Umstrittene Dumping-Verträge Netto zahlt 7,5 Millionen Euro - und kommt straffrei davon

Der Discounter Netto muss für Lohndumping büßen. Das Unternehmen zahlt wegen umstrittener Werkverträge 7,5 Millionen Euro an den Staat. Im Gegenzug stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Netto-Logo auf einem Trikot: Umstrittene Werkverträge
DPA

Netto-Logo auf einem Trikot: Umstrittene Werkverträge


Regensburg - Die Firma Netto Marken-Discount kommt nach dem Auffliegen von Lohndumping mit einem blauen Auge davon. Das Unternehmen einigte sich mit der Staatsanwaltschaft Regensburg auf die Einstellung eines Verfahrens wegen umstrittener Werkverträge. Netto zahle insgesamt rund 7,5 Millionen Euro an Staat und Sozialversicherungen zurück, bestätigte die Staatsanwaltschaft einen Bericht des "Handelsblatts".

4,4 Millionen Euro hat Netto demnach bereits an die Staatskasse überwiesen. Diese Summe hat das Unternehmen nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft durch illegale Werkverträge im Vergleich zu den höheren Tariflöhnen gespart. Weitere 3,1 Millionen Euro sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft nachträglich an die Sozialversicherung geflossen. Das Unternehmen wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern.

Im Januar 2012 hatten mehr als 450 Zollbeamte Logistikzentren, Büros und Privatwohnungen von Verantwortlichen des Supermarktbetreibers sowie der Handelskette Kaufland durchsucht. Gegenstand der Ermittlungen war der Verdacht auf illegale Scheinwerkverträge in Logistikhallen der SB-Warenhauskette. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft entsprachen die tatsächlichen Beschäftigungsverhältnisse nicht dem Inhalt der von Netto geschlossenen Werkverträge.

Konkret ging es um Lagerarbeiter, die über Werkverträge in Netto-Warenverteilzentren zwischen 2007 und 2013 eingesetzt wurden. "Netto konnte auf die Arbeitnehmer der Subunternehmen den gleichen Einfluss ausüben wie auf ihre eigenen Beschäftigten", zitiert das "Handelsblatt" die Ermittler. Diese Praxis verstoße aber gegen die Vorgaben für Werkverträge.

Die Netto Marken-Discount AG und Co. KG mit Sitz im oberpfälzischen Maxhütte-Haidhof gehört zum Edeka-Verbund. Zuletzt hatte die Firma nach eigenen Angaben einen jährlichen Umsatz von 11,8 Milliarden Euro gemacht.

Netto betreibt 4150 Filialen und beschäftigt knapp 70.000 Mitarbeiter. Die Kette mit dem gelb-roten Logo wird manchmal mit der Netto Supermarkt GmbH verwechselt, die ein gelb-schwarzes Logo hat. Beide Unternehmen haben aber nichts miteinander zu tun.

mmq/dpa/AFP



insgesamt 33 Beiträge
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Kanzleramt 21.05.2014
1. Handschlag
7,5 Millionen und dafür straffrei? - Peanuts! ;-)
rodelaax 21.05.2014
2. Na super
"Netto zahle insgesamt rund 7,5 Millionen Euro an Staat und Sozialversicherungen zurück ..." Und was haben die Sklavenarbeiter davon?
fpwinter 21.05.2014
3. Sauerei!
Es sollte nicht um Rückzahlungen an den Staat gehen, sondern um die verarschten Mitarbeiter. Netto bietet z. B. gern "Ausbildungsplätze" an, bei denen man nach ein paar Wochen Einarbeitung genau die gleiche Arbeit wie die anderen MitarbeiterInnen im Markt macht, allerdings für einen Hunger-Ausbildungslohn. Die Märkte sind personell unterbesetzt, im Netto bei mir um die Ecke arbeitet ab 20 Uhr z. B. nur noch eine einzige (!) Person, das Personal ist komplett überfordert, oft total unfreundlich (kein Wunder), und man steht sich oft als Kunde die Beine in den Bauch, weil die nicht mal eine zweite Kasse öffnen, wenn 20 Leute in der Schlange stehen. Noch dazu kosten die meisten Grundnahrungsmittel in allen Supermärkten immer das gleiche, so als ob die sich abgesprochen hätten. Es werden auch die meisten Billigmarken vom gleichen Hersteller produziert, nur jeweils unter anderem Billigheimer-Verkaufsnamen. Deshalb kaufe ich schon lange nicht mehr bei Netto, denn es gibt eine Menge anderer Läden, in denen man als Kunde immer noch netter behandelt wird. Ich gehe z. B. in der Regel in einen Edeka-Markt, da hat das Personal tatsächlich Anweisung, unaufgefordert von selber zu klingeln nach einer weiteren Kasse, wenn mehr als fünf Leute in der Schlange stehen. (Bei den großen Rossmann-Märkten ist es ähnlich.) Da muß man es sich nicht antun, bei Läden wie Penny oder Netto oder Aldi zu kaufen, wo man das Gefühl hat, wie der letzte Dreck behandelt zu werden.
xzorgx 21.05.2014
4. Prima
Aber was haben jetzt die Arbeiter von der Zahlung ?
SchönebergerStadtmensch 21.05.2014
5. Schluchz,.. Jammerdi,... Heul,...
Was für eine Lachnummer... was bringt das denn den Arbeitern? Netto macht weiter wie bisher und dann in 5 Jahren gibts die nächste "Mahngebühr"?
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