Nervöse Märkte Schulden-Angst drückt Euro auf 1,30 Dollar

Der Euro stürzt ab: Binnen einer Woche hat er rund acht Cent an Wert verloren. Grund ist die sich zuspitzende Schuldenkrise - die Risikoaufschläge für Staatanleihen aus Italien und Spanien sind auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung geklettert.

Spaniens Premier Zapatero: Steigende Gefahr für das Land
AP

Spaniens Premier Zapatero: Steigende Gefahr für das Land


Hamburg - Die europäische Schuldenkrise belastet den Euro immer stärker: Am Dienstag ist die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,30 Dollar gefallen - erstmals seit Mitte September. Am Abend tendiert der Euro wieder leicht über der psychologisch wichtigen Marke.

Immer schneller verliert der Euro an Wert: Seit der Rettung Irlands vor gut einer Woche hat die Gemeinschaftswährung, die in Europa rund 330 Millionen Menschen verwenden, rund acht Cent an Wert verloren.

Hauptgrund für die Nervosität der Anleger ist die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone. Tatsächlich sind weder alle Details zur Irland-Rettung geklärt, noch lässt sich einschätzen, ob die Problemländern Portugal, Spanien und Italien ihre ausufernden Staatsschulden aus eigener Kraft eindämmen können. "Offensichtlich wartet der Markt auf mehr Details zur Rettung der Peripherieländer", sagte Commerzbank-Analystin You-Na Park.

Die Einigung der EU-Finanzminister auf einen permanenten Rettungsmechanismus konnte die Nervosität nicht eindämmen. Experten halten den Mechanismus für überfällig - doch die aktuelle Krise kann er nicht lösen, denn er wird erst in einigen Jahren die geordnete Umschuldung eines Krisenstaats ermöglichen.

"Die Anleger haben Angst, dass die Lage in Spanien eskalieren könnte"

Nervosität beherrschte am Dienstag den europäischen Anleihemarkt. Die Risikoaufschläge für Staatstitel aus Italien und Spanien kletterten auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung.

Vor allem der rasante Anstieg der Renditen der spanischen Staatsanleihen beunruhigte die Anleger, da das Land ein größeres wirtschaftliches Gewicht als Griechenland, Irland und Portugal zusammen hat. "Die Anleger haben Angst, dass die Lage in Spanien eskalieren könnte", sagte ein Händler.

Die Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet. Die Regierung in Madrid gibt inzwischen offen zu, dass sich die Schuldenprobleme Spaniens verschlimmern. Sollten die Zinsen länger auf so hohem Niveau bleiben, werde das besorgniserregend, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jose Manuel Campa.

Auch Portugals Zentralbank warnte vor enormen Gefahren für den nationalen Finanzsektor. Sollte das jüngst verabschiedete Sparprogramm nicht greifen, werde das Risiko für die Banken untragbar, teilte die Notenbank an diesem Dienstag in ihrem Finanzstabilitätsbericht mit.

EZB-Präsident Trichet glaubt an Euro

Experten gehen davon aus, dass Portugal nach Irland als nächstes Land einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm stellen muss. Zuletzt hatte sich der einstige US-Regierungsberater Nouriel Roubini sehr pessimistisch geäußert. Er rechnet mit einem baldigen Hilfsgesuch des Staats. "Ob es einem gefällt oder nicht, Portugal erreicht den kritischen Punkt. Es wäre vielleicht eine gute Idee, Hilfen als präventive Maßnahme zu beantragen", hatte der Ökonom der portugiesischen Tageszeitung "Diario Economico" am Montag gesagt.

Die Anleger flüchteten nicht nur aus den Staatsanleihen Spaniens und Italiens - sie ergriffen auch die Flucht aus vielen Bankenwerten. In Mailand verloren Intesea SanPaolo 1,8 Prozent, in Madrid BBVA 2,1 Prozent. Die Banken gelten als Achillesferse Spaniens in der Schuldenkrise.

Trotz neuer Hiobsbotschaften sieht EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Existenz der Gemeinschaftswährung nicht bedroht. "Manche Kritiker neigen offenbar dazu, die Entschlossenheit der Regierungen zu unterschätzen", sagte er am Dienstag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Dies gelte auch für die Beurteilung der Tatkraft der Eurogruppe und des Rats der Europäischen Union. "Nach meinen Erkenntnissen kann man die Stabilität der Euro-Zone nicht ernsthaft in Frage stellen", betonte Trichet.

ssu/Reuters

insgesamt 36 Beiträge
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shokaku 30.11.2010
1.
Nicht nur gegenüber dem Dollar geht es auf Talfahrt, auch gegenüber anderen Währungen. Dazu ist Gold auf ATH gegenüber dem Euro. Diagnose: Der Euro hat Schweinegrippe.
Benjowi 30.11.2010
2. Casino irrational!
Seitdem die "Finanzmärkte" im Grunde zum Casino verkommen sind, ist es am Ende nicht mehr als legitim, wenn die Regierungen jetzt eine Art "Zweitmarkt" aufmachen, um in irgendeiner Form die Staatsschulden mit der Realwirtschaft halbwegs in Einklang zu bringen. Nichts anderes ist im Grunde der "Rettungsschirm". Nachdem nur noch wenige Prozent des internationalen Geldumlaufs etwas mit der Realwirtschaft zu tun haben, ist das ganze im Grunde kein "Markt" mehr, sondern ähnelt mehr dem Drogenhandel, bei dem es darum geht, irrationale Renditen ohne Rücksicht auf Verluste und abgehoben von der realen Welt zu machen. Keine Realwirtschaft der Welt ist aber in der Lage, für die wirklichen oder eingebildeten Verluste eines "Marktes" einzustehen, der zu mindestens 90% aus irrationalen Luftnummern besteht. Eigentlich dürfte es für dieses angelsächsische System der Wertevernichtung keine Umtauschpflicht in die Realwirtschaft mehr geben, denn es ist im Grunde für Staaten unmöglich, gegen realwertfreie Geldschöpfung im astronomischen Ausmaß-wie sie z.B. durch Hedgefonds und ähnliche Betrugskonstruktionen getrieben wird- anzuspekulieren
Luna125 30.11.2010
3. GÄhn
Zitat von sysopDer Euro stürzt ab: Binnen einer Woche hat er rund acht Cent an Wert verloren. Grund ist die sich zuspitzende Schuldenkrise - die Risikoaufschläge für Staatanleihen aus Italien und Spanien sind auf den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung*geklettert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,732112,00.html
Hatten wir doch erst vor kurzem. Der Teuro erholt sich wieder
quinta007 30.11.2010
4. Ja was denn nun?
Vor genau einer Woche titelte Spiegel Online noch: "Robuster Euro: Europas Superstar trotzt dem Krisendomino"...
Feinbeinekneg, 30.11.2010
5. big show
Ich denke das hier nur eine show abgezogen wird. Die Regierungen, allen voran Deutschland, haben ein starkes Interesse an einem schwachen Euro. Die Amis werten ihren Dollar ja auch ab. Für wirklich gefährlich halte ich die ganze Sache nicht
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