Nervosität im Krisenstaat Griechenland spekuliert über Pleite-Option

Griechenlands desaströse Lage sorgt für Nervosität bei den Verantwortlichen: Nun soll der Finanzminister des hochverschuldeten Landes eine Pleite als mögliches Szenario bezeichnet haben. Die Regierung dementiert, doch die Option wird selbst unter Notenbankern nicht mehr ausgeschlossen.

Parlament in Athen: Drei Szenarien sind denkbar
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Parlament in Athen: Drei Szenarien sind denkbar


Athen - Hat er es gesagt oder nicht? Angebliche Äußerungen des Finanzministers sorgen in Griechenland für Aufregung. Mehrere Zeitungen berichten, Evangelos Venizelos habe vor Abgeordneten eine Pleite Griechenlands als eines von drei möglichen Szenarien bezeichnet. Diese Möglichkeit sei aber sehr gefährlich.

Experten diskutieren bereits seit Wochen über die denkbaren Szenarien. Aber natürlich hat es ein anderes Gewicht, wenn der Finanzminister persönlich eine Insolvenz für denkbar hält. Das Ministerium beeilte sich deshalb prompt, die Zeitungsberichte zurückzuweisen. Griechenland konzentriere sich darauf, die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli umzusetzen. Alle anderen Gerüchte, Gespräche und Szenarien seien nicht hilfreich, hieß es.

Folgende drei Szenarien nannte Venizelos laut den Zeitungen "Ethnos" und "Ta Nea":

  • Die Beschlüsse der Euro-Retter werden wie geplant umgesetzt. Griechenland bekommt neben den aktuellen Hilfen auch das zweite vereinbarte Rettungspaket in Höhe von 109 Milliarden Euro.
  • Das Land geht in eine geordnete Insolvenz mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent für die Gläubiger. Dies würde die Zustimmung und die Zusammenarbeit vieler voraussetzen, soll Venizelos gesagt haben.
  • Es gelingt Griechenland nicht, sich in den kommenden Tagen mit Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds zu einigen. Das Land stürzt in eine ungeordnete Insolvenz.

Der stellvertretende Regierungssprecher Angelos Tolkas bemühte sich am Freitag, die Berichte zu relativieren. Er sagte, Griechenland werde die erforderlichen Reformen umsetzen, um die Hilfen der Euro-Partner zu bekommen. Die große Herausforderung sei es, "jede Art von Insolvenz oder Zusammenbruch zu vermeiden".

"Die Pleite ist ein Szenario"

Doch das Pleiteszenario wird auch von anderen Verantwortlichen inzwischen nicht mehr für ausgeschlossen gehalten- Eine solche Zahlungsunfähigkeit sei "eines der Szenarien", sagte der Präsident der niederländischen Zentralbank Klaas Knot der Zeitung "Het Financieel Dagblad". Knot ist zugleich Mitglied des Gouverneursrats der Europäischen Zentralbank (EZB).

"Ich war lange davon überzeugt, dass ein Konkurs nicht erforderlich ist", sagte Knot der Zeitung. "Die Nachrichten aus Athen sind jedoch zuweilen nicht ermutigend. Alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, dies zu vermeiden, aber ich bin nun weniger entschieden beim Ausschließen eines Konkurses, als ich das noch vor ein paar Monaten war."

Die Schuldenkrise stellt auch die Banken des Landes vor massive Probleme. Die Rating-Agentur Moody's hat nun die Kreditwürdigkeit von acht griechischen Instituten herabgestuft. Als Begründung nannten die Experten die schwache Wirtschaft Griechenlands und sinkende Einlagen bei den Instituten. Der griechische Branchenindex sackte um 5,5 Prozent ab. Größter Verlierer waren die Titel der Bank of Piraeus, die um über zehn Prozent nachgaben. Die Papiere der Alpha Bank verloren 6,7 Prozent.

