Nervöse Börse Frankreichs Banken geraten in den Krisensog

Die Erholung an den Aktienmärkten währte nur kurz: In ganz Europa schlagen die Börsen am Mittag Kapriolen. Grund sind neue Sorgen um Frankreichs marode Banken - zwei der größten Institute verloren zwischenzeitlich rund zehn Prozent an Wert.
Pariser Geschäftsviertel La Défense: Schuldenkrise erschüttert Frankreichs Finanzkonzerne

Pariser Geschäftsviertel La Défense: Schuldenkrise erschüttert Frankreichs Finanzkonzerne

Foto: ? Benoit Tessier / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - An den Aktienmärkten herrscht weiter große Unsicherheit über den Ausgang der europäischen Schuldenkrise. Nach einer freundlichen Eröffnung drehte der Dax   am Dienstag zunächst ins Minus, inzwischen schwankt der Leitindex unstet auf und ab. Der EuroStoxx 50  , der die 50 wichtigsten europäischen Unternehmenswerte abbildet, rutschte um bis zu drei Prozent ab und liegt am Mittag rund zwei Prozent im Minus. "Die Nervosität ist riesengroß, und der Handel sehr volatil", sagte ein Händler.

Ausgelöst wurden die Kursturbulenzen durch neue Hiobsbotschaften aus der französischen Bankenbranche. Allein die Aktien der Société Générale   fielen innerhalb von Minuten um bis zu acht Prozent auf den tiefsten Stand seit 19 Jahren. Papiere der BNP Paribas   rutschten in der Spitze um fast zwölf Prozent ab. Inzwischen erholten sich die Kurse wieder. Auch deutsche Bankaktien erlitten Verluste. Die Aktie der Commerzbank   fiel erstmals unter die Marke von 1,50 Euro. Zeitweise kosteten die Papiere der zweitgrößten deutschen Bank nur noch 1,47 Euro, danach erholte sich der Kurs aber etwas.

"Der Grund für den Kursrückgang ist ein Artikel im 'Wall Street Journal', demzufolge die BNP Paribas Probleme hat, an Dollar zu kommen", sagte ein Händler. "Das ist zwar nicht neu, derzeit ist der Markt aber so nervös, da reicht jede Meldung, um die Anleger durchdrehen zu lassen." BNP Paribas selbst dementiert die Gerüchte.

Französische Finanzwerte hatten schon am Montag deutliche Einbußen hinnehmen müssen, weil sie immer stärker in den Strudel der Euro-Schuldenkrise geraten. Zu schaffen macht den Instituten vor allem ihr großes Engagement in griechischen und italienischen Anleihen. Die französischen Banken hielten laut eigenen Angaben im Juni über 35 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen, die BNP Paribas davon allein 21 Milliarden Euro.

Kauft China doch keine neuen italienischen Staatsanleihen im großen Stil?

Die Aktie der Société Générale ist seit Anfang Juli um rund 60 Prozent abgesackt. Inzwischen gibt es sogar eine Debatte darüber, ob manche Institute teilverstaatlicht werden müssen. Frankreichs Regierung bezeichnete diese Maßnahme als verfrüht.

Anlass für den erneuten Absturz waren auch Gerüchte, wonach China keine italienischen Staatsanleihen kaufen wolle. Zuvor hatte die britische "Financial Times" berichtet, Italien habe die Volksrepublik um den Ankauf von Staatsanleihen im großen Stil gebeten. Es habe zwei Treffen zwischen italienischen Regierungsvertretern und Abgesandten des staatlichen chinesischen Fonds China Investment Corp. (CIC) gegeben, der einen Großteil von Chinas rund 3,2 Billionen Dollar schweren Devisenreserven verwaltet. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti bestätigte ein Treffen mit dem CIC, äußerte sich aber nicht zu dessen Inhalt.

China hatte schon im April signalisiert, verstärkt Schulden der unter Druck geratenen Euro-Länder aufkaufen zu wollen - unter anderem von Portugal und Griechenland. Griechische und portugiesische Analysten sagen jedoch, dass die Hilfe aus China sich entgegen aller Beteuerungen bislang in Grenzen halte. Wie viele italienische Staatsanleihen China aufgekauft hat, ist nicht bekannt - ein italienischer Regierungsbeamter sagte der "FT", die Summe betrage gut vier Prozent der italienischen Schulden. Das wären rund 80 Milliarden Euro.

Griechenland will 20.000 Staatsbedienstete entlassen

Das hochverschuldete Euro-Zonen-Land konnte sich am Dienstag nur zu Rekordzinsen refinanzieren. Bei der Versteigerung von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren stieg die Rendite im Vergleich zu einer Auktion im Juli von 4,93 Prozent auf 5,6 Prozent - die höchsten Zinsen seit Einführung des Euro. Der Euro gab nach der Emission nach.

Italien erwägt nun weitere Sparmaßnahmen, um die Märkte zu beruhigen. Dazu sollen in den nächsten Tagen Gespräche aufgenommen werden, sagte Finanzstaatssekretär Alberto Giorgetti am Dienstag in Rom. Gegenstand der Beratungen sei dann auch, was die Regierung tun könne, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das von der Regierung bereits beschlossene und vom Senat verabschiedete Sparpaket soll im Lauf der Woche auch im Abgeordnetenhaus verabschiedet werden. Das 54 Milliarden Euro schwere Paket sieht einen ausgeglichenen Haushalt bis 2013 vor.

Griechenland versucht inzwischen, die Märkte mit massiven Sparmaßnahmen zu beruhigen. Laut dem Finanzministerium werden Bedienstete in 151 staatlichen Unternehmen entlassen, darunter Angestellte des staatlichen Fernsehens (ERT), der halbamtlichen griechischen Nachrichtenagentur (AMNA), der U-Bahn von Athen und der staatlichen Eisenbahnen (OSE). Nach Medienberichten summiert sich die Zahl der Betroffenen auf mindestens 20.000.

Das Programm ist eine der Maßnahmen, die die Experten der Europäischen Union (EU), des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Verschlankung des Staates fordern. Die sogenannte Troika ist der eigentliche Lenker der griechischen Finanzen. Vertreter der Troika wollen in den kommenden Tagen die Bücher in Athen prüfen. Von ihnen hängt ab, ob Griechenland die nächste Tranche der Finanzhilfe in Höhe von acht Milliarden Euro bekommt. Kommt das Geld nicht, könnte Griechenland bis Mitte Oktober pleite sein.

ssu/dpa/Reuters