Neue Bundesländer Lobbygruppe lobt dynamischen Osten

Der Osten holt angeblich nicht nur auf - er hat die alten Bundesländern zum Teil schon abgehängt: Wirtschaftliches Wachstum und Dynamik sind in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Co. höher als im Westen, zeigt eine Studie der Arbeitgeberlobby. Bei der Wirtschaftskraft soll es hingegen anders aussehen.

Sortieranlage in Landsberg bei Halle/Saale: Die Arbeitgeberlobby ist zufrieden
dpa

Sortieranlage in Landsberg bei Halle/Saale: Die Arbeitgeberlobby ist zufrieden


Köln/Berlin - Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben einer Studie zufolge überraschend stark bei Wirtschaftskraft und Standortqualität aufgeholt. 20 Jahre nach dem Mauerfall zeige sich, dass alle ostdeutschen Länder inklusive Berlin stark vom Aufschwung profitierten und sich von 2005 bis 2008 besonders dynamisch entwickelten. Das geht aus einem Ranking hervor, das die arbeitgeberfinanzierte "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) und die "Wirtschaftswoche" vorlegen.

Gemessen an Wirtschaftskraft und Wohlstand liegen jedoch aktuell Bayern und Baden-Württemberg vorne, gefolgt von Hamburg und Hessen. Schlusslicht der Liste ist Berlin. Die Hauptstadt hat die meisten "Hartz IV"-Empfänger, den geringsten Anteil an Erwerbstätigen in der Bevölkerung und die meisten Arbeitslosen unter 24 Jahre.

Besser abgeschnitten hat die deutsche Hauptstadt im sogenannten Dynamikranking. Da belegt Berlin Platz sechs im Bundesländervergleich. Die Rangliste spiegelt die wirtschaftliche Entwicklung in den Jahren 2005 bis 2008 wider.

Eine ähnlich positive Entwicklung haben auch die anderen Ostländer zu verzeichnen. "Das Dynamik-Ranking zeigt, dass alle ostdeutschen Bundesländer inklusive Berlins am meisten vom Aufschwung der vergangenen Jahre profitiert haben. Getrieben wurde der Aufschwung Ost in den neuen Ländern vor allem vom verarbeitenden Gewerbe und den damit verbundenen Dienstleistungen", sagte INSM-Geschäftsführer Max Höfer.

Bundesländer-Ranking der Arbeitgeber-Lobby

nach Dynamik nach Wirtschaftskraft
1. Sachsen-Anhalt 59,1 Bayern 64,9
2. Brandenburg 56,2 Baden-Württemberg 64,3
3. Mecklenburg-Vorpommern 55,3 Hamburg 62,5
4. Sachsen 55,0 Hessen 58,5
5. Thüringen 54,9 Rheinland-Pfalz 54,7
6. Berlin 52,3 Schleswig-Holstein 51,1
7. Bayern 50,5 Niedersachsen 50,1
8. Baden-Württemberg 50,2 Nordrhein-Westfalen 49,5
9. Bremen 49,6 Saarland 47,1
10. Niedersachsen 47,4 Bremen 46,5
11. Hessen 46,6 Thüringen 45,8
12. Rheinland-Pfalz 46,5 Sachsen 44,1
13. Schleswig-Holstein 45,9 Brandenburg 43,6
14. Hamburg 45,6 Mecklenburg-Vorpommern 40,1
15. Nordrhein-Westfalen 42,9 Sachsen-Anhalt 39,3
16. Saarland 41,7 Berlin 37,8

Quelle: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

In den neuen Bundesländern seien von 2005 bis 2008 knapp 250.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Der größte Sprung nach vorn sei Sachsen-Anhalt gelungen, wo die Arbeitslosenquote um 6,2 Prozentpunkte sank. Bundesweit fiel der Rückgang zwischen 2005 und 2008 mit 3,9 Punkten geringer aus.

"Bei aller Freude über die überraschend positive Entwicklung Ostdeutschlands ist allerdings zu betonen, dass der Osten bei Wohlstandsindikatoren wie dem verfügbaren Einkommen durchweg noch hinter Westdeutschland liegt", sagte Höfer. Sieht man auf das derzeitige Niveau bei Wirtschaftskraft und Wohlstand, bleiben die ostdeutschen Länder hinter den alten Bundesländern zurück.

Erstmals wurde auch ein "Krisenindex" ermittelt, der zeigt, wo die Wirtschaftskrise von Juni 2008 bis Juni 2009 wie stark durchschlug. Demnach sind bei Wirtschaftsleistung und Arbeitslosenquote Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg weniger betroffen. Dagegen erwischte die Krise Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen, NRW und das Saarland wegen ihrer exportorientierten Industrie besonders stark.

ore/dpa/ddp



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derweise 31.10.2009
1. Außenpolitisch
Außenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
c++ 31.10.2009
2. ritualisierter Vergangenheitsbewältigung
Wir haben diese Form der ritualisierten Vergangenheitsbewältigung noch nicht einmal 64 Jahre nach dem Ende des 2. WK überwunden, noch immer kommt, meist unangebracht, die erhobene Zeigefinger: "Deutschland bei seiner Geschichte ...", "Aufgrund des historischen Erbes...". Und da wollen die Genossen schon nach 20 Jahren aus ihrer historischen Schuld entlassen werden. Nein, Genossen, noch über 40 Jahre muss das Gedenken an den DDR-Sozialismus in Deutschland allgegenwärtig sein. Da darf es nicht zu Verharmlosungen und Relativierungen kommen. Die eigentliche Auseinandersetzung mit der NS-Zeit begann 1968, 23 Jahre nach dem Zusammenbruch. Die Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur müsste jetzt mal langsam beginnen. Ansonsten hat Platzeck natürlich Recht. Wer die DDR als Irrweg sieht, sich zum demokratischen Rechtsstaat bekennt, warum sollte man da Barrieren errichten? Allerdings wirklich nur dann, wenn es keine DDR-Nostalgiker sind. Und die gibt es noch in der Linken. Noch ist die Einsicht in das Unrecht nicht ausgelöscht, der Schoß ist fruchtbar noch.
goethestrasse 31.10.2009
3.
Versöhnen mit den SED - Erben .. Schwamm drüber , über 40 Jahre DDR. da bin ich mal gespannt, was hier im forum abgeht.
mursilli 31.10.2009
4. Mit oder ohne Hoffnungen
Zitat von sysopZwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer darf Bilanz gezogen werden. Nach großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen bleiben für viele Deutsche die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Welche Hoffnungnen weckte der Mauerfall, welche konnten Ihrer Meinung nach erfüllt werden?
- der Fall der Mauer selbst war das Ereignis. Plötzlich war das Zuchthaus offen und seine Leitung entmachtet.
ArbeitsloserMathematiker 31.10.2009
5.
Zitat von derweiseAußenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
Tja, die "geistig-moralische Wende" kann man eher mit der Inversion am Einheitskreis vergleichen...
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