bundesbank zufolge erbrachte die Auktion eine durchschnittliche Rendite von minus 0,11 Prozent. Investoren müssen also dafür bezahlen, wenn sie dem Bund für 30 Jahre Geld leihen.

Allerdings wurde der Bund bei der Auktion bei Weitem nicht alle Papiere los. Geplant war ein Wertpapierverkauf in Höhe von zwei Milliarden Euro, verkauft wurden aber nur Papiere im Wert von 824 Millionen Euro. Die restlichen Papiere im Wert von gut 1,17 Milliarden Euro wurden zurückbehalten. Üblicherweise werden sie zu einem späteren Zeitpunkt am freien Markt verkauft.

Bereits Anfang des Monats war die Rendite für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren erstmals unter null Prozent gefallen. Seither sind sämtliche Schuldtitel des Bundes für Investoren ein Verlustgeschäft. Am Anleihemarkt, wo bereits emittierte Wertpapiere gehandelt werden, sind die Effektivzinsen für deutsche Anleihen über alle Laufzeiten hinweg negativ.

Ökonomen fordern Lockerung der Schuldenbremse

Die jüngst wieder aufgeflammte Furcht vor einer weltweiten Rezession treibt Anleger vermehrt in die als sicher geltenden Bundesanleihen. Die hohe Sicherheitsnachfrage erklärt sich auch mit hohen politischen Risiken wie dem Handelskrieg zwischen den USA und China. Hinzu kommen Spekulationen auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Wiederaufnahme von deren Bondkäufen.

Viele Ökonomen fordern die Bundesregierung angesichts der extrem günstigen Finanzierungskonditionen dazu auf, die Schuldenbremse zu lockern und Kredite aufzunehmen.

"Der Staat verdient sogar Geld, wenn er Schulden macht", sagte etwa der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Michael Hüther. "Wenn er das jetzt nicht zugunsten von Investitionen tut, lässt er Geld auf der Straße liegen."

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, tritt dafür ein, zusätzliche Schulden für Investitionen zu nutzen. "Deutschland hat einen riesigen Investitionsbedarf - bei der Infrastruktur, bei der Bildung und bei Innovation", sagte er kürzlich. "Die gegenwärtige Politik geht zulasten künftiger Generationen, da der deutsche Staat von seiner Substanz lebt."

brt/dpa-AFX/Reuters
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