Bundesbank Deutscher Staat spart dank Niedrigzinsen 240 Milliarden Euro

Viele Anleger schimpfen über die Mini-Zinsen, der deutsche Staat dagegen hat massiv profitiert: Nach Berechnungen der Bundesbank sparten Bund, Länder und Gemeinden allein 2016 so fast 50 Milliarden Euro.

Finanzminister Wolfgang Schäuble
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Finanzminister Wolfgang Schäuble


In der Großen Koalition zeichnet sich Streit ab über die Verwendung des Haushaltsüberschusses: 2016 hat der Bund 6,2 Milliarden Euro mehr eingenommen, als er ausgegeben hat. Die SPD will das Geld für Investitionen ausgeben, auch Steuersenkungen werden gefordert, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dagegen will die Summe für den Abbau von Schulden nutzen.

Berechnungen der Bundesbank zeigen nun: Das Plus hat wenig mit besonders disziplinierter Haushaltsführung zu tun. Es ist eine Folge der seit Jahren niedrigen Zinsen. Der Bundesbank-Analyse zufolge, über die das "Handelsblatt" berichtet, haben Bund, Länder, Gemeinden und die Sozialversicherung so allein im vergangenen Jahr 47 Milliarden Euro gespart. Seit dem Jahr 2008 beläuft sich die Summe sogar auf 240 Milliarden Euro.

Die Bundesbank hat das Zinsniveau aus dem Jahr 2007, dem Jahr vor der Finanzkrise, mit dem jeweiligen Niveau in den Jahren danach verglichen. Musste der Staat im Jahr 2007 Investoren noch eine durchschnittliche Rendite von 4,23 Prozent für frisches Geld bieten, fiel das Zinsniveau seitdem kontinuierlich auf zuletzt 2,05 Prozent im Jahr 2016.

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Sollten die Zinsen allerdings wieder anziehen, wäre es schnell vorbei mit den Haushaltsüberschüssen. Dann würden auf den Staat Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe zukommen: Steigen die Zinsen um einen Prozentpunkt, müsste der Staat jährlich 21 Milliarden Euro mehr berappen.

beb



insgesamt 98 Beiträge
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dallmann67 12.01.2017
1. Staatliches Entschuldungsprogramm zu Lasten der Bürger
Mittlerweile dürfte es jeder Bürger kapiert haben, daß ein gigantisches Entschuldungsprogramm für die EU-Staaten zu Lasten und auf den Schultern der Bürger durchgepeitscht wird, man kann es getrost auch kalte Enteignung nennen. Perfide!
sw-grisu 12.01.2017
2. vielleicht kapiert ....
.... nun der letzte, dass mit unserem Staatshaushalt sehr schlecht gewirtschaftet wird. Gut gewirtschaftet wäre, wenn die 240 Mrd in die Tilgung geflossen wären und wir von unserem riesigen Haufen Schulden ein gutes Stück runter wären.
Sir_Batman, 12.01.2017
3. Oh mann
Freunde der SPONne... Die Bundesbank hat die Gesamtschulden ins Verhältnis zur Zinszahlung gesetzt. Der durchschnittliche Zinssatz für die Schulden - unabhängig von der Laufzeit - liegt bei knapp 2% und lag 2007 bei den 4,xx%. Aktuell zahlt der Bund für neue Schulden teilweise nichts, teilweise sehr wenig und ab und an gab es sogar etwas Geld. Wenn also die Zinsen um 1% steigen dann kostet uns das nicht sofort 21 MRD EUR mehr. Nur die neu aufgenommenen oder umgeschuldeten Beträge werden teurer.
spmc-12355639674612 12.01.2017
4. Jeder, der Kredite aufnimmt,
solange die Zinsen niedrig sind, profitiert von den niedrigen Kreditzinsen wahrscheinlich mehr, als er jemals von hohen Zinsen auf dem Sparbuch profitiert hätte. Das ist möglicherweise auch der Grund dafür, dass wirtschaftlich starke Länder (wie z. B. die USA, Japan oder auch Deutschland) im Vergleich zu wirtschaftlich schwachen Ländern (wie z. B. Indonesien oder Russland) einen recht hohen Schuldenstand haben.
shodanpc 12.01.2017
5. @#1
Tja.. entweder Entschuldung durch Minizinsen oder durch höhere Steuern/Abgaben. Egal wer gewinnt, der Bürger als "Bürge" verliert immer dabei. :)
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