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Neuer Stresstest Europas Bankaufseher bereiten Griechen-Pleite vor

Eine Insolvenz Griechenlands wird immer wahrscheinlicher: Die Regierungen der Euro-Zone bereiten bereits Kapitalspritzen vor, um die Banken für den Fall einer Staatspleite zu rüsten. Außerdem haben die europäischen Finanzaufseher laut einem Zeitungsbericht mit einem neuen Stresstest begonnen.
Bankenviertel in Frankfurt: Die Probleme des Euro machen der Finanzwirtschaft zu schaffen

Bankenviertel in Frankfurt: Die Probleme des Euro machen der Finanzwirtschaft zu schaffen

Foto: Arne Dedert/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Lange hat die europäische Bankenaufsicht (EBA) die Möglichkeit von Staatspleiten innerhalb der Euro-Zone weitgehend ignoriert. Doch jetzt ist die Lage offenbar so ernst, dass die Aufseher die Auswirkungen eines Pleiteszenarios auf die europäischen Banken durchspielen.

Laut einem Bericht der "Financial Times" hat die EBA bereits mit einem neuen Stresstest für die Banken begonnen. Dabei werde die Behörde die aktuellen Marktwerte von Staatsanleihen zugrunde legen und so einen Schuldenschnitt simulieren. Als Ergebnis könnte laut dem Bericht herauskommen, dass die gesamte Branche 200 Milliarden Euro frisches Kapital braucht.

Die EBA wolle bei ihrem laufenden zweitägigen Krisentreffen die Folgen von Umschuldungen in großem Ausmaß prüfen. Die Behörde sei dazu angewiesen worden, für jedes einzelne Land den Kapitalbedarf der Banken im Falle einer Umschuldung Griechenlands zu ermitteln.

Die Behörde selbst dementierte, dass es sich bei den Prüfungen um einen neuen Stresstest handele. "Die EBA sieht sich die Kapitalpositionen der Banken an", teilte die Aufsicht mit. Man habe aber keine neue Runde von Stresstests für die Branche angekündigt.

Banken sollen sich für mögliche Staatspleiten wappnen

Die Staaten der Euro-Zone bereiten sich schon darauf vor, den Banken das benötigte Geld zur Verfügung zu stellen. Die EU-Finanzminister hatten bereits auf ihrem Treffen am Dienstag darüber gesprochen. Am Mittwoch hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet, die Bundesregierung stehe zur Rekapitalisierung der Banken bereit.

Erst im Juli hatte die EBA die Ergebnisse des bisher letzten Stresstests veröffentlicht. Dabei waren acht Banken durchgefallen. Weitere 16 Institute bestanden nur knapp und wurden verpflichtet, ihr Eigenkapital zu stärken. Die Pleite eines Euro-Staats wurde bei dem Test nicht als offizielles Szenario durchgespielt, weil es der nach außen vertretenen Linie der europäischen Politik widersprach.

Die EBA will auch die jetzt begonnene verschärfte Prüfung laut "Financial Times" nicht als Hinweis auf eine bevorstehende Pleite Griechenlands verstanden wissen. Es handele sich vielmehr um eine vorausschauende Maßnahme, um die Verhandlungen über eine mögliche Rekapitalisierung der europäischen Banken zu unterstützen, zitiert die Zeitung einen Beamten.

Die Behörde sei an Gesprächen mit Regierungsvertretern darüber beteiligt, mit welchen Mitteln die Banken zu einer Rekapitalisierung gezwungen werden könnten, damit sie für mögliche Zahlungsausfälle von Staaten gewappnet sind.

Die Banken in Deutschland haben nach eigener Einschätzung derzeit keinen akuten Kapitalbedarf. "Die deutschen Banken sind stabil. Sie haben ihre Kapitalausstattung deutlich verbessert", sagte der Hauptgeschäftsführer des privaten Bankenverbandes, Michael Kemmer, im Deutschlandfunk. Dennoch erfasse das allgemeine Misstrauen gegenüber den Finanzinstituten auch den deutschen Bankensektor. "Der Vertrauensverlust, der um sich greift, ist ernst zu nehmen", sagte Kemmer.

stk/Reuters