Eine Verstaatlichung der Institute hält die EU-Taskforce, die dem Land bei dem Kampf gegen die Krise hilft, jedoch nicht für notwendig. Die Institute hätten bis zum Ausbruch der Schuldenkrise grundsolide gewirtschaftet, sagte Taskforce-Chef Horst Reichenbach dem "Handelsblatt". "Daher sehe ich keinen Grund für eine Verstaatlichung."

Abstimmung über Sparplan vertagt

Die griechische Regierung ringt indes weiter um Zustimmung für ihren Sparplan: Finanzminister Venizelos und der griechische Regierungschef Georgios Papandreou versuchen, die Abgeordneten der sozialistischen Regierungspartei von der Notwendigkeit harter Sparmaßnahmen zu überzeugen. Ziel ist es, 2012 erstmals keine neuen Defizite zu produzieren.

Das neue Sparprogramm sieht unter anderem Entlassungen im staatlichen Bereich, Kürzungen von Löhnen und Renten sowie eine neue Immobiliensteuer vor.

In der regierenden Partei gibt es gewaltigen Widerstand gegen die neuen Sparmaßnahmen. Eine Abstimmung zur neuen Sonder-Immobiliensteuer musste wegen angeblicher Krankheit mehrerer Abgeordneter der Regierungspartei auf nächste Woche vertagt werden.

