Neue Option EADS könnte Daimler-Anteile zurückkaufen

Die Bundesregierung fürchtet um ihren Einfluss bei EADS. Daimler hat seinen Rückzug bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern angekündigt. Es gibt aber eine Option, bei der die deutsch-französische Machtverteilung bewahrt bliebe - wenn EADS selbst die Anteile des deutschen Autobauers kauft.

EADS-Standort in Friedrichshafen: Aufkauf würde rund fünf Milliarden Euro kostem
DPA

EADS-Standort in Friedrichshafen: Aufkauf würde rund fünf Milliarden Euro kostem


Hamburg - In das Ringen um die Daimler-Anteile an EADS kommt Bewegung: Es gibt Spekulationen, dass der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern selbst die Anteile des deutschen Autokonzerns kaufen könnte. Über ein Aktienrückkaufprogramm könnte EADS den Rückzugswunsch von Daimler erfüllen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Dieses Szenario werde in Finanzmarktkreisen diskutiert. Schließlich habe EADS genug Geld, die 7,5 Prozent am eigenen Unternehmen zu kaufen. Für die Bundesregierung hätte das den Vorteil, nicht selbst die Anteile kaufen zu müssen, um den deutschen Einfluss zu bewahren.

Um das deutsch-französische Aktionärsgleichgewicht zu halten, müsste EADS zudem insgesamt 7,5 Prozent von den beiden französischen Anteilseignern Lagardere und dem französischen Staat übernehmen. Damit würde den drei Großaktionären Daimler, Lagardere und dem französischen Staat Geld zufließen. Rechnerisch würde der Aufkauf von 15 Prozent der Aktien derzeit gut fünf Milliarden Euro kosten. EADS wollte sich dazu nicht äußern, schreibt die "FTD".

Der Rückkauf der eigenen Aktien könnte auch zeitlich gestreckt werden. Parallel müssten die seit langem diskutierten rechtlichen Voraussetzungen für ein Veto-Recht über "Goldene Aktien" für Deutschland und Frankreich vorangetrieben werden. Dieses Gesamtpaket könnte eine Langfristregelung ergeben. Ein Aktienrückkauf könnte laut Finanzmarktexperten allen gerecht werden, weil es bei der aktuellen Machtbalance bleiben könnte.

Regierung lockt Daimler mit Elektro-Prämie

Am Mittwoch berät Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Treffen mit ihren FDP-Ministern Guido Westerwelle und Rainer Brüderle sowie Finanzminister Wolfgang Schäuble, ob der Staat die Anteile von Daimler kaufen soll. Nach SPIEGEL-Informationen will die Bundesregierung einen Teilausstieg Daimlers noch verhindern. Dabei ist sogar eine staatliche Verkaufsprämie für Elektroautos im Gespräch, sollte der Konzern im Gegenzug auf seine Verkaufspläne verzichten.

Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums wollte dies nicht bestätigen. Sie sagte, Brüderle habe sich wiederholt gegen Verkaufsprämien für Elektroautos ausgesprochen hat. Daimler und der französische Staat sind derzeit mit je 15 Prozent an dem Konzern beteiligt, die französische Lagardère-Gruppe und ein deutsches Bankenkonsortium halten jeweils rund 7,5 Prozent. Für den Anteil der deutschen Bankengruppe liegen die Stimmrechte bei Daimler. Vertraglich sind die Schwaben bis 2012 gebunden.

cte/dpa-AFX



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