Bei ungeregeltem Brexit Notenbank warnt vor steigender Inflation

Die britische Notenbank macht sich für den Fall eines No-Deal-Brexits auf harte Zeiten gefasst. Lebensmittel- und Treibstoffkosten könnten bei sinkenden Löhnen in die Höhe schießen.

Bankenviertel in London: Düstere Aussichten bei einem No-Deal-Brexit
Greg Bos / REUTERS

Bankenviertel in London: Düstere Aussichten bei einem No-Deal-Brexit


Der Chef der britischen Notenbank, Mark Carney, hat vor einem "echten wirtschaftlichen Schock" gewarnt, sollte Großbritannien die EU im Oktober ohne einen Deal verlassen. Das sagte Carney in einem Interview mit dem britischen Sender BBC.

Auch Verbraucher bekämen die Konsequenzen zu spüren: Es sei mit einer steigenden Inflation zu rechnen, so Carney. Außerdem sei ein Anstieg der Lebensmittelpreise in den Supermärkten und höhere Kosten für Treibstoff zu erwarten. Auch eine weitere Abwertung des britischen Pfund sei wahrscheinlich. In den vergangenen Handelstagen hatte die Währung bereits stark an Wert verloren.

Die Zentralbank hält einen ungeordneten Brexit demnach zunehmend für realistisch. Es gebe die "signifikante Möglichkeit" eines No-Deal-Brexits, so Carney. Er versicherte, dass die Notenbank alles in ihrer Macht Stehende unternehmen werde, um die britische Wirtschaft in einem solchen Fall zu stützen.

Automatische Maßnahmen der Bank für einen ungeregelten Austritt gebe es jedoch nicht. Man müsse schauen, wie sich mögliche Werksschließungen, etwa in der Autoindustrie, auswirken.

Bei der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch hatte die Bank of England wegen der hohen Brexit-Unsicherheit an ihrem vorsichtigen geldpolitischen Kurs festgehalten und den Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent belassen. In den gleichzeitig veröffentlichten neuen Wirtschaftsprognosen war die Möglichkeiten eines "No-Deal-Brexits" nicht enthalten gewesen.

Der neue britische Premierminister Boris Johnson hatte sich fest entschlossen gezeigt, das Königreich am 31. Oktober aus der EU zu führen, notfalls auch ohne ein Abkommen. Er will das zwischen seiner Vorgängerin Theresa May und Brüssel vereinbarte Abkommen nachverhandeln. Das lehnt die Europäische Union aber strikt ab.

fek/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.