cte/Reuters/dpa



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demophon 23.09.2011
1. Elfenbeinturm
---Zitat--- Ich war lange davon überzeugt, dass ein Konkurs nicht erforderlich ist. Die Nachrichten aus Athen sind jedoch zuweilen nicht ermutigend. Alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, dies zu vermeiden, aber ich bin nun weniger entschieden beim Ausschließen eines Konkurses, als ich das noch vor ein paar Monaten war. ---Zitatende--- So Klaas Knot von der EZB. Sein Problem und das der meisten nordeuropäischen Politiker ist, dass sie die Mentalität der Griechen nicht verstehen. Sie waren i. d. R. bestenfalls mal ein oder zwei Wochen in einem Hotel an einem griechischen Strand und haben nie in einem südeuropäischen oder außereuropischen Land gelebt. Sie sollten doch mal auf die Meinung des zweitgrößten griechischen Reeders hören, der diese Woche im Stern erklärt, "alle wissen, dass wir von Dieben regiert werden". Und so ist es in vielen außereropäischen Ländern, aber auch einigen auf dem Balkan. Deshalb war es von Anfang an ein Fehler, Griechenland in die Eurozone aufzunehmen. Nun ist die einzig wirksame Lösung, den Euro zu retten, diesen Schritt wieder rückgängig zu machen. Das ist alternativlos.
savanne 23.09.2011
2. Nix neues
Zitat von sysopGriechenlands*desaströse Lage*sorgt für Nervosität bei den Verantwortlichen: Nun soll der Finanzminister des hochverschuldeten Landes eine Pleite als mögliches Szenario bezeichnet haben. Die Regierung dementiert, doch die Option wird selbst unter Notenbankern nicht mehr ausgeschlossen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788027,00.html
Und was soll uns das jetzt sagen - hatte der Schreiber sonst nichts zu tun? Muß über jede verbale Flatulenz eines der Beteiligten sofort das Schlüssellochpublikum informiert werden? Und wieso spekuliert Griechenland? Spekulieren ist die derzeitige Lieblingsbeschäftigung der Politkaste u. der Finanzelite!
wifgas 23.09.2011
3. Nix wirklich Neues in diesem Artikel.
Zitat von sysopGriechenlands*desaströse Lage*sorgt für Nervosität bei den Verantwortlichen: Nun soll der Finanzminister des hochverschuldeten Landes eine Pleite als mögliches Szenario bezeichnet haben. Die Regierung dementiert, doch die Option wird selbst unter Notenbankern nicht mehr ausgeschlossen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,788027,00.html
Es ist ja schon seit ca. 100 Foren diskutiert worden. Die Pleite ist ein offenes Geheimnis, und daran kann keine noch so verbogene Mathematik etwas ändern. Ganz zu schweigen davon, dass ja die Griechen selber völlig uneins sind, und die behandlungsresistenten Krawallmacher in den Straßen geben im Prinzip die Abläufe vor: Wir sind pleite, aber wir wollen von Euch gerettet werden, es darf nicht weh tun, ihr seid es uns schuldig, wir sind Opfer... Wer in diese Erbärmlichkeit noch Geld reinschießt, der ist entweder dumm oder ein Verräter an den berechtigten Interessen der Bürger der Zahlerstaaten. Die letzten Argumente für eine "Rettung nach dem Wunschdenken der Bankster" sind inzwischen doch total ausgelutscht, und die Argumente "Wenn das schiefgeht, haben wir die ganz ganz große Katastrophe" sind alles andere als unumstößlich. Warum läßt man die Pleite nicht endlich offiziell werden? Aber offenbar gönnt man uns keine Entspannung. Die Banken und ihr System sind anscheinend einfach ZU wichtig/systemrelevant. Dieses Dogma, so dümmlich es einem vorkommen mag, scheint ein Dauerbrenner zu sein. Und um etwas anderes scheint es ja in diesem Trauerspiel gar nicht zu gehen. Dann noch viel Spaß mit dem Wiederkäuen des längst Wiedergekäuten...
ichsehe 23.09.2011
4. Meiner Meinung nach...
Meiner Meinung nach nehmen die Griechen noch soviel Geld mit wie es geht und dann ab in den Schuldenschnitt. Deutschland bleibt via Käufe durch die EZB auf einem gigantischen Berg Schulden sitzen... Das ist das System der Griechen. Mich würde es nicht wundern wenn man in Athen bereits den Druck neuer Drachmen vorbereitet. So nach einem Schuldenschnitt hätte man dann auch noch einen kleineren Betrag den man via abgewerteter Währung zurückzahlen müsste. In Griechenland sitzen doch keine naiven Schüler. Die wissen schon was sie tun und dass die AAA- Länder noch viel GEld reinstecken werden. Ich hoffe, dass die jetzige Politikergeneration nicht mehr die Aufstände in D miterleben müssen, wenn man den Rentnern hierzulande nur noch eine kleine Basisrente auszahlen kann.
wind_stopper 23.09.2011
5. ...
Zitat von demophonSo Klaas Knot von der EZB. Sein Problem und das der meisten nordeuropäischen Politiker ist, dass sie die Mentalität der Griechen nicht verstehen. Sie waren i. d. R. bestenfalls mal ein oder zwei Wochen in einem Hotel an einem griechischen Strand und haben nie in einem südeuropäischen oder außereuropischen Land gelebt. Sie sollten doch mal auf die Meinung des zweitgrößten griechischen Reeders hören, der diese Woche im Stern erklärt, "alle wissen, dass wir von Dieben regiert werden". Und so ist es in vielen außereropäischen Ländern, aber auch einigen auf dem Balkan. Deshalb war es von Anfang an ein Fehler, Griechenland in die Eurozone aufzunehmen. Nun ist die einzig wirksame Lösung, den Euro zu retten, diesen Schritt wieder rückgängig zu machen. Das ist alternativlos.
Dazu wird es am Ende ohnehin kommen. Leider kommt dieser Schritt dann viel zu spaet. Monate langes rum lamentieren, schmerzhaft unfähige Politik und sinnloses verpulvern von EU Geldern, haben die Wirtschaft und die Boerse bereits so weit geschadet, dass wir nur noch eine Haaresbreite von einer Rezession entfernt sind. Die unfaehigen Ganoven in EU und Bundespolitik werden der Wirtschaft noch den letzten Kick geben, bevor man dann endlich einsieht, dass Griechenland in seiner derzeitigen Struktur nicht zu retten ist - egal wie viele Mrd man ihnen gibt. Das Problem Griechenlands ist kein finanzielles, sondern politisches Problem.